3.12.hundertjähriger krieg
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4.2.renaissance
4.1. KRISE DES 14. JHDS. + ANBRUCH DER NEUZEIT:
Der Zeitraum in der europäischen Geschichte, den wir Mittelalter nennen, erstreckt sich über rund 1 Jahrtausend zwischen 500 und 1500 n.Chr.
In dieser Zeit ordneten die Menschen ihr Zusammenleben mit Hilfe eines ständischen Gesellschaftsaufbaus und einer personenverbands- statt einer gebiets-staatlichen Herrschaftsweise.
Unter einem Stand versteht man einen fest umrissenen und sich im wesentlichen über eine geburtsmäßige Zugehörigkeit definierenden Gesellschaftsteil, der mit einer bestimmten gesellschaftlichen Aufgabe betraut ist.
Die drei gesellschaftlichen Hauptaufgaben, die das Mittealter kannte, waren: ´Beten´ also kulturelle geistige und geistliche Führung; ´Kämpfen´ - also militärischer und rechtlicher Schutz und damit politische Führung; und ´Arbeiten´ - also die Sorge um die Schaffung der materiellen Lebensgrundlagen für alle in Landwirtschaft, Gewerbe und Handel.
Das europäische Mittelalter kannte deshalb 3 Stände:
den ´Klerus´ oder den 1. Stand - alle Geistlichen (Kleriker), sprich: alle kirchlichen Amtsträger / ca. 0,8 % der Bevölkerung;
den ´Adel´oder den 2. Stand - alle Grund- bzw. Lehnsherren oder Vasallen, die durch den anfangs nur geliehenen (Lehen) Besitz von Amt, Land und Leuten der unmittebar arbeitenden Sorge um ihr materielles Auskommen enthoben waren, damit sie die entstehenden öffentlichen Aufgaben erfüllen konnten.
Und den ´3. Stand´ - alle Bauern, die entweder als Hörige oder als Leibeigene arbeiteten, und die später allmählich wachsende Zahl von Stadtbürgern, die vorwiegend für Handel und Gewerbe sorgten.
Ständegesellschaften gibt es immer dort, wo die Wirtschaftskraft einer Bevölkerung nicht ausreicht, ein Bildungs- und ein Selektionssystem zu finanzieren, das nahezu jedem Bevölkerungsmitglied den Zugang zu prinzipiell jeder gesellschaftlichen Position ermöglicht.
Ziel: ein immer dynamischeres Wirtschaftswachstum, das die Menschen in Stadt und Land ihr Auskommen finden läßt... ... in Zeiten, in denen sich die politische Organisation ihrer Lebensverhältnisse als immer aufwendiger erweist: (Verwaltungs-Kosten, Söldner-Kosten, neue höchst kosten-intensive handels- und expansionspolitische Aufgaben; mit dem neuartigen staatlichen Machtanspruch gegenüber allen Ständen zunehmend steigende Repräsentations-Kosten; Regelungsaufgaben im Bereich von Ein- und Ausfuhr, neuen Privilegierungen, Landesausbau) Denn unter den Bedingungen der Geldwirtschaft wird aus dem Personenverband von König und Vasallen des frühen und hohen Mittelalters im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit der ´Gebietsstaat´ ... ... entweder als ´Nationalstaat´ wie in England und Frankreich ... ... oder als partikularistischer Territorialstaat´ wie im Heligen Römischen Reich Deutscher Nation.
Die Wirtschaftskraft einer Bevölkerung hängt von ihrem Wirtschaftssystem ab, das sich aus ihren Wirtschaftsweisen ergibt.
Einfachstes Wirtschaftssystem:
Solange nur wenig mehr produziert werden kann, als man zum unmittelbaren Überleben braucht, gibt es noch kaum berufliche Arbeitsteilung. - Es besteht also ein hauswirtschaftliches oder auch rein subsistenz-wirtschaftliches System: jeder versorgt sich selbst.
Entwickelteres Wirtschaftssystem:
berufliche Arbeitsteilung zwischen Bauern, Handwerkern und Händlern auf der Grundlage der landwirtschaftlichen Überproduktion. Es gibt nur so viele Handwerker und Händler, wie die Bauern miternähren können. - Neben den immer noch alles überragenden haus-, also subsistenz-wirtschaftlichen Bereich des Wirtschaftssystems tritt ein allmählich wachsender verkehrswirtschaftlicher Wirtschaftsbereich:
Handel und Gewerbe sorgen für einen Ringtausch der Produkte von Landwirtschaft und Gewerbe mit Hilfe städtischer Märkte. Es entsteht eine sogenannte Bedarfsdeckungswirtschaft.
Um die Jahrtausendwende wird im Europa der Nachvölkerwanderungszeit ein solches Wirtschaftssytem wieder errichtet und bis ins 13. Jhd. zur Blüte geführt.
Über die allgemeine Einführung der Geldwirtschaft im 13. Jhd. erfährt es seinen Höhepunkt wie seine entscheidende Veränderung.
Zu noch größerer Dynamik entwickeltes Wirtschaftssystem:
Neben anderen Entwicklungen produziert und befördert die Einführung der Geldwirtschaft krisenhafte Veränderungen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.
Das Geld wird immer mehr zum entscheidenden Beweger aller Lebensverhältnisse.
Von seiner möglichst dynamischen Vermehrung durch immer neue Re-Investition in neue Produktionsverhältnisse hängt nun ab, ob die Menschen in einer sich an allen Ecken und Enden verändernden Welt ihr Auskommen finden. (Re-) Investiertes Geld nennt man Kapital.
Mit dem immer gezielteren Übergang zur Re-Investition beginnt wirtschaftlich die Neuzeit, das frühkapitalistische Zeitalter 15. 18./19 Jhd.
In ihr wird die Produktion in Landwirtschaft und Gewerbe marktorientierter.
- Die Bedarfsdeckungswirtschaft wandelt sich in eine Marktwirtschaft mit erweiterter Bedarfsdeckung.
Zur näheren Verdeutlichung dieses Prozesses:
Die Geldwirtschaft hatte damit auch zu einer Gesellschaftskrise geführt:
Heruntergedrückt-Werden der Hörigen in die Leibeigenschaft
Notwendigkeit zusätzlicher Einkommensquellen Heimarbeit
Motivationsverlust und Landflucht neue Unterchichten in den Städten spannungsträchtiger Druck auf das Zunftsystem
Einkommensverluste beim zudem politisch ein erstes Stück weit funktionsloser werdenden Adel Raubrittertum Femegerichte
Zugleich entstanden: Bis dahin nie gekannte Vermögens-Ansammlungen und neue dynamische Einkommensmöglichkeiten für neuerungswillige Teile der Stadtbevölkerung als:
Erben des Schwarzen Todes
Verlagskaufleute - Heimarbeiter
Bankiers Kreditgeber besonders auch der Fürsten
Privilegien- und Monopol-Besitzer
Frühkapitalismus - zwischen 15. Und 18. Jhd. - heißt:
Zwischen 90 und 85 % der Menschen arbeiten nach wie vor in der Landwirtschaft
Von den frühkapitalistischen Wirtschaftsweisen sind hier zunächst die allermeisten leibeigenen und hörigen Bauern betroffen:
sie sind zu zusätzlicher Heimarbeit gezwungen.
Später wird eine allmählich wachsende Zahl von ihnen freigelassen werden
entweder, um als bloße Pächter ihrer Grundherrn weiterzuarbeiten
oder, um als saisonal gefragte Landarbeiter ihr Dasein zu fristen
Frühkapitalistische Wirtschaftsweisen beginnen sich auf dem Land aber auch unmittelbar unternehmerisch durchzusetzen: ein Teil der adeligen Grundherrn beginnt damit, aus ihren traditionellen Grundherrschaften ertragsorientierte Gutsherrschaften zu machen
Wirtschaftliches Ergebnis:
die landwirtschaftliche Produktion wird auf diese Weise effektiviert...
= Grundvoraussetzung für eine Zunahme des gewerblich tätigen Teils der Bevölkerung!
... die Landbevölkerung beginnt zudem auch zur gewerblichen Produktion etwas beizutragen.
Zwar sinken auf diese Weise auf dem Land die Einkommen aus unmittelbar bäuerlicher Tätigkeit sichtlich ...
... der dadurch erzeugte Kaufkraftmangel wird jedoch durch das Zusatzeinkommen aus der Heimarbeitstätigleit weiter Teile der Landbevölkerung so ausgeglichen, daß die gewerbliche Wirtschaft allmählich wachsende Wachstumsimpulse durch die Nachfrage der Landbevölkerung gewinnt
Zwischen 8 und 13 % der Menschen arbeiten in Handel und Gewerbe sowie als Dienstboten in den Städten.
die allermeisten von ihnen noch für geraume Zeit im Rahmen der traditionellen körperschaftlichen Bindungen des Zunft- und Gilden-/Hansen-Systems
einige wenige reiche Kaufleute und Handwerker bereits als Unternehmer
als neuartige Arbeitsorganisatoren also, die ihr persönliches Vermögen und ihr Geschäftskapital zu trennen begonnen haben
als neuartige Arbeitsorganisatoren, die grundsätzlich dazu übergehen, ihre Geschäftsgewinne unmittelbar wieder zu investieren, um sie so ständig zu mehren
als neuartige Arbeitsorganisatoren, die
entweder die eigene Laden- und Markttätigkeit an den Händler abgeben
oder an andere Produzenten den Rohstoff liefern, die in einer Art selbständiger Stücklohnarbeit in ihrem Auftrag tätig werden
oder aber auch das Werkzeug stellen und die Produzenten damit zu ihren Lohnarbeitern machen
erste Zuwanderer in die Städte, die im traditionellen Zunfthandwerk keine Aufnahme mehr finden, versuchen sich im Aufbau eines zunft-unabhängigen Handwerks vor den Stadtmauern
sie werden als Störer und Stümpler jahrhundertelang von den Zunfthandwerkern bekämpft
Unter frühkapitalistischen Wirtschaftsweisen versteht man im Großen:
Mehr Arbeitsteilung zwischen Händlern und Produzenten
Mehr Marktorientierung (=spezialisiertere Produktion für größere Absatzgebiete)
Trennung von Privatvermögen und Geschäftskapital
Re-Investition der Gewinne als Kapital (Kapital = zur Produktion oder zum Vertrieb von Gütern verwendetes Geld)
Entstehung von Lohnarbeit
Entstehung eines Bank- und Kreditwesens zur Erleichterung des Geldverkehrs und zur Erweiterung der Investitionsmittel
Bündelung der Investitionskräfte für immer größere Unternehmungen durch Privilegierungen (Bergbau) und die Zulassung von Monopolen
Ständegesellschaften sind in der Regel Feudalgesellschaften.
Das heißt: politisch-militärische und kulturell-religiöse Führung funktionieren über das Vehikel der ´Grundherrschaft´.
Grundherrschaft bedeutet den verliehenen Besitz von Amt, Land und Leuten.
Das Amt eines Grundherrn kennt keine vertikale Gewaltenteilung zwischen ausführender Exekutiv-Gewalt, gesetzgebender Legislativ-Gewalt und rechtsprechender Judikativgewalt.
Der Besitz von Land und Leuten schafft die organisatorisch unaufwendige materielle Grundlage für die Wahrnehmung des Amtes.
Alle adeligen und geistlichen Grundherren bilden als Vasallen/Lehnsleute ihres Königs/Herr-schers einen gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch wirksamen Personenverband: Reiche sind so groß, wie ein König/Herrscher Vasallen um sich scharen kann. Bei Untreue werden sie kleiner bzw. löcheriger.
Ein solcher Personenverband ist pyramidal angeordnet als sogenannte Lehenspyramide. König, Kronvasallen, Untervasallen, Aftervasallen. Die politische Gewalt im Mittelalter ist damit also nur horizontal geteilt.
Der Umbau des mittelalterlichen Personenverbandsstaates in einen neuzeitlichen Gebietsstaat beginnt im Europa des 13. Jhds ...
... zur Zeit der staufischen Kaiser also, zur Zeit der ausklingenden Kreuzzugsabenteuer, zur Zeit des sich noch einmal am Ende eines 200jährigen Ringens aufgipfelndes Vorrangsstreites zwischen Kaiser und Papst, des sogenannten Investiturstreites, zur Zeit der sich überall durchsetzenden Geldwirtschaft.
Die Lehensordnung ist nicht mehr stabil.:
Überall in Europa und besonders in Deutschland streben die Vasallen nach immer größerer Unabhängigkeit von ihrem obersten Lehnsherrn, dem König.
Heirat, Vertrag und militärische Unternehmungen dienen der Abrundung von in sich geschlossenen Herrschaftsgebieten ohne fremde Herrschaftseinsprengsel seitens jener größeren Grundherren (Fürsten oder gar Könige), deren Ziel es nun wird, ´Landesherren´ zu werden und als solche das Leben aller effektiver zu ordnen.
Die Folgen der Geldwirtschaft verschaffen ihnen die Möglichkeit, die Dienste ihrer keineswegs immer treuen Aftervasallen entbehren zu können, um sie durch zuverlässige Beamte und Söldner zu ersetzen.