©gabriele weis

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l-buch.jpg (1728 Byte)4.4. REFORMATION: l-weiter.gif (2711 Byte)auch unterrichtsprojekt: l-stichwort-synopse.jpg (14515 Byte)

 

 

 

Kreuzzüge und Investiturstreit, Babylonische Gefangenschaft der Kirche und Großes Schisma, Geißlerbewegung, Ketzerverfolung und Ablaßhandel (mittels dessen auch der Vatikan an der Territorialstaatsentwicklung der Zeit teilzunehmen suchte) hatten die römisch-katholische Kirche auf der Wende zum 16. Jhd. europaweit in eine Glaubwürdigkeitskrise gestürzt.

Auch das Schicksal von Jan Hus 100 Jahre zuvor auf dem Konstanzer Konzil konnte entschlossene Papsttumskritiker des frühen 16. Jhds. nicht mehr davon abhalten, in ihren Augen längst fällige Kirchenreformen zu verlangen.

Ihnen ging es dabei ebenso um die Abstellung von Mißständen wie dem Ablaßhandel beispielsweise - wie auch um ein dem gewachsenen Bildungsstand der europäischen Bevölkerung gemäßeres, weniger autoritäres Verhältnis von Klerikern und Laien.

 

 

Luther war der erste der großen Reformatoren des frühen 16. Jhds. in Europa (1517).

Ähnliche kirchenreformatorische Ziele verfolgten auch Calvin und Zwingli in der Schweiz nur wenig später (1523/41).

 

 

Als die von Luther angestrebte Kirchenreform sich als chancenlos erwies, war die Zeit für eine regelrechte Kirchenspaltung reif: das westliche Christentum (dem ja seit vielen Jahrhunderten ein östliches, orthodoxes gegenüberstand), spaltete sich damit in einen ´Katholizismus´ und einen ´Protestantismus´.

 

Der neue Protestantismus entwickelte sich von vorn herein nicht einheitlich, sondern in zwei Hauptspielarten:

dem fast nur in Deutschland verbreiteten Luthertum ...

... und dem Calvinismus, der sich von der Schweiz nach Frankreich, den Niederlanden, England und Skandinavien ausbreitete und auch in Deutschland gebietsweise seine Anhänger fand (hier unterscheidet man deshalb zwischen Lutheranern und Reformierten).

 

 

Der Streit um den rechten Glauben und seine kirchenorganisatorische Umsetzung war nun freilich von allem Anfang an keine rein innerkirchliche Angelegenheit, sondern ein machtpolitisch hochbrisantes Politikum:

Infolge der Territorialstaatsentwicklung waren Religion und Politik zwar schon längst aus ihrer alten politischen Gleichrangigkeit herausgefallen:  

Die Fürsten Europas waren nicht mehr auf ihre geistlichen Vasallen angewiesen, sondern stützten sich längst mehr und mehr auf ihren neuen Beamtenapparat - ...

... aber sie begründeten selbstredend alle ihre Herrschaft nach wie vor religiös.

Und das hieß ebenfalls nach wie vor: sie waren die Lenker ihrer Völker auf ihrem heilsgeschichtlichen Weg durch das irdische Jammertal. Sie waren verantwortlich für die Schaffung und Aufrechterhaltung politischer und kultureller Ordnungen, die den Menschen mehr als nur ihr Überleben sicherte, ihnen vielmehr ein Leben nach dem göttlichen Heilsplan ermöglichte.

Nur:   welche Interpretation dieses Heilsplanes war die richtigere?   Kein zeitgenössischer Fürst in Europa konnte an dieser Frage vorbei, seit sie in der Welt war.

Ob er sie traditionell über eine Bindung seiner Herrschaft an die römisch-katholische Kirche beantwortete...

... oder ob er zeitgemäß die Bindung an ein protestantisches laubens- und Kirchenmodell bevorzugte...

... das hing nicht allein von seinen persönlichen Einstellungen zu all diesen religiösen Streitfragen ab...

... es hing vermutlich um einiges entscheidender von seinen allgemein-politischen Zielen ab:

Sah er sich um der möglichst erfolgreichen Anpassung seines Herrschaftsbereiches an die veränderten Weltverhältnisse willen weiterhin als Verfechter irgendeiner Spielart von Universalismus so war die Position, die er in dieser Frage zu beziehen hätte, klar:    er würde dem traditionellen Katholizismus die Stange halten.

Zu Beginn des 16.Jhds wie später sahen sich das mittlerweile spanisch-österreichische Haus Hasbburg an der Spitze des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wie auch das französische Königshaus der universalistischen Tradition in zeitgemäßem Gewande verpflichtet und traten deshalb mit allen Mitteln gegen die Reformatoren und später gegen die Kirchenspaltung an.

 

Sah sich hingegen ein europäischer Fürst jener Zeit um partikularer Herrschaftsziele willen auf Anti-Universalismus-Kurs, so mußte ihm der Weg von der gewollten Reform zu nicht mehr vermeidaren Kirchenspaltung politisch hoch willkommen sein:   Er konnte sich zum Verfechter des Zeitgeistes machen, um alte, lästig gewordene Abhängigkeiten zugunsten erweiterter Unabhängigkeit abzustreifen.

Hier suchten und fanden vor allem die bereits jahrhundertelang auf Unabhängigkeitskurs liegenden deutschen Territorialfürsten ihre Chance.

Aber auch bis dahin habsburgisch beherrschte Gebiete wie die Schweiz und die Niederlande.

Oder auch England, das nun trotz, ja gerade wegen seiner Niederlage gegen Frankreich im 100jährigen Krieg auf einen Aufholkurs einschlug und nach neuen Festigungsmöglichkeiten für seine Königsmacht suchte - als Sprungbrett, um endlich mit den übrigen europäischen Hauptmächten der Zeit gleichzuziehen.

 

 

Was dabei die deutschen Territorialfürsten im Besonderen angeht, so hatten selbst die, deren kulturpolitische Neigung dem Katholizismus gehörte, die sich also auf Seiten ihres Habsburgischen Kaisers schlugen, nicht so sehr die alten universalistischen Ziele im Kopf wie ihr Kaiser, sondern vorwiegend ihre eigenen kaum weniger partikularistischen Interessen als ihre den Protestantisms wählenden Kollegen.

Und auch der französische König war keineswegs ein Mitstreiter des Habsburger Kaisers an der Universalismus-Front. Im Gegenteil:   Frankreich sah in dem Glaubensstreit, in den die deutschen Territorialfürsten ihren Kaiser so oder so verwickelten, jenes Stück Machtvakuum in Europa, dessen es bedurfte, um selbst aus dem machtpolitischen Schatten Habsburgs herauszutreten und europa- wie weltweit eine zeitgemäße Geltung für sich zu erlangen.

 

 

 

Die Reformation in Deutschland:

Der von Luther in D ausgelöste Streit um den richtigen Glauben führte in den Jahren nach 1917 im ´Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation´ zu schweren Unruhen in Gesellschaft und Politik.   Denn hinter den politischen Kontroversen um Sinn und Gefahren von Kirchenreform bzw. -spaltung stand der alte Gegensatz zwischen Kaisermacht und Landesfürsten.

Das Ereignisgefüge:

Luthers Thesenanschlag

Bannung Luthers + Prozeß auf dem Wormser Reichstag, Schutz durch den sächsischen Kurfürsten.

Entstehung des protestantischen Landeskirchentums.

Einfluß auf den großen Bauernkrieg 1524/25

Reformatorische Radikal-Bewegungen:  Wiedertäufer, Müntzer

1531 Schmalkaldischer Bund protestantischer Reichsfürsten

Auf katholischer Seite:   vielfältige Bemühungen um einen nicht nur politischen, sondern auch geistigen gegenreformatorischen Prozeß.   Sein Träger: der Jesuitenorden, der über Predigt und Bildunsgeinrichtungen um Rückmissionierung bemüht ist.

 

 

Gegen die Mitte des Jahrhunderts erweist sich gar ein kriegerisches Ringen um das in Zukunft gültige Verhältnis zwischen Politik und Religion im Reich als unvermeidlich:  der Schmalkaldische Krieg  1546/47

Die Akteure:

der katholische Kaiser Karl V.  auf der einen Seite

und die lutherischen Landesfürsten im Deutschen Reich auf der anderen Seite. 

 

Erst um die Jahrhundertmitte kommt man etwas zur Ruhe:

Der im ]ahre 1555 geschlossene Augsburger Religionsfriede beendet die ersten Glaubenskämpfe.

Es gibt weder Sieger noch Besiegte. Die lutherische Konfession wird endgültig neben der katholischen anerkannt. Es gilt der Grundsatz:  ´cuius regio, eius religio´ (=wessen Gebiet, dessen Religion).   Damit verfestigt sich die religiöse Spaltung des Reiches.

 

 

 

außenpolitischer Kontext: 

Als Vertreter der Idee eines universalen, das heißt weltumspannenden Kaisertums wollte Karl V. ein christliches Weltreich schaffen, in dem er sich als weltliches Oberhaupt der Kirche sah.

Nicht nur die lutherischen Reichsfürsten waren nicht bereit, sich dem universalen Herrschaftsanspruch des Kaisers unterzuordnen.

Karl stieß zudem auf den erbitterten Widerstand des französischen Königs Franz I.

Der zweite gefährliche Feind waren die Türken, die im 15. Jahrhundert den Balkan sowie große Teile Vorderasiens erobert hatten. Unter Sultan SULEIMAN II. bedrohten sie das Reich im Osten und stießen 1529 sogar bis WIEN vor.

Karls Absicht, die sich ausbreitende reformatorische Bewegung in Deutschland mit militärischer Gewalt zu zerschlagen, scheitert, weil er mit seinen Truppen ständig an ausländische Kriegsschauplätze gebunden ist.

 

 

 

Starke gegenreformatorische Impulse verschränken sich mit diesen machtpolitischen Interessengegensätzen:

Auch die französischen Könige ziehen gegen die zum Protestantismus wechselnden Franzosen, die sogenannten Hugenotten, kriegerisch zu Felde - zur Verteidigung ihrer katholischen gallikanischen Nationalkirche:   Hugenottenkriege in Frankreich

(das führt sie aber keineswegs in eine Art Kampfgemeinschaft mit Karl V.; dazu sind die machtpolitischen Gegensätze zwischen Habsburgern und Franzosen zu groß -  vgl Karte)

 

 

Das habsburgische Spanien begriff sich als die stärkste Bastion der alten Kirche - nach 400 Jahren Glaubenskampf gegen die Mauren: 

Hier war eine unter dem Einfluß des Königs stehende römisch-katholische Nationalkirche entstanden, die sich mit ihrer Überwachungs- und Säuberungseinrichtung  - der Inquisition -   schon seit dem 13. Jhd. europaweit als Hüterin des universellen katholischen Glaubens verstand (getragen durch den Dominikanerorden).

Auf dieser Grundlage und gestützt auf seine neue Rolle als koloniale Weltmacht und gewichtiges Machtzentrum des Habsburgischen Hausmachtbesitzes macht sich Spanien nun europaweit zunächst unter Führung des Kaisers, dann nach der Teilung des Habsburgerreiches an seiner Seite zur Vörkämpferin umfassender Rekatholisierungsbemühungen. 

Allerdings wird es am Ende aller bis in die Mitte des 17. Jhds hineinreichenden Glaubenskämpfe seine eben erst erworbene Weltmachtrolle wieder verspielen (1588 Sieg der Engländer über die spanische Armada).

 

 

Insgesamt stellten sich im Kontext all dieser Spannungen die konfessionspolitischen Verhältnisse im Europa des späten 16. Jhds. recht komplex dar.

 

 

 

 

Sonderfall  -  englische Reformation:

 

Zur Zeit Luthers regierte in England König Heinrich VIII. (1509-1547).

Als Heinrich eine neue Ehe schließen wollte, lehnte der Papst die Auflösung der bestehenden ab. Der König berief daraufhin einen ihm treu ergebenen Mann zum Erzbischof von Canterbury, der seine Ehe sofort aufzuheben bereit war.

Der Papst verurteilte diesen Schritt und exkommunizierte den englischen König, d. h. er schloß ihn aus der Kirche aus.

Nicht nur Heinrich reagierte erbost auf dieses Eingreifen des Papstes; auch die englische Bevölkerung unterstützte ihren König gegen Rom.

So konnte Heinrich das Parlament 1534 dazu bewegen, ihn und seine Nachfolger als Oberhaupt der englischen Kirche einzusetzen und damit die Loslösung von Rom zu vollziehen.

 

 

Vergeblich versuchte seine Nachfolgerin auf dem englischen Thron, Maria I. "die Katholische", diese Entwicklung rückgängig zu machen.

- blutige Auseinandersetzungen - (Blody Mary) 

 

 

Ihre Halbschwester Elisabeth I., Königin von 1558 bis 1603, entschied sich - gestützt auf Landadel und städtisches Bürgertum für die Kirchenpolitik ihres Vaters Heinrichs VIII.

Als Oberhaupt der anglikanischen Staats- bzw. Hoch-Kirche gab sie 1559 ihrer Kirche eine Gestalt,die bis heute gültig ist: die äußeren Formen blieben der katholischen Kirche ähnlich; in der Lehre näherten sich die Anglikaner der reformierten Kirche an.

Viele englische Anhänger des Calvinismus stellte diese Religionspolitik der Krone nicht zufrieden. Sie nannten sich Puritaner, Anhänger der reinen protestantischen Lehre, und waren nicht bereit, sich in die neue Staatskirche Englands zwingen zu lassen.

Darufhin beschnitt die Krone ihre beruflichen Möglichkeiten - nur die Wirtschaft bleibt ihnen als Aktionsfeld.

Sie werden deshalb führend in der englischen Kolonialgeschichte des 17. Jhds. werden. (pilgrim fathers)

Von ihnen werden im 18. Jhd. die Hauptimupulse für die Industrielle Revolution in England ausgehen.