4.1.krise des 14. jhds.-anbruch der neuzeit
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4.3.entdeckungen-eroberungen
4.2. RENAISSANCE:
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unterrichtsprojekt:
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folienfolge:
Um 1500 waren überall in Europa die mittelalterlichen Strukturen so umgebaut, daß die Menschen ihr Denken und Handeln bewußter, zielgerichteter und aktiver als bis dahin auf Neues umzuorientieren begannen.
Im Gesellschaftsaufbau war mehr Bewegung als früher - neuer Reichtum ebenso wie neue Armut. In der Politik hatte das Territorium/der Flächenstaat und das, was man organisatorisch (Beamte, Söldner, Steuern) und machtpolitisch (Expansion) mit ihm ausrichten konnte, die alten personenverbandsstaatlichen Mechanismen an den Rand gedrängt. In der Wirtschaft waren mittlerweile alle so oder so irgendwie von den neuen frühkapitalitischen Wirtschaftsmethoden betroffen. Der Glaube an die Gottgefügtheit der längst aufgelösten mittelalterlichen Weltordnung unter Papst und Kaiser war geschwunden.So war Raum für den Streit um unterschiedliche Interpretationen der bisher mehr oder minder mühsam einheitlich hochgehaltenen Glaubenswahrheiten entstanden.
Und auch Raum für einen neuen Streit darum, wer denn nun wo aufgrund welcher Interpretation des Verhältnisses von Politik und Religion Anspruch auf souveräne Machtausübung erheben durfte oder eben nicht.
Damit war die Religion zu einem mehr oder minder beliebig einsetzbaren Mittel einer völlig anders als bisher aufgefaßten Politiksphäre geworden. Die Politik geriet in den Anziehungsbereich des Machbaren und Macht Verschaffenden - nach innen wie nach außen gleichermaßen.
Über all dem veränderte sich allenthalben - am frühesten in den wirtschaftlich am weitesten entwickelten oberitalienischen Städten - der Blick auf Gott, Mensch und Welt grundlegend. Ein Epochenwechsel bildete sich heraus.
Orientierung für die neuen Horizonte lieferte die Antike. Antike Wissenschaft und Kunst gewannen nun neuen Beispielcharakter. Sich dem damals erreichten Niveau wieder anzunähern, wurde zum Programm der namhaften Künstler und Gelehrten der Zeit. ´Wiedergeburt der Antike´, ´Renaissance´, war deshalb das Schlagwort, das all diese Bestrebungen zusammenfaßte. Das neue Interesse an der Antike verband sich im Bereich der Kunst mit der zentralen Entdeckung, daß sich die faszinierende Schönheit und Wirklichkeitsnähe antiker Figuren offenbar einer mathematisch berechneten Proportionalität verdankte. Nicht anders verhielt es sich mit einer wirklichkeitsgerechten Abbildung des Raumes im Bereich der Malerei im Besonderen. Von hier aus sahen sich die Künstler der Zeit nicht mehr allein auf die Theologie, die ikonographische Tradition und ihr handwerkliches Können verwiesen. Wer Menschen und Landschaften nach dem Vorbild der Antike wirklichkeitsgetreu abbilden wollte, benötigte Kenntnisse in der Mathematik, der Geometrie und der Anatomie... ... und er kam namentlich in der Malerei nicht länger ohne einen zentralperspektivischen Bildaufbau aus. Künstler, Forscher und Erfinder wurden eins. Der universell gebildete Mensch - der huomo universale - wurde zum Leitbild vieler Zeitgenossen. Ihr berühmtester Vertreter war Leonardo da Vinci (1452-1519). Sein wichtigster Grundsatz: "Schüler der Erfahrung" zu werden. "Wer sich der Praxis hingibt ohne Wissenschaft, ist wie ein Seemann, der ein Schiff ohne Ruder und Kompaß besteigt und nie weiß, wohin er fährt."
Überhaupt wurde ein neuartiges Lernen durch Beobachten und durch ein eigenständiges, nicht mehr vorwiegend autoritätsgeleitetes Studium menschlicher Hervorbringungen zum wichtigsten Kulturziel.
Mit ihrem neuen Interesse an der Welt und allem Erfahrbaren definierten die Menschen des 15./16. Jhds auch sich selbst und die ganze Weltodnung neu: Sie verstanden sich nicht mehr vorrangig als in ihrer Sündigkeit ängstlich gefangene Geschöpfe Gottes. Am biblischen Schöpfungsbericht wurde ihnen die Aussage über die Gottesebenbildlichkeit des Menschen erheblich wichtiger als das Problem seiner Sündigkeit. Bewährung auf Erden hieß deshalb für sie nun vor allem: das zu pflegen, was den Menschen zum Menschen machte - seine gottesebenbildlich-schöpferische Entwicklungs- und Bildungsfähigkeit / das Humane. Die dieses Bildungsidal verfolgenden Zeitgenossen nannten sich ´Humanisten´. Berühmte Humanisten waren: Erasmus von Rotterdam, Johannes Reuchlin, Ulrich von Hutten.
Dem entsprach, daß nun die Universitäten und fürstlicherseits eingerichtete öffentliche Bibliotheken endgültig die Klöster als dominiernde Bildungszentren ablösten.
Und dem entsprach, daß Zeitgenossen, die auf sich hielten, neben ihren beruflich-politischen Aktivitäten danach trachteten, sich als Kunstmäzene einen Namen zu machen. Eines der eindrucksvollsten Beispiele solchen Kunstmäzenatentums bildeten die Aktivitäten der Florentiner Kaufmannsfamilie Medici, deren europaweit gespanntes Handels- und Bankimperium in der Wirtschaft der Renaissancezeit seinesgleichen suchte.
Ebenso wie die Künstler selbst nun nach einer Aufhebung ihrer bisherigen Anonymität strebten.
Der Mensch warf nun seinen Blick auf alles und gab ihm die Bedeutung, die sich aus seiner veränderten Perspektive ergab: Das galt für den angestrebten Bildungshorizont nicht anders, ... ... als für Neuformulierungen des eigenen Selbstverständnisses - wie beispielsweise durch den italienischen Humanisten Pico della Mirandola ... ... oder für den Blick auf das Universum, für dessen radikale Veränderung Kopernikus und Galilei sorgten. ... und es galt für das neue Verständnis von Politik, das sich nun durchsetzte. Beschrieben finden sich die veränderten Herrschaftstechiken der Zeit von Niccolo Machiavelli.
Zum Hauptverbreitungsinstrument des kulturellen Neuansatzes der Renaissancezeit wurde der von Johannes Gutenberg in Mainz entwickelte Buchdruck mit beweglichen Lettern. Er revolutionierte die gesellschaftlichen Kommunikationsmöglichkeiten vermutlich noch grundlegender als Computer und internet heute.
Ergebnis von alldem:
Das äußere Erscheinungsbild der europäischen Welt - der Städte und der Herrschaftsgebiete - ändert sich.
Die politische Ordnung Europas beginnt sich vom alten universalistischen zu einem neuen Großmächte-Modell zu wandeln. Dabei werden die Machtverhältnisse in wie zwischen den großen euröpäischen Monarchien ins Rutschen kommen.
- Religionspolitische Streitfragen werden den Katalysator der europäischen Großmachtbildung des 16.-18. Jhds. bilden.
Der Prozeß der Europäisierung der Erde, der bis heute Geltung hat, beginnt.
Dr. habil. Reinhard Krüger/Exposé: Eine Welt ohne Amerika. Globale Weltkonstruktion und europäisches Raumbewußtsein im kosmologischen Denken von der Spätantike bis zur Frühen Neuzeit Eine Welt ohne Amerika. Globale Weltkonstruktion und europäisches Raumbewußtsein im kosmologischen Denken von der Spätantike bis zur Frühen Neuzeit
Reinhard Krüger/ Das Erdkugelmodell und die nächtliche astronomische Navigation von der Spätantike bis zur Frühen Neuzeit