©gabriele weis

  6.2. kurzversionsfolge:    DIE WELT ZWISCHEN 1945 UND 2000

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ungarn 1956 - panzerkommunismus

 

 

 

 

Allen kommunistischen Regierungen Osteuropas fehlte die demokratische Legitimation. 

Sie waren in der Regel von der Sowjetunion eingesetzt und konnten sich daher nie der mehrheitlichen Zustimmung der Bevölkerung sicher sein. 

 

Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit dem bestehenden System und der jeweiligen, moskauhörigen Regierung wuchs mit den Versorgungsmängeln im Grundnahrungs-, vor allem aber im Konsumgüterbereich. 

 

Diese erwuchsen zum einen aus den grundlegenden Mängeln der Planwirtschaft des "Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe", dem alle Ostblockländer angehörten. 

·    Unter Führung der Sowjetunion waren die Mitgliedsländer angehalten, vorwiegend die Schwerindustrie zu fördern, um von Westimporten unabhängig zu werden.  Alle wirtschaftlichen Planungen wurden außerdem einseitig an den Bedürfnissen der östlichen Großmacht ausgerichtet.

 

 

Das Aufbegehren der DDR-Bevölkerung am 17. Juni 1953 war das erste Zeichen für eine allgemeine Unruhe im Ostblock nach dem Tode Stalins im März 1953 gewesen. 

 

Viele in den Satellitenstaaten hatten sich von der neuen Kremlregierung erhofft, dass sie ihren Ländern nun mehr Eigenständigkeit gewähren würde. 

Doch einem Streik polnischer Arbeiter in Posen im Juni 1953 ("Mehr Brot", "Russen raus"), der eine große Protestbewegung auslöste, bereiteten sowjetische Truppen ebenfalls ein gewaltsames Ende.

 

In Ungarn setzte die neue sowjetische Führung nach Stalins Tod im Jahr 1953  Imre Nagy als Ministerpräsidenten und Oberhaupt der ungarischen Regierung ein. Er sollte die Diktatur des Stalinisten Mátyás Rákosi beenden, wurde aber nach der Einführung von Reformen infolge eines politischen Kurswechsels 1955 wieder abgesetzt.

 

 

1956 forderten Intellektuelle, Schriftsteller und Teile der kommunistischen Partei im Oktober Pressefreiheit, geheime Wahlen, ein Mehrparteiensystem und staatliche Neutralität. 

 

Nach einer Volkserhebung im ganzen Land wurde Imre Nagy Ministerpräsident.   Er verkündete die Einführung einer Mehrparteiendemokratie und die politsche Neutralität Ungarns.

 

Dieser Aufstand schien schon Erfolg zu haben, als er am 4. November von sowjetischen Panzerdivisionen niedergeschlagen wurde.   

Tausende Ungarn wurden verhaftet, nach Sibirien verschleppt oder, wie Ministerpräsident Nagy, später hingerichtet. 

Etwa 200 000 flohen in den Westen.

Jetzt bestand kein Zweifel mehr daran, dass die Sowjetunion auch unter Stalins Nachfolger Nikita Chruschtschow das Ausscheren eines Satellitenstaates aus ihrem Einflussbereich und selbst kleinere Abweichungen von ihrer Linie mit allen Mitteln zu verhindern gewillt war.

János Kádár wurde neuer Ministerpraesident und Regierungschef. Unter seiner Fuehrung bemuehte sich Ungarn 1961 erneut, sich von der strengen kommunistischen Linie abzusetzen. Schrittweise wurden marktwirtschaftliche Reformen eingefuehrt, wodurch Ungarn zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs des kommunistischen Regimes Ende derachtziger Jahre einen beachtlichen wirtschaftlichen Vorsprung gegenueber seinen osteuropaeischen Nachbarn erreicht hatte. Das Land wurde in Republik Ungarn umbenannt und Imre Nagy am Jahrestag seiner Hinrichtung rehabilitiert; er wird als Nationalheld verehrt.

 

 

 

Die Westmächte kamen Ungarn nicht zu Hilfe.

·    Proteste und Anteilnahme der westlichen Öffentlichkeit konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die maßgeblichen Politiker mit dem Status quo bereits abgefunden hatten. 

·    Der Westen akzeptierte den Herrschaftsbereich der Sowjetunion, beharrte andererseits aber auf der uneingeschränkten Sicherheit seines eigenen Machtbereichs.

  

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