4.5.5. RUSSLAND ZWISCHEN MITTELALTER UND 18. JHD.:
9. Jhd.: Warägerreich (Normannen)
Christianisierung von Byzanz aus
11. Jhd. Kiewer Reich
Feudalwesen wie im Westen
ähnliche Ansätze zu einer Stadtentwicklung wie dort
reger Handelsaustausch mit dem Westen (Hanse)
aber: sonst keine Teilnahme an der europäischen kulturellen und politischen Entwicklung - Grund: antirömische, russische Orthodoxie (Moskau als ´Drittes Rom´)
13. Jhd.: Mongolen-/Tartaren-Einfall
dauerhafte Veränderung der bis dahin herausgebildeten Strukturen durch die Tributsherrschaft der mongolischen Reiterkriegerhorden:
Der alte russische Adel wird nur dann nicht seitens der neuen Kriegerherren durch einen willfährigen Neuadel ersetzt, wenn er die Eintreibung der geforderten Tributsummen übernimmt...
Folge: Bauern (Hörige + Leibeigene), Städter (Händler und Handwerker) können die zusätzliche bAbgaenlast nur tragen, wenn sie sich verschulden... Ergebnis: Leibeigenschaft für die gesamte nichtadelige Bevölkerung Rußlands...
Rußland fehlt damit für seine spätere Entwicklung nicht nur eine immerhin halbfreie, also weitgehend selbständige bäuerliche Hörigenmehrheit.
Als noch entscheidender für seine künfige Entwicklung wird es sich herausstellen, daß am Ende der Mongolenherrschaft nicht einmal der Rest eines persönlich freien und sich selbst verwaltenden städtischen Handwerker- und Kaufleutebürgertums wie im Westen übriggeblieben ist, das hier wie dort den Motor der weiteren Wirtschaftsentwicklung ausmachen könnte.
15./16. Jhd.: Neuerrichtung eines russischen Zarenreiches vom Großfürstentum Moskau aus
Zaren: Iwan I-IV
Nach Wirren: Festigung der Verhältnisse durch das Haus Romanow: Enge Bindung der Macht des Zaren an den obersten Metropoliten der russisch-orthodoxen Kirche in Moskau - aber: kein kirchlicher Dominanzanspruch wie im mittelalterlichen Westen - Autokratie (Selbstherrschaft) des Zaren Beibehaltung des gesellschaftspolitischen Ergebnisses der Mongolenzeit: nahezu reine 2-Stände-Gesellschaft aus Adel und Leibeigenen (auch Handwerker und Kaufleute in den Städten leben dort als Agenten des Adels, nicht als sich selbst verwaltende Bürger) So etwas wie die im Westen ohne das dortige freie Bürgertum nicht denkbare Renaissance-Kultur mit ihrem gegenüber dem Mittelalter veränderten Welt- und Menschenbild entsteht in Rußland zu keinem Zeitpunkt ...
- der im Westen auf der Wende zum 16. Jhd. vollzogene Schritt in neuzeitliche Lebensverhältnisse (Frühkapitalismus > immer dynamischere Wirtschaftsentwicklung, Absolutismus, Demokratie-Entwicklung) hat in Rußland keine Voraussetzungen ...
... und findet deshalb dort so wie im Westen zu keinem Zeitpunkt statt...
Ergebnis: schleppende Wirtschafts- und weiterhin ziemlich statische (bewegungslose) Gesellschaftsentwicklung (Stagnation statt Dynamik)
Reformversuche durch Peter I. (1689-1725):
will außenpolitisch für Rußland den Zugang zu den (eisfreien) Meeren
Innenpolitisch will Peter das Land zwangsweise europäisieren - orientiert am mittlerweile absolutistischen Frankreich
im Norden erreicht durch den ´Nordischen Krieg´, der Schweden als europäische Großmacht, zu der es in der Folge des 30jährigen Krieges aufgestiegen war, verdrängt und durch Rußland ersetzt.
:
der Adelseinfluß soll zugunsten eines wirksameren Verwaltungssystems verändert werden
Ziel: Hebung der staatlichen Finanzkraft für die zeitgemäßen Großmachtpläne des Zaren
Weg:
- geregelte Aushebung (Rekrutierung) von Soldaten (1 Soldat auf 20 Zinshöfe)
-
Dienstpflicht für den Geburtsadel; Ausgleich zwischen Geburts- und Amtsadel durch ein Rangtabellengesetz; Barttrageverbot
- Einteilung des Reiches in Gouvernements, Provinzen und Distrikte mit staatlichen Prokuratoren zur Kontrolle der Bürokratie; Einrichtung von Fachminiusterien
- Einführung einer Kopfsteuer
- Ersetzung des Moskauer Patriarchats (=der Moskauer Metropolit ist bis dahin uneingeschränkter Führer der russisch-orthodoxen Kirche) durch den ´Heiligen Synod´ unter Vorsitz des Zaren
Ergebnis: tiefer Einschnitt in der russischen Geschichte; aber nicht wirklich erfolgreich