©gabriele weis
 
4.5.   GLAUBENSKRIEGE + GROSSMÄCHTE-ENTWICKLUNG

4.5.1.  ÜBERBLICK ÜBER DIE MÄCHTEPOLITISCHE SITUATION EUROPAS IM 16. JHD.:

 

 

 

Das bisherige Gefüge der europäischen Monarchien verschiebt sich im 16. Jhd. namentlich durch die Kolonialpolitik.

 

 

 

 

 - Für die Verfolgung eigener kolonialer Interessen ist des innereuropäischen Konfliktes mit den Habsburgern wegen noch kaum Spielraum.

 

 

 

 

 

 

Englands neues außenpolitisches Interesse kollidiert nun naturgemäß mit den älteren spanischen Seeherrschaftsansprüchen.

Die englische Krone  - namentlich in der Person Elisabeths I. -  verfolgt ihre außenpolitischen Ziele gleichwohl unbeirrt. 

-  Zunächst auf genial unverfängliche Weise, indem sie die Piraterie wagemutiger Einzelner nicht nur nicht sanktioniert (gegen einen Anteil an deren Beute, versteht sich), sondern die berühmtesten unter den englischen Piraten des elisabethanischen Zeitalters sogar noch in den Adelsstand erhebt, wie ´Sir´ Francis Drake oder ´Sir´ Walter Raleigh. 

-  Am Ende des 16. Jhds. bereits ist dann die Zeit für einen offiziellen Entscheidungskampf mit Spanien reif:   1588 besiegt England die spanische Armada und hat damit den Kampf um die Seeherrschaft auf dem Atlantik für sich entschieden.

 

 

Englands Hauptrivale Spanien erlebt im 16. Jhd. einen machtpolitischen Höhenflug, der sich schon bald als begrenzter erweisen wird, als es den vielen Zeitgenossen bewußt gewesen sein mag.

Seit der Wende zum 16. Jhd. neben Portugal staunenswert reich gewordene, erste europäische Kolonialmacht, weiß die an die Habburger gefallene Monarchie mit diesem Reichtum in ihren spanischen Hauptlanden nichts Zeitgemäßes anzufangen.  Hier beläßt man es einfach bei der alten feudalistisch-zünftigen Wirtschaftsordnung.

Man kann das auch deshalb, ohne sich auf größere Veränderungen einlassen zu müssen, weil man im Besitz Flanderns und  der Niederlande ist,  jenes seit langem blühenden nordwest-europäischen Wirtschaftszentrums, in dem ein bereits weit entwickelter Frühkapitalismus für eine zeitgemäße Verwendung eines erheblichen Teils der Einfuhren aus den Kolonien sorgt.

Zugleich täuscht man sich jedoch spanischerseits über die Folgen einer derart gespaltenen Entwicklung der verschiedenen Reichsteile: 

für den wirtschaftlich so erfolgreichen nördlichen Außenposten des spanischen Habsburgerreiches wirkt die spanische Oberhoheit wie eine Knebelung.  -  Leistung trifft da in den Augen der Niederländer je länger je weniger auf eine als auch nur irgendwie  angemessen erscheinende Gegenleistung. 

Im letzten Jahrhundertviertel rüstet man sich im Norden deshalb zu einem immer erbitterter geführten Unabhängigkeitskampf.

 

 

 

Als der niederländische Unabhängigkeitskrieg am Ende des 30jährigen Krieges 1648 endlich zugunsten der neuen Generalstaaten entschieden ist...

... und als Spanien 1648 als einer der Hauptverfechter der ´katholischen Sache´ an der Seite der österreichischen Habsburger an der Spitze des deutschen Kaiserreiches ein Europa der Großmächte, wie es von nun an die Zukunft bestimmen wird, nicht hat verhindern können...

... ist nicht nur Spaniens Weltmachtrolle weitgehend ausgespielt...

... Spanien hat über seiner Verwicklung in den 30jährigen Krieg auf der Verliererseite auch die Chance verspielt, selbst eine der sich nun bewußt neuzeitlich organisierenden europäischen Großmächte zu werden, deren wachsende Rivalität die europäische Geschichte des 17. und 18. Jhds an zentraler Stelle ausmachen wird.