5.1.konstitutionalismus....
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5.3. hochkapitalismus
5.2. 19./20.JHD-1: ideologisches zeitalter-4: KONSERVATSISMUS - AUTORITARISMUS
> NATIONALSTAATSGRÜNDUNGEN (GR,B.I,D):
D - KAISERREICH 1870-1918 / Akzentuierungen im Bereich der Gesellschaftsentwicklung
achtung: seite baut extrem langsam auf infolge einer vielzahl (!!) von graphiken + bildern, für deren vergleich mir scrollmöglichkeiten wünschenswert erschienen!
Familienbilder:
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Standesunterschiede bei der Arbeit:
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Antisemitismus:
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Aus dem "Konservativen Handbuch" von 1894:
Immer allgemeiner wird die Klage, daß der Jude, sei es als Wucherer und Ausbeuter oder umgekehrt als sozialdemokratischer Agitator, vorzugsweise immer dort zu finden sei, wo man an der Zersetzung und Vernichtung unseres Volkstums arbeitet; daß er im wirtschaftlichen Leben weniger durch schaffende Tätigkeit als durch erlaubte oder unerlaubte Übervorteilung anderer die Mittel gewinne, die in seinen gewandten Händen dann eine doppelt wirksame Waffe in dem weiteren Daseinskampf werden; daß er in den höheren Berufen, in der Rechtsanwaltschaft, in der Medizin, in der Literatur, im Zeitungs- und Theaterwesen durch rücksichtslose Hingabe an den Erwerbsinstinkt die gewissenhafteren Mitbewerber schädige. ..und daß bei seiner geringen Neigung zum Aufgehen im Deutschtum seine wachsende wirtschaftlich-soziale Macht zu einer immer ernsteren Gefahr für unsere nationale Entwicklung und Eigenart herauswachse.
Das Konzept:
Wilhelm II.
"Meine Untertanen sollten einfach tun, was ich ihnen sage, aber meine Untertanen wollen immer selber denken, und daraus entstehen dann alle Schwierigkeiten."
Rede des Kaisers bei der Rekrutenvereidigung am 23. November 1891 in Potsdam
"Rekruten! Ihr habt jetzt Vor dem geweihten Diener Gottes und angesichts dieses Altars Mir Treue geschworen. .., ihr seid jetzt Meine Soldaten, ihr habt euch Mir mit Leib und Seele ergeben; es gibt für euch nur einen Feind, und der ist Mein Feind. Bei den jetzigen sozialistischen Umtrieben kann es vorkommen, daß Ich euch befehle, eure eigenen Verwandten, Brüder, ja Eltern niederzuschießen - was ja Gott verhüten möge -, aber auch dann müßt ihr Meine Befehle ohne Murren befolgen."
Der Generalstabschef Graf Waldersee
"Die Gardeinfanterie und -kavallerie, bald auch die Gardeartilleri,e, besteht nur aus adeligen Offizieren, ebenso eine große Anzahl Kavallerie- und einige Infanterie-Offizierskorps. ..Umgekehrt gibt es viele. ..Regimenter mit fast ausschließlich bürgerlichen Offizieren. ..Das. ..hat. ..große Gefahren in sich."
Richtlinien für den Reserveoffizier
"Der Anzug im bürgerlichen Leben muß der Würde des Offiziersstandes entsprechen. ..Der Offizier soll ein wahrer Christ im Innern und nach außen dieser Gesinnung auch durch den Kirchenbesuch Ausdruck verleihen. Der Reserveoffizier, der als Gutsbesitzer, als Assessor, als Steuerbeamter die Kirche besucht, wirkt. ..auf seine Umgebung in demselben Sinne günstig ein. ..Daß der Reserveoffizier zu den staaterhaltenden, königstreuen Parteien gehört, ist wohl selbstverständlich. ..; ein anderer Standpunkt verträgt sich. ..nicht mit dem Fahneneide. Ein Reserveoffizier, der. ..als. ..Mitglied einer Partei [auftritt], die die Königstreue ableugnet, muß seiner Offizierswürde entkleidet werden."
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Friedrich Wilhelm IV. zu den preußischen Lehrerausbildern, 1849
"All das Elend, das im verflossenen Jahre über Preußen hereingebrochen ist, ist. ..einzig Ihre Schuld, die Schuld
...der irreligiösen Massenweisheit. .., mit der Sie den Glauben und die Treue in dem Gemüte meiner Untertanen ausgerottet und deren Herzen von mir abgewandt haben."Neue Lehrinhalte
1856 wurde der Volksschul-Unterricht in Deutsch, Rechnen und Naturkunde zugunsten des Kernfaches Religion beschränkt. Bis zum Ende ihrer Schulzeit hatten die preußischen Volksschüler 180 Bibelsprüche mit ungefähr 300 Versen und 60 Sonntagsevangelien mit 1000 Versen auswendig zu lernen. Dazu mußten die Schüler 170 biblische Geschichten frei zu erzählen lernen und den Katechismus beherrschen.
Neue Aufgaben -Order Wilhelms II., 1. Mai 1889
"Mich [hat] der Gedanke beschäftigt, die Schule. ..nutzbar zu machen, um der Ausbreitung sozialistischer und kommunistischer Ideen entgegenzuwirken. In erster Linie wird die Schule durch die Pflege der Gottesfurcht und der Liebe zum Vaterland die Grundlage für eine gesunde Auffassung auch der staatlichen. ..Verhältnisse zu legen haben. ..Sie muß bestrebt sein, schon der Jugend die Überzeugung zu verschaffen, daß die Lehren der Sozialdemokratie nicht nur den göttlichen Geboten. ..widersprechen, sondern in Wirklichkeit unausführbar und in ihren Konsequenzen dem Einzelnen und dem Ganzen gleich verderblich sind, sie muß ...der Jugend zum Bewußtsein bringen, wie Preußens Könige bemüht gewesen sind. .., die Lebensbedingungen der Arbeiter zu heben, von den gesetzlichen Reformen Friedrichs des Großen. ..bis heute."
Wilhelm II. über die Reform des Schulwesens vom 4. Dezember 1890
"Wer selber auf dem Gymnasium gewesen ist. .., der weiB, wo es da fehlt. Und da fehlt es vor allem an der nationalen Basis. Wir müssen als Grundlage für das Gymnasium das Deutsche nehmen; wir sollen nationale junge Deutsche erziehen und nicht junge Griechen und Römer. ..Der deutsche Aufsatz muß der Mittelpunkt sein, um den sich alles dreht. Wenn einer im Abiturientenexamen einen tadellosen deutschen Aufsatz liefert, so kann man daraus. ..beurteilten, ob er etwas taugt."
Anweisungen eines Schulrats für Lehrer, 1903
"Damit jede Störung des Unterrichts unmöglich gemacht werde, hat der Lehrer. ..darauf zu halten: a) daß alle Schüler. ..gerade. ..und in Reihen hintereinander sitzen. ..b) daß jedes Kind seine Hände geschlossen auf die Schultafel legt. ..c) daß die Füße parallel nebeneinander auf den Boden gestellt werden. ..[Zur Heraufnahme von Büchern gilt folgendes] : Die Kinder haben die betreffenden Lernmittel in 3 Zeiten heraufzunehmen und hinwegzutun. Gibt der Lehrer. ..zum Heraufnehmen des Lesebuchs. ..das Zeichen, 1', dann erfassen die Kinder das unter der Schultafel liegende Buch; beim Zeichen ,2' erheben sie das Buch über die Schultafel; beim Zeichen ,3' legen sie es geräuschlos auf die Schultafel nieder, schließen die Hände und blicken den Lehrer an. ..Alle breiten Auseinandersetzungen und Reden müssen wegfallen; hier muß ein Wink des Auges. ..oder der einzige ...Ausruf: ,Klasse -Achtung" genügen, um die gesamte Schulordnung herzustellen."
Karikatur von Th. Heine 1910/1911. Der Originaltext lautet:
"An den preußischen Schulen soll jetzt ein neues Unterrichtsfach Staats-
bürgerkunde eingeführt werden. Es ist wohl selbstverständlich, daß der
Unterricht von Schutzleuten erteilt wird."
Der Sozialdemokrat W. Liebknecht
"Der dressierende Schulmeister und der drillende Unteroffizier sind die beiden Hauptpfeiler des heutigen Staates. ..Neben dem drillenden Unteroffizier hat der dressierende Schulmeister. ..bei [Königgrätz, 1866] gesiegt. .. Der Unteroffizier ist die Voraussetzung des Schulmeisters. Die Volksschule ist die Vorschule der Kaserne, die Kaserne die Fortbildungsschule der Volksschule. Ohne den
Schulmeister keinen Unteroffizier!"
Die Praxis:
Graf Lerchenfeld, langjähriger bayerischer Bundesratsbevollmächtigter, 1903 in einem Bericht an die bayerische Regierung über Wilhelm II.:
Er zeigt heute noch dieselbe jugendliche Frische, dieselbe rasche Auffassungsgabe, denselben persönlichen Mut und denselben Glauben an die Sicherheit seines Urteils und Könnens. Diese an sich für einen Monarchen wertvollen Eigenschaften werden aber leider auch heute noch zum Teil paralysiert durch die Abneigung, sich zu konzentrieren und sich in die Dinge zu vertiefen, durch ein fast krankhaftes Bedürfnis, in jeder Lage, ohne die berufenen Ratgeber zu hören, sofort zu entscheiden und durch den Mangel an Augenmaß und eigentlichem politischen Gefühl. ..Er möchte in alles eingreifen, für alles die Verantwortung tragen und betrachtet, wenigstens theoretisch, die Minister lediglich als seine Vollzugsorgane. Genau vermag er aber dem Gang der Staatsmaschine nicht zu folgen, und so sind es meistens Einzelheiten, Lieblingsprojektebei denen man sein Eingreifen bemerkt. ..Ober den Reichstag hat der Hohe Herr seine eigenen Gedanken, die sich in das Wort Geringschätzung zusammenfassen lassen. ..S. M. glaubt die Macht zu
besitzen, wenn es einmal mit dem Reichstag nicht mehr ginge, rasch Wandel zu schaffen, und täuscht sich so über manche Gefahren der inneren Lage hinweg.
Aufzeichnungen des Hofmarschalls Graf von Zedlitz und Trütschler. 1909
...Das Schlimmste ist, daß der Kaiser sich immer mehr entwöhnt, wirklich etwas zu arbeiten. Er steht spät auf, frühstückt um 9 Uhr, ist nur sehr schwer und sehr ungern etwa zwei Stunden am Vormittag für die Vorträge zu haben. Häufig be1 nutzt er die Vorträge, um seinen Räten selber Vortrag zu halten. Dann kommt das Frühstück um 1 Uhr. Es folgt die Ausfahrt um 2 oder halb 3 Uhr, dann Tee, dann Schlafen, und vor der Abendtafel um 8 Uhr noch Erledigung einiger Unterschriften. Infolge des öfters sich bis drei Stunden hinziehenden Nachmittagsschlafes bleibt der Kaiser regelmäßig bis 12 Uhr oder 1 Uhr auf und steht dabei am liebsten im Kreis von Menschen, die ihm andächtig zuhören und denen er unentwegt erzählt. So spielt sich das Leben tatsächlich ab ...
Wilhelm II., Aus einem Marinebefehl von 1908:
121 Seine Majestät der Kaiser haben befohlen, daß das Hurrarufen innerhalb des einzelnen Schiffes absolut gleichmäßig unter Hochnehmen der Mützen zu erfolgen habe. Es sind Posten mit Winkflaggen. ..an geeigneten Stellen des Schiffes aufzustellen. Auf das Kommando: "Drei Hurras für. .." werden die Flaggen hochgenommen. Gleichzeitig verläßt die rechte Hand der paradierenden Leute das Geländer und geht an den Mützenrand. Auf das Kommando "Hurra" gehen die Winkflaggen nieder, das Hurra wird wiederholt, während die Mützen durch Strecken des rechten Armes unter einem Winkel von etwa 45 Grad kurz hochgenommen und, sobald das Hurra verklungen ist, unter Krümmung des Armes kurz vor die Mitte des Oberkörpers genommen werden. Gleichzeitig gehen die Winkflaggen wieder hoch. ..
Heiratsanzeige aus der Berliner Kreuzzeitung, 26. Juli 1870
"Unsere am heutigen Tage vollzogene eheliche Verbindung beehren wir uns. ..ergebenst anzuzeigen. Paul Lehnert, Kammergerichtsreferendar und Leutnant der Reserve des 2. Garderegiments z. F. Katharine Lehnert, geb. Eichhorn"
Stellung des Offiziers, Artikel des Militär-Wochenblatts vom Juli/August 1889
"Der Stolz jedes Deutschen ist die Armee, die Blüte des Volkes. Deutschlands Heer - die Elite des Heeres, ist das Offizierskorps. ..Wenn der Offiziersberuf jetzt nicht mehr wie früher das Monopol des Adels ist, so dürfen doch nur Ebenbürtige, nur Ritter vom Geiste und Kavaliere von Erziehung und Gesinnung Mitglieder und Genossen dieses bevorzugten Standes sein. ..Der bürgerliche sowohl wie der adelige Offizier vertreten. ..die aristokratische Weltanschauung gegen die demokratische. Der junge Offizier aus bürgerlicher Familie bekundet durch die Wahl des Offiziersberufes, daß er. ..sich zur Aristokratie der Gesinnung rechnet, welche den Offizier beseelen muß ...
Die. ..Gesinnungen [des Offiziersstandes] sind: dynastischer Sinn, unbedingte Treue gegen die Person des Monarchen, erhöhter Patriotismus, Erhaltung des Bestehenden, Verteidigung der seinem Schutze anvertrauten Rechte des Königs und Bekämpfung vaterlandsloser, königsfeindlicher Gesinnung. ..Vor allen anderen ist der Offizier berufen, die Fahne des Königs von Gottes Gnaden voranzutragen. ..Die Stellung als Offizier erfordert ...[die] Mißbilligung. ..jener politischen Richtungen, wel che das Königtum von Gottes Gnaden bekämpfen oder seine ihm zustehenden Rechte verkürzen möchten."
Auf einem preußischen Gutshof
a) "Etwa um 11 Uhr sahen wir einen Reiter vom Gut auf uns zukommen. Mit ungezwungener Eleganz saß er im Sattel, die rechte Hand leicht auf die Lende gestemmt. .., ,De gnä' Herr!' murmelte es allgemein, und fleißiger noch rührten sich die Hände. Jetzt setzte der Vogt seine Kartoffelkiepe auf die Erde, wischte sich schnell die Hände an den Hosen ab und ging seinem Gebieter entgegen. Sechs Schritt vor ihm blieb er stehen, nahm kurz die Hacken zusammen und zog ehrerbietig seine Mütze. Wie das aussah! Dort der Herr, hoch zu Roß, jeder Zug aristokratische Vornehmheit; hier der Vogt, barhäuptig in urpommerischer Hölzernheit -ein Bild disziplinierter Demut."
b) "Schneidig kam [der Inspektor] auf einem starken Braunen angeritten: Den fast unterwürfigen Gruß des Vogtes erwiderte er nur mit einem kurzen ,'n Morgn' und noch kürzerem Tik an seine Inspektormütze. Er stieg dann ab und wechselte einige Worte mit dem Vogt, der sich inzwischen beeilte, das Pferd an einem Kartoffelwagen festzubinden. Beide schritten hierauf die Linie der emsig
tätigen ,Leute' ab, der Vogt stets bemüht, einen halben Schritt rückwärts an der linken Seite seines Vorgesetzten zu bleiben. ..Auffallend war mir jedoch, daß er es nicht der Mühe für wert hielt, uns Sammlern einen ,guten Morgen' zu wünschen. Er notierte sich nur unsere Namen und ritt dann zu den pflügenden Knechten hinüber, wo wir ihn
bald weidlich schimpfen hörten."
c) "Übrigens gab es in der näheren Umgebung unseres Ortes eine ganze Anzahl adeliger Gutsherren, die an den letzten Feldzügen teilgenommen hatten, als Herr. ..Rittmeister, Herr Major oder auch als Herr Oberst. Häufig kamen diese Herren nach unserem Städtchen. ..Im Sommer hoch zu Roß oder per Wagen, im Winter in eleganten Schlitten, in prächtige Pelze gehüllt. ..mit zwei Vorreitern, Kutscher und Diener in reicher Livree, Honoratioren und Geschäftsleute standen dann nicht selten in ihren Haustüren und machten Bücklinge und Kratzfüße, und mancher. ..rechnete es sich zur hohen Ehre an, wenn er das Glück hatte, derartig vornehme Herrschaften grüßen zu dürfen und gar -wieder gegrüßt zu werden."
Gutsbezirke, Bericht des Abgeordneten Hirsch, 1913
"Unter einem selbständigen Gutsbezirke versteht man ein ...Landgebiet, das mit seinen Bewohnern der obrigkeitlichen Gewalt eines Gutsherrn unterstellt ist. Der Gutsherr übt die polizeiliche Gewalt; er ist. ..der Träger aller kommunalen Rechte. ..Die innere Gestaltung eines Gutsbezirks weicht demnach von der der Gemeinden völlig ab, nach außen aber hat der Gutsbesitzer alle Rechte und Pflichten der Gemeinde; insbesondere tritt er. ..an die Stelle des Gemeindevorstehers, dem aber keinerlei Gemeinderat zur Seite steht. ..In der Provinz Posen [unterstehen] etwa ein Fünftel der Einwohner [dem] Gutsbezirke. ..ebenso ist es in Pommern. ..Hier zählte man ...1910 neben 63 Städten und 2091 Landgemeinden. .. 2382 Gutsbezirke. ..Durch Gesetz wurde die Grund- und Gebäudesteuer außer Hebung gesetzt. ..[Die Gutsbezirke] können. ..von keiner Gemeinde. ..zur Kommunalsteuer herangezogen werden. ..Daß sie für ihren Bezirk sich die Lasten selbst aufzuerlegen haben, bewirkt nun, daß sie sich in jeder Weise den Schullasten entziehen, so daß die Schule auf dem Mindestmaß des Notwendigen gehalten wird; ferner aber auch, daß die Wege. ..fast stets in schlechtem Zustand sind. ..
Als ,Gemeindevorsteher' repräsentiert der Gutsbesitzer eine. ..Behörde; er hat Rechte und Pflichten des. .. Staatsbeamten. ..auf Grund des ererbten oder erkauften Besitzes. ..Er kann Geld- oder. ..Haftstrafen. ..festsetzen. ..Gegen seine Anordnungen. ..ist eine Beschwerde ...an den Landrat und weiter an den Regierungspräsidenten zulässig, das heißtan Männer, die östlich der Eibe meist wieder mit den Besitzern der Gutsbezirke auf das engste zusammenhängen. ..In der. ..Abwälzung der Armenlasten auf die benachbarten Landgemeinden legen die Gutsherren eine. ..meisterhafte Virtuosität an den Tag. .. Niemand außer ihnen selbst kontrolliert die gesundheitlichen Verhältnisse der Wohnungen. ..Die ganze Härte der Gesindeordnung. ..tritt erst in den Gutsbezirken in die Erscheinung, wo der Arbeitgeber. ..als Polizeiorgan das Recht. ..zwangsweiser Vollstreckung hat."
W. Pauly, Der Landrat in Ostpreußen
,,[Es] waren. ..zwei ganz verschiedene Aufgaben, die dem Landrat in Preußen oblagen: seine Tätigkeit. ..als besoldeter Staatsbeamter und kommunaler Ehrenbeamter. Denn in letzterer Eigenschaft bezog er kein Gehalt. Als Landrat war er der Vorgesetzte der Amtsvorsteher als örtliche Polizeiorgane. Diese waren in Gegenden mit viel Großgrundbesitz meist die Besitzer der Rittergüter, in solchen mit viel Klein- und Mittelbesitz die Intelligentesten unter ihnen. ..Als Landrat in Allenstein verkehrte man .gesellschaftlich zunächst selbstverständlich mit den größeren Besitzern des Kreises, ferner aber auch mit den Herren der Regierung, mit Behörden und Bürgern der Stadt und mit der Garnison. Das ergab mit den einzuladenden Damen etwa 200-250 Gäste im Jahr. ..Der Allensteiner Landrat bekam 6000,- Mk, als Dienstaufwand. .. Damit waren zu unterhalten zwei Pferde, dazu der verheiratete Kutscher, ferner die Angestellten des Landratsbüros."
A. Winnig, Frührot. Ein Buch von Heimat undJugend, Schulen um 1880 in einer Kleinstadt
"Das Gymnasium war ein Gebäude aus festem Werkstein. ..Die erste Bürgerschule hatte. ..gerade ein neues prächtiges Gehäuse bekommen, das. ..inmitten der Bürgerhäuser. ..wie ein Palast aussah. Unsere Schule [die sogenannte zweite Bürgerschule der armen Leute] ...war in einigen kleinen Fachwerkhäusern untergebracht, die in verschiedenen Straßen lagen. ..Die Gymnasiasten verkörperten die Aristokratie und das große Bürgertum, wir Jungen der zweiten Bürgerschule das Proletariat, und zwischen uns beiden stand die Jugend der ersten Bürgerschule, die dem Mittelstand und dem Kleinbürgertum angehörte."
Aus einem Schulgeschichtsbuch der Kaiserzeit
"Wir Deutsche, die wir von jeher zur weltbürgerlichen Anschauung geneigt gewesen sind, müssen auch heute noch oft genug daran erinnert werden, daß das Fremde minderwertig ist, und daß schon die Dankbarkeit gegen unser Vaterland uns gebietet, das Heimisch hochzuhalten."
Jugend und Judentum - Aus dem Handbuch der Judenfrage, 1907"Der Jude war körperlich von jeher und geistig jetzt mehr als je ein Zersetzungsprodukt; er wirkte darum. ..stets wieder zersetzend. Der moderne Jude hat keine Religion, keinen Charakter, keine Heimat, keine Kinder. Er ist ein Stück Menschheit, das sauer geworden ist. ..Die Jugend gegen die Juden! ...Die Jugend, die Kirche, die Armee vertreten ideale Interessen und sind daher antijüdisch gesinnt. Sie sind die Eisbrecher gegen das heutige Judentum. ..Der deutsche Student ist jüdischen Lockungen und Drohungen nicht zugänglich. ..Der Kampf aristokratischer Deutscher gegen plebejische Juden [kann nur dann erfolgreich sein] wenn er von dem höchsten sittlichen wie geistigen Standpunkt aus geführt wird."
Die Stellung des Bürgertums:
Verhandlungen des Reichstags vom 14. Januar 1913, Das besondere Dienstverhältnis der Beamten
"Das Beamtenverhältnis ist nicht bloß ein Vertrag über bestimmte einzelne Arbeitsleistungen, sondern es ist ein Dienstvertrag, ein Treuevertrag, der die ganze Person umfaßt, ein Verhältnis der Treue, die durch den Eid beschworen ist, in welchem dem König Gehorsam und der Verfassung und den Gesetzen Befolgung zugeschworen wird. Mit solchem Eid, mit dem Eingehen eines solchen
Treueverhältnisses ist die Zugehörigkeit zu einer Partei [SPD, 1913 110 Sitze im Reichstag], die die Republik erstrebt und dieses Ziel auf dem Wege der Gewalt und Revolution erreichen will, unvereinbar."
W. Bioern, Der krasse Fuchs. Berlin 1910, Städtisches BürgertumMarburgs Bürgerschaft gliederte sich in zwei Kasten: in die Gesellschaft und in das, was nicht zur Gesellschaft gehörte. ..Die Mitglieder des Vereins ,Museum' bildeten die Gesellschaft; wer diesem Kreise nicht angehörte, war ein unqualifiziertes Lebewesen. Die Mitglieder der Behörden, der Universität, der städtischen Verwaltungskörperschaften, das Offizierskorps des Jägerbataillons. ..sämtliche privaten Akademiker und die wohlhabenden Kaufleutegehörten dem Verein an. Die Studenten konnten um ein so Geringes die außerordentliche Mitgliedschaft erwerben.
A. von Wilke, Alt-Berliner Erinnerungen. Berlin 1930, "Neuadel"
Die Nobilitierungsversuche, auch von Generalen und Beamten. .., hatten sich irn Heroldsamt. ..zu Haufen gestapelt. Der verstorbene [Amtschef] ...sagte mir gelegentlich, man hätte sich zu einer Art von ,Kontingentierung' entschließen müssen. ..Es dauerte mitunter jahrelang, bis ein Gesuch an die Reihe kam. ..Wilhelm II. ...sah es als eine seiner Herrscherpflichten an, den Wünschen der Millionäre nach Auszeichnungen - Orden und Adelsbriefen - entgegenzukommen, daran aber die Bedingung gemeinnütziger Spenden oder Stiftungen zu knüpfen. .. Einfache und Geheime Kommerzienräte errichteten Majorate in der. ..Ostmark, gaben namhafte Summen für Kirchenbauten. .., Wohltätigkeitsinstitutionen. ..wissenschaftliche Forschungen.
Brief der Freifrau von Kretschmann an ihre Tochter Lilly Braun, als diese der Sozialdemokratie beigetreten war
"Deine große Verirrung, Dein Unglaube haben Dich, wie es scheint, für alles, was Pflicht, Gehorsam, Liebe und Rücksicht heißt, blind und taub gemacht, sonst müßtest Du wissen, daß Du mit einem solchen Schritt Deinem ganzen bisherigen Verhalten Deinen Eltern, Deiner Familie gegenüber die Krone aufsetzest. Dieser Partei, die alles besudelt und mit Füßen tritt, was uns heilig ist: Gott und Christentum, Familie, Ehe, Monarchie und Militär, sollen wir unser Kind überlassen? Es wäre in dem Augenblick für uns gestorben"
Aus dem Roman "Der Untertan", den Heinrich Mann im Juli 1914 beendete und erst im Dezember 1918 veröffentlichen konnte:
[Nachdem der Student Diederich Heßling seiner von ihm selbst schwangeren Freundin Agnes Göppel den Laufpaß gegeben hat, spricht Heßling mit ihrem Vater.] Diederich fühlte sich erröten. Um so entschlossener ging er vor. " Wenn Sie es durchaus hören wollen: Mein moralisches Empfinden verbietet mir, ein Mädchen zu heiraten, das mir ihre Reinheit nicht mit in die Ehe bringt."
Sichtlich wollte Göppel sich nochmals empören; aber er konnte nicht mehr, er konnte nur noch das Schluchzen unterdücken. Wenn Sie heute nachmittag den Jammer gesehen hätten! Sie hat es mir gestanden, weil sie es nicht mehr aushielt. Ich glaube, nicht mal mich liebt sie mehr: nur Sie. Was wollen Sie denn, Sie sind doch der erste." Weiß ich das? Vor mir verkehrte bei Ihnen ein Herr namens Mahlmann." Und da Göppel zurückwich, als sei er vor die Brust gestoßen: Nun ja, kann man das wissen? Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht." Er o sagte noch: Kein Mensch kann von mir verlangen, daß ich so eine zur Mutter meiner Kinder mache. Dafür hab ich zuviel soziales Gewissen. Damit drehte er sich um. Er hockte nieder und legte Sachen in den Koffer, der geöffnet dastand.
Hinter sich hörte er den Vater nun wirklich schluchzen -und Diederich konnte nicht hindern, daß er selbst gerührt ward: Durch die edelmännliche Gesinnung, die er ausgesprochen hatte, durch Agnes´ und ihres Vaters Unglück, das zuheilen ihm die Pflicht verbot, durch die schmerzliche Erinnerung an seine Liebe und all diese Tragik des Schicksals. [. ..1 Er hörte, gespannten Herzens, wie Herr Göppel die Tür öffnete und schloß, hörte ihn über den Korridor schleichen und das Geräusch der Flurtür. Nun war es aus - und da
ließ Diederich sich vornüber fallen und weinte heftig in seinen halbgepackten Koffer hinein. Am Abend spielte er Schubert.
Damit war dem Gemüt Genüge getan, man mußte stark sein. [. ..1 Daß auch die anderen in ihrem Innern vielleicht doch weiche Stellen haben könntent erschien ihm im höchsten Grade unwahrscheinlich. Nur er war, von seiner Mutter her, damit behaftet; und ein Mädel wie Agnes, die gerade so verrückt war wie seine Mutter, würde ihn ganz untauglich gemacht haben für diese harte Zeit. Diese harte Zeit: Bei dem Wort sah Diederich immer die Linden, mit dem Gewimmel von Arbeitslosen, Frauen, Kindern, von Not,
Angst, Aufruhr -und das alles gebändigt, bis zum Hurraschreien gebändigt, durch die Macht, die allumfassende, unmenschliche Macht, die mitten darin ihre Hufe wie auf Köpfe setzte, steinern und blitzend. ,Nichts zu machen', sagte er sich, in begeisterter Unterwerfung. ,So muß man sein!' Um so schlimmer für die, die nicht so waren: sie kamen eben unter die Hufe. [. ..] Diederich empfand stolze Freudet wie gut er nun schon erzogen war. Die Korporation, der Waffendienst und die Luft des Imperialismus hatten ihn erzogen und tauglich gemacht. Er versprach sich, zu Haus in Netzig seine wohlerworbenen Grundsätze zur Geltung zu bringen und ein Bahnbrecher zu sein für den Geist der Zeit. Um diesen Vorsatz auch äußerlich an seiner Person kenntlich zu machen, begab er sich am Morgen darauf in die Mittelstraße zum Hoffriseur Haby und nahm eine Veränderung mit sich vor, die er an Offizieren und Herren von Rang jetzt immer häufiger beobachtete. Sie war ihm bislang nur zu vornehm erschienen, um nachgeahmt zu werden. Er ließ vermittelst einer Bartbinde seinen Schnurrbart in zwei rechten Winkeln hinaufführen. Als es geschehen war, kannte er sich im Spiegel kaum wieder. Der von Haaren entblößte Mund hatte, besonders wenn man die Lippen herabzog, etwas katerhaft Drohendes, und die Spitzen des Bartes starrten bis in die Augen, die Diederich selbst Furcht erregten, als blitzten sie aus dem Gesicht der Macht.
Der Präsident der Universität Kalifornien in einer New Yorker Zeitschrift
"Sehr verschieden irn Äußern waren diese schmucken Soldaten von den gebeugten Professoren, welche mir zuerst Deutschland auslegten, aber ich fand endlich heraus, daß beide Gruppen sich achteten und daß erst beide vereint das ganze Deutschland vorstellten. Ohne die Professoren wäre es hohl, ohne Soldaten und Kaiser, ohne Ordnung und Schutz wäre es schwach und arm, zermalmt zwischen Rußland und Frankreich. ..Vierzig Friedensjahre. ..haben die Herrschaft der Industrie und wissenschaftlichen Forschung gekräftigt und brachten die Verbindung von Geschäftskontor und Laboratorium zu einer ungeahnten Blüte."
Der Vorwurf:
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???
Der Pädagogikprofessor Wilhelm Rein urteilte 1893:
Da stehen wir mitten in der sozialen Frage. Wer will sie entscheiden? Versagt dem Arbeiter jedes Eingehen auf seine Forderungen, und ihr werdet sehen, daß wir einer Katastrophe zueilen. Gebt dem Arbeiter nach, dann scheiden sich die Ansichten ...Wir halten es mit unserm jungen Kaiser. Die Lösung der sozialen Frage ist die größte und schwierigste Aufgabe, die der Gesellschaft gestellt
ist. ..Die Hauptsache ist und bleibt, daß in dem gegenwärtigen Zeitpunkte die Bewegung in friedliche Bahnen gelenkt werde, daß die Sozialdemokratie dahin gedrängt werde, in ihrer Mitte die sozialdemagogischen von den sozialdemokratischen Elementen scharf zu scheiden.
Martin Wenck, ein deutscher Sozialreformer, schrieb 1913 rückblickend:
So gewaltig erschütternd Bismarcks Sturz wirkte, einem Erdbeben gleich - um der sozialen Frage willen, die gebieterisch alle anderen zurückdrängte, empfanden viele Millionen Deutsche diesen Rücktritt doch wie eine Erlösung. Nun sollte und konnte die Bahn frei werden für eine Epoche sozialen Wirkens ... Wilhelm II. wurde der "Arbeiterkaiser", der "uns großen Tagen entgegenzuführen" schien. Dieser Begeisterungsstrom drang sogar in die Amtsstuben der Regierung und die Aktenbündel der Konsistorien hinein. "Sozial sein" war jetzt so gut wie "königstreu", war so gut wie "hoffähig" geworden. Eine Flut von sozialen Schriften, Vorträgen, Reden, Predigten, Gedichten, Dramen, Romanen ging durch das Land, und Organisationen über Organisationen entstanden, um die sozialreformerischen Kräfte zu positiver Arbeit zusammenzuschließen. Es war viel ehrlicher Wille und aufrichtige Überzeugung dabei, aber auch reichlich viel Modesache und ein Streberturn, das sich dem Willen eines jungen, tatendurstigen Monarchen gefällig erweisen wollte ...