4.4.reformation
![]()
4.6. absolutismus
4.5. GLAUBENSKRIEGE + GROSSMÄCHTE- ENTWICKLUNG:
auch unterrichtsprojekt:
Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation hatte der Religionsfriede von 1555 keinen wirklichen Frieden zwischen Katholiken und Protestanten bewirkt.
Der Streit um Einflußbereiche schwelte weiter.
Einige Territorien, wie z. B. die Pfalz, hatten den Calvinismus übernommen, der im Religionsfrieden überhaupt nicht anerkannt war.
Lutheraner konnten ihren Glauben nur unter einem lutherischen Fürsten ungehindert ausüben.
Unter der Herrschaft eines katholischen Fürsten versuchten die Jesuiten, die verbliebenen Protestanten systematisch, vor allem mit Mitteln der Erziehung, zum katholischen Glauben zurückzuführen. Landstriche, die vormals mehrheitlich evangelisch gewesen waren, wie z. B. das Erzbistum Köln oder die Bistümer Münster, Paderborn, Würzburg, Bamberg und Salzburg, waren um 1600 wieder ganz katholisch.
Derartige Erfolge der Gegenreformation steigerten die Spannungen zwischen den Konfessionen.
Konflikt 1
Als es in der Reichsstadt Donauwörth zu Streitigkeiten zwischen katholischer Minderheit und protestantischer Mehrheit um die Durchführung katholischer Prozessionen kam, griff der Kaiser ein und verhängte die Reichsacht.
Herzog Maximilian von Bayern, ein Zögling der Jesuiten, sollte die Zwangsmaßnahmen durchführen. Er ließ die Stadt besetzen und den evangelischen Gottesdienst verbieten.
Daraufhin fürchteten die evangelischen Fürsten um ihre Sicherheit. Sie schlossen 1608 ein Verteidigungsbündnis, die UNION.
Jetzt fühlten sich die katholischen Fürsten herausgefordert und verbanden sich 1609 zur LIGA.
Während sich die Union auf England und die Niederlande stützte, suchte die Liga Rückhalt bei Spanien und dem Papst.
Konflikt 2
Im ]ahr 1618 revoltierte der protestantische Adel in Böhmen gegen die Einschränkung seiner Vorrechte durch FERDINAND II.. Dieser war seit 1617 böhmischer König und kurz darauf deutscher Kaiser (1619-1637).
Vor allem warf der Adel ´seinem´ strenggläubigen katholischen König vor, daß er die verbürgte Religionsfreiheit für Protestanten mißachtete. - Die harte Linie der Gegenreformation, welche die Kaiser in ihren habsburgischen Ländern verfolgten, hatte auch in Böhmen den konfessionellen Gegensatz ständig verschärft.
Im Mai 1618 warfen aufgebrachte böhmische Adelige zwei kaiserliche Räte samt ihrem Sekretär kurzerhand aus dem Fenster der Prager Burg. Sie überlebten den Sturz, da sie nur auf einem Misthaufen landeten.
Dieser Prager Fenstersturz löste den Dreißigjährigen Krieg aus. - 1618-1648
Der protestantische böhmische Adel setzte nun in einem weiteren Akt der Gegenwehr gegen Kaiser Ferdinands II. Rekatholisierungspolitik den Kaiser als böhmischen König ab ...... und wählte stattdessen den Führer der protestantischen Union, Kurfürst Frirdrich V. von der Pfalz, zum neuen böhmischen König.
Er war Calvinist und Schwiegersohn des englischen Königs (Heinrichs VIII.).
Um sich gegen den Kaiser zu wappnen, versuchten die Böhmen darüber hinaus bei den protestantischen Mächten Europas Unterstützung zu finden.
1. Kriegsphase 1630-1623 - Böhmisch-pfälzischer Krieg:
Nach seiner Absetzung als König von Böhmen erbat FERDINAND II. (1618-1623) von der Liga Unterstützung.
Für diese Leistung ließ sich deren Führer, der Bayernherzog, vom Kaiser die Erstattung der Kriegskosten und die pfälzische Kurwürde zusagen. - Nun zog der bayrische FELDHERR TILLY mit den Truppen der Liga und des Kaisers gegen das böhmische Heer zu Felde.
In der Schlacht am Weißen Berge in der Nähe von Prag erlitt FRIEDRlCH V. am 18. 11. 1620 eine vernichtende Niederlage.
Der Kaiser nahm nun Rache an den Protestanten in Böhmen und ließ viele hinrichten. Dem evangelischen Adel nahm er seine Güter und zwang ihn, zum katholischen Glauben zurückzukehren.
Viele Adlige flüchteten und suchten Hilfe bei den protestantischen Fürsten im Reich.
Damit kam der Krieg erst richtig in Gang.
TILLY verfolgte FRIEDRICH V. bis in die Pfalz und brachte nach langer Belagerung am 16. 9. 1622 dessen Residenzstadt HEIDELBERG, das Zentrum des deutschen Calvinismus, in seine Hand.
2. Kriegsphase: (1625-1629) dänischer Krieg:
Nach der Flucht des "Winterkönigs", wie Spötter FRIEDRICH von der Pfalz(1625-1629) nannten, in die Niederlande ...
... stellte sich König CHRISTIAN IV. von Dänemark an die Spitze der Protestanten.
Er sicherte der Union zwar die Unterstützung Englands und der Niederlande ...
... konnte aber TILLYS Vordringen nach Norddeutschland und Dänemark nicht verhindern.
Allein die Angst vor einem Eingreifen der protestantischen Schweden veranlaßte den Kaiser zum Abzug aus Dänemark.
Den Frieden mit Dänemark schloß der neue Feldherr des Kaisers, ALBRECHT VON WALLENSTEIN.
Dieser böhmische Adlige hatte sich bereit erklärt, eine Armee aus eigenen Mitteln zu finanzieren, denn er war durch den Ankauf enteigneter Güter böhmischer Protestanten reich geworden.
WALLENSTEIN hatte sich in den Krieg gegen Dänemark im Stil eines Unternehmers eingeschaltet. Nur der Erfolg zählte, Glaubensunterschiede waren ihm weniger wichtig.
Er hatte sein Heer aus angeworbenen Söldnern aufgebaut, wie es in Europa seit langem üblich war. Diese Soldaten aus aller Herren Länder kämpften unterschiedslos für jeden, der sie bezahlte.
In solchen Heeren Disziplin zu halten, galt als besonders schwer. Die Söldner durften während der Feldzüge zur eigenen Versorgung plündern und machten dabei keinen Unterschied zwischen befreundeten oder feindlichen Gebieten. Städte, die verschont bleiben wollten, mußten Tribute zahlen.
So war die Kriegskasse stets gefüllt.
Während der Feldzugspausen ließ WALLENSTEIN die bis zu 100 000 Soldaten zählende Armee aus eigenen Beständen versorgen. Seine Truppen verzehrten in wenigen Tagen ganze Viehherden.
Über Wallensteins Kriegführung klagten sogar die katholischen Kurfürsten, die allerdings noch mehr als die Verwüstung des Reiches den Verlust ihrer eigenen Macht fürchteten.
Denn seit 1625 hatte WALLENSTEIN mit seinen Siegen seine Macht und die des Kaisers im Reich beständig vermehrt.
Der Druck der Fürsten und das Mißtrauen gegenüber dem kleinen böhmischen Adligen, dem der Kaiser das Herzogtum Mecklenburg übertragen hatte, brachten Ferdinand II. dazu, seinen erfolgreichen Feldherrn am 13. August 1630 zu entlassen.
3. Kriegsphase 1630-1635 - Schwedischer Krieg:
Jetzt sah der evangelische Schwedenkönig GUSTAV II. ADOLF die Möglichkeit, die Protestanten im Reich zu unterstützen und dabei zugleich seine schwedische Ostseeherrschaft militärisch zu sichern.
Er landete im Sommer 1630 mit seinem schwedischen Bauernheer an der Odermündung.
Wenn auch zögernd schlossen sich ihm evangelische Reichsfürsten an. Mit diesen Bündnissen erlaubten die Reichsfürsten erstmals einer auswärtigen Macht, sich in die inneren Angelegenheiten des Reiches einzumischen.
Die Schlacht bei BREITENFELD in der Nähe von Leipzig (17.9. 1631) begründete Gustav Adolfs Ruf von der Unbesiegbarkeit der Schweden.Der großen Beweglichkeit ihrer Truppen und deren Feuerkraft hatte der wieder berufene TILLY wenig entgegenzusetzen. Nur ein halbes Jahr später fiel der kaiserliche Feldherr in der Schlacht bei Rain am Lech in Süddeutschland (15. 4. 1632), wo GUSTAV ADOLF das Heer der LIGA völlig aufrieb.
Nach diesem Sieg zog der Schwedenkönig Seite an Seite mit dem ´Winterkönig´ in München ein, der Residenz des bayerischen Kurfürsten.
In dieser Situation rief Kaiser FERDINAND II. WALLENSTEIN zurück, dessen rasch angeworbenes Heer im November 1632 in der Nähe Leipzigs einem schwedischen Angriff zwar nicht standhalten konnte...... im Schlachtgetümmel jedoch war der Schwedenkönig gefallen.
Anstatt diese Schwächung des Gegners auszunutzen und die führerlosen Schweden niederzuwerfen, zog WALLENSTEIN jetzt freilich aus persönlichem Machtkalkül den Krieg hin und begann sogar, auf eigene Faust mit den Schweden zu verhandeln.
Daraufhin setzte der Kaiser seinen ehrgeizigen Feldherrn, der sich gern ´Herzog von Friedland´ nannte, erneut ab.
Bei seiner Verhaftung, die seine Flucht zu den Schweden vereiteln sollte, wurde Wallenstein im Februar 1634 in Eger ermordet.
4. und letzte Kriegsphase 1635-1648 - Französischer Krieg:
Die weiteren Erfolge der kaiserlichen Truppen auch nach Wallensteins Tod führten 1635 zum offenen Kriegseintritt Frankreichs.
Zwar waren schon seit 1624 das protestantische Schweden und das katholische Frankreich heimlich miteinander gegen Habsburg verbündet, doch hatte Frankreich bisher nur die Kriegskasse des Bündnispartners unterstützt.
Kardinal RICHELIEU, der leitende Minister des französischen Königs, jedoch wollte nun nach der katastrophalen Niederlage der Schweden bei NÖRDLINGEN (6. Sept. 1634) einer Festigung der kaiserlichen Stellung im Reich nicht tatenlos zusehen.
So tobte der Krieg, den der Kaiser und die protestantische Partei im Frieden von Prag (30. Mai 1635) schon beilegen wollten, noch weitere 13 Jahre.
Für die geschwächten Schweden focht nun das katholische Frankreich gegen den katholischen Kaiser.
Diesen Krieg, der damit vollends den Charakter eines Glaubenskrieges verloren hatte, bestimmten nur noch die rivalisierenden Machtinteressen europäischer Großmächte.
1648 Der Westfälische Frieden:
Es war in den letzten Kriegsjahren keiner Seite mehr gelungen, die andere zu besiegen.
Nach mehrjähriger Vorbereitung schloß der Kaiser schließlich 1648 Frieden: in Münster mit den Franzosen und ihren Alliierten, in OSNABRÜCK mit den Schweden.
Der Friedensschluß hatte den Charakter eines Vergleichs.
In der Religionsfrage bestätigte er den Augsburger Religionsfrieden von 1555 weitgehend, schloß jetzt aber auch die Calvinisten mit ein.
Die Niederlande und die Schweiz schieden endgültig aus dem Reichsverband aus.
Dagegen wurden Frankreich und Schweden mit einzelnen Territorien Mitglieder des Reichsverbandes. Frankreich erhielt Gebiete im Ober- und Unterelsaß und näherte sich so der Rheingrenze. Schweden bekam Vorpommern und die Bistümer Bremen und Verden.
Auch Brandenburg, seit 1618 mit dem Herzogtum Preußen in Personalunion verbunden, konnte sich vergrößern.
In Deutschland erhielten alle Reichsstände (=Territorien) die fast vollständige Landeshoheit in ihren Gebieten auf Kosten der Macht des Kaisers. Sie konnten jetzt auch Bündnisse mit auswärtigen Mächten abschließen.
Der Krieg hatte hier zu einer territorialen Zersplitterung in nahezu 350 souveräne Gebietsherrschaften geführt!
Überdies war innerhalb der Reichsgrenzen ein Bevölkerungsverlust von mehr als einem Drittel zu beklagen. Ganze Landstriche waren verwüstet.
Bedeutung:
Über all dem hatte das Heilige Römische Reich Deutscher Nation seine bis dahin dominierende Stellung in Europa endgültig verloren.
Nicht nur die innereuropäischen Handelswege hatten sich mit dem beginnenden Kolonialismus längst aus der Mitte Europas hinaus nach Westen verlagert. Nun mit und nach dem 30-jährigen Krieg war auch das alte politische Zentrum Europas zu einer leeren Hülse verkommen.
Schweden, Frankreich, England, die Niederlande und die Schweiz hatten von diesen Entwicklungen profitiert. Mit Ausnahme der Schweiz verstanden sich all diese Profiteure nun als europäische Großmächte, die von nun an miteinander um Machtvorteile zu rivalisieren begannen.
Das Reich selbst mit seinen nunmehr rund 350 Territorien war in diesem Großmächte-Europa keine ins Gewicht fallende politische Größe mehr.
Es mutierte zur Bühne für ehrgeizige Einzelterritorien. Dabei hatten Österreich und Preußen die besten Chancen, in der Folgezeit ihr Gewicht so weit zu vergrößern, daß sie für sich den Anschluß an die innereuropäische Großmachtentwicklung finden konnten.
4.5.1. Überblick über die mächtepolitische Situation Europas im 16. Jhd.
4.5.2. Überblick über die mächtepolitische Situation Europas im 17. Jhd.
4.5.3. Die Entwicklung Frankreichs zwischen Reformation und Absolutismus.
4.5.4. Die Entwicklung Englands zwischen 13. und 18. Jhd.
4.5.5. Die Entwicklung Rußlands zur Großmacht.