©gabriele weis

3.8.kirchenreformenzurück-pfeil.gif (2419 Byte) l-weiter.gif (2419 Byte)3.10.kreuzzüge

 l-buch.jpg (1728 Byte)3.9.  INVESTITURSTREIT:

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| Papsttum

| Primat

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-        Papst Nikolaus II. (1058-1061) belehnt  - in der neu beanspruchten Rolle der Päpste als oberste Lehnsherren Europas -  die neuen wikingischen Herren Englands, Süditaliens und Siziliens nachträglich mit dem von ihnen eroberten Gebiet!  

Damit bezieht er sie auf neue Weise in die abendländische Christenheit und ihre christliche Weltreichsordnung ein  -   und unterstreicht, daß er diese Weltreichsordnung in Zukunft als unter päpstlicher Oberherrschaft stehend betrachten und behandeln wird.

 

 

·       Nikolaus Nachfolger auf dem Papststuhl  - Gregor VII.(1073-1085) -  ist entschlossen, den neu erworbenen politischen Machtanspruch des Papsttums nicht nur den neuen (normannischen) Fürsten Europas gegenüber ins Spiel zu bringen, ...

... sondern vor allem auch den deutschen Kaiser in die neuen Schranken zu weisen:

 

  Die Gelegenheit erscheint günstig, als mit Heinrich IV. (1050-1106; ab 1056 König, ab 1083 Kaiser)  erst einmal nur ein Minderjähriger auf dem Salierthron sitzt.

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 Diese für Machterweiterungen aller Art günstige Situation hatten vor Gregor bereits andere deutsche Fürsten für sich auszunutzen versucht: die Bayern hatten mit einem Gegenkönig endlich ins Spiel um den deutschen Königstitel zu kommen versucht  -  im Gebälk des deutschen Lehenssystems knirschte es an allen Ecken und Enden.

Nur durch einen Bürgerkrieg  - eine Vasallenpartei gegen eine andere -  hatte der schließlich volljährig gewordene Heinrich eben erst seine so lange angefochtene Herrschaft sichern können ... 

·       ... als Gregor anläßlich einer gerade in Mailand anstehenden Neubesetzung des dortigen Bischofsstuhles seine Stunde für den zukunftsentscheidenden Machtkampf mit dem deutschen Kaiser für gekommen hielt:

   

Investiturstreit:

 

·       Als Heinrich nicht gewillt war, auf sein traditionelles Amtsbesetzungsrecht (sein Investiturrecht) zu verzichten, ...

... drohte Gregor ihm den Kirchenausschluß an: 

 

Dictatus Papae Gregors VII.  (1075):

 

1.  Einzig und allein von Gott ist die römische Kirche gegründet...

3.  Der Papst ganz allein kann Bischöfe absetzen und auch wieder einsetzen...

6.  Mit Exkommunizierten darf man keine Gemeinschaft haben und nicht einmal im selben Hause sein.

7. Nur der Papst darf...neue Gesetze erlassen, neue Gemeinden gründen...

8. Nur er verfügt über die kaiserlichen Insignien (Herrschaftszeichen)...

9.  Alle Fürsten haben die Füße einzig und allein des Papstes zu küssen..

12.  Der Papst kann Kaiser absetzen...

17.  Gegen seine Autorität kann kein Kapitel und kein Buch als kanonisch gelten.

18.  Sein Entscheid kann von niemandem aufgehoben werden, er selbst aber kann Urteile aller anderen Instanzen aufheben...

22.  Die römische Kirche hat nie geirrt und wird nach dem Zeugnis der heiligen Schrift auch in Ewigkeit nicht irren...

26.  Wer nicht mit der römischen Kirche übereinstimmt, kann nicht als katholisch (rechtgläubig) gelten.

27.  Der Papst kann Untertanen vom Treueid gegen ungerechte Herrscher entbinden.

 

...der sogenannte Investiturstreit war ausgebrochen.

 

 

 

 

Mahnung Gregors an Heinrich IV. 1075:

Bischof Gregor, servus servorum dei, sendet dem König Heinrich seinen Gruß und apostolischen Segen, falls er bereit ist, wie es sich für einen christlichen König geziemt, dem apostolischen Stuhle Gehorsam zu leisten...

Wir haben Dir nicht ohne Bedenken den apostolischen Segen erteilt  Denn es heioßt, daß Du im vollen Wissen mit durch päpstlichen Spruch und Synodalbeschluß Gebannten Umgang gepflogen habest.  Wenn das wahr ist, dann weißt Du selbst, daß Du weder Gottes noch des Apostels Segen empfangen kannst, ehe Du die Exkommunizierten aus Deiner Umgebung entfernt und zur Buße angehalten und für Dein Vergehen durch entsprechende Strafe, Genugtuung, Buße und Absolution erhalten hast...

Einen Sohn der heiligen Mutter, der Kirche, und unseren Sohn hast Du Dich genannt...  Tatsächlich aber... zeigst Du Dich als gefährlicher Gegner unserer kanonischen und apostolischen Dekrete ... (Rüge an konkreten Investituren)...  Aber da Wir im Angesichte der unendlichen Langmut Gottes, die Dich zur Besserung aufruft, hoffen, daß Dein Verstand wachse und Dir Herz und Sinn noch zum Gehorsam gegen die Diener Gottes gewandt werden können, mahnen Wir Dich...:  hindere nicht durch Deinen Zugriff die Freiheit der Kirche.

 

 

·       Heinrichs Gegenaktion, seinerseits den Papst für abgesetzt zu erklären, geschah zunächst mit Zustimmung seiner Vasallen

 

Heinrich IV. läßt durch folgendes Schreiben die Absetzung Gregors verbreiten  -  März 1076:

 

Heinrich, nicht durch Anmaßung, sondern durch Gottes gerechte Anordnung König, an Hildebrand, nicht mehr den Papst, sondern den falschen Mönch...  Du hast Dich nicht gescheut, Dich sogar gegen die Uns von Gott verliehene göttliche Gewalt zu erheben;  Diu hast zu drohen gewagt, Du würdest sie uns nehmen, als ob wir von Dir das Königtum empfangen hätten, als ob in Deiner und nicht in Gottes Hand Königs- und Kaiserherrschaft lägen.

Dieser unser Herr Jesus Christus hat Uns zum Königtum, Dich aber nicht zur geistlichen Herrschaft berufen...  Mich, der ich - wenn auch unwürdig unter Gesalbten -  zum Königtum gesalbt worden bin, hast Du angetastet, mich, von dem die Überlieferung der heiligen Väter lehrt, daß ich nur von Gott gerichtet...und...wegen keines Verbrechens abgesetzt werden darf, ich wiche denn vom Glauben ab, was ferne sei...   Selbst der wahre Papst, der heilige Petrus, ruft aus: ´Fürchtet Gott und ehrt den König´,;  Du aber entehrst mich, weil Du Gott, der mich eingesetzt hat, nicht fürchtest...

 

 

·       Der Papst wiederum machte mit seiner Kirchenbanndrohung dem deutschen König gegenüber nun ernst.

 

Gregor s Absetzung und Bannung Heinrichs Feb. 1076:

 

Auf der Fastensynode in Rom verkündet Gregor die Exkommunikation des Erzbischofs von Mainz:

weil er die Bischöfe und Äbte des deutschen Reiches von der heiligen römischen Kirche...abzuspalten versucht hat

und aller anderen:   die freiwillig dieses Schisma anerkannt und unterschrieben haben.

Über Heinrich verfügt der Papst:

Heiliger Petrus, du Fürst der Aposteöl,  wir flehen dich an, neige uns gnädig dein Ohr und höre mich, deinen Knecht, an, den du von Kindesbeinen an genährt und bis zu diesem Tage aus der Hand der Gottlosen gerettet hast, die mich um deiner Treue willen gehaßt haben und noch hassen.  Du sei mein Zeuge... 

Ich untersage...dem König Heinrich..., der sich gegen deine Kirche in unerhörtem Stolze erhoben hat, die Herrschaft über das ganze Reich der Deutschen und über Italien, und ich löse alle Christen von den Banden des Eides, den sie ihm geschworen haben oder noch schwören werden, und cih verbiete, daß ihm irgendjemand wie seinem König dient...

Und weil er nicht bereit war, wie ein Christ zu gehorchen... - denn mit Gebannten hat er verkehrt - ... schlage ich ihn... mit dem Bande des Anathems (Kirchenbanns)...

 

 

 

Das aber veränderte die Sachlage entscheidend:  ein exkommunizierter König war in einem christlichen Weltreich auf die Dauer nicht durchsetzungskräftig.

Entsprechend erklärten die deutschen Fürsten auch alsbald, sie würden einen neuen König wählen, wenn Heinrich sich nicht mit dem Papst aussöhne  -  die Gelegenheit zu einem Machtwechsel im Reich schien vielen, die gerade erst von Heinrich zu erneuter Treue gezwungen worden waren, als erfreulich günstig

 

Auch ein zweiter Bürgerkrieg war im Reich zu bestreiten, diesmal gegen die Schwaben, die an die Herrschaft drängten.

 

>  Wenn Heinrich also sein Amt behalten wollte, mußte er einlenken:

es blieb ihm nichts als ein demütiger und demütigender Bittgang zum gerade in Canossa weilenden Papst um Wiederaufnahme in die Gemeinschaft der abendländischen Christenheit  -  1077.

 

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Versprechen des Königs, Okt. 1076

Versprechen des Königs Heinrich an den Papst Hildebrand, der Gregor genannt wird.

Auf den Rat meiner Getreuen hin verspreche ich dem apostolischen Stuhle und dir, dem Papste Gregor, in allen Stücken schuldigen Gehorsam leisten zu wollen.  Ich werde in allen Punkten, in denen ich dem apostolischen Stuihle oder dir Schaden an der Ehre zugefügt habe, demütige Genugtuung leisten.  Da ich aber noch viel Schwereres gegen jenen Apostelsitz und gegen deine würdige Person getan habe, werde ich mich in gehöriger Zeit durch das Zeugnis der Unschuld reinigen, wenn Gott mir hilft, oder ich werde gerne schließlich eine angemessene Strafe auf mich nehmen...

 

 

 

 

 Erst danach war Heinrich stark genug, den Papst endlich wirkungsvoll zu bekämpfen, sprich: nach Italien zu ziehen, Gregor abzusetzen und einen neuen Papst wählen zu lassen, der ihn endlich zum Kaiser krönte...  

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>>>   Das katastrophale Ergebnis dieser Aktion:

 

überall im Reich stritten Papstanhänger gegen Kaiseranhänger  -  ein Kirchen-Schisma (=Spaltung) war ausgebrochen:

Beide Anhängergruppen setzten jeweils in ihrem Sinne ihrer Sache treue Amtsträger in frei werdende kirchliche Ämter ein  -  so gab es in vielen Städten 2 Bischöfe und auch 2 Päpste

 

Der Bürgerkrieg im Reich entflammte über diesem Schisma von neuem und erfaßte diesmal sogar die Familie Heinrichs selbst:  Frau und Söhne traten gegen ihn an  -  vereinsamt starb er 1106.

 

Bis 1122 sollte es dann noch dauern, bis Papst, Kaiser und deutsche Fürsten endlich zu einer Einigung kamen: 

dem sogenannten WORMSER KONKORDAT  

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Es bestimmte:

-     daß der Kaiser in Deutschland bei den Bischofswahlen anwesend sein und in Streitfällen entscheiden durfte  -  auch durfte hier kein Bischof geweiht werden, bevor er nicht vom König/Kaiser mit seinem weltlichen Amt belehnt war

-     in Italien, das ja ebenso zum Reich gehörte, sollte der Kaiser diese Rechte nicht haben

 

 

 

Europa wird überdies vielfältiger:

 

-  aus anfangs 3 christlichen Theokratien werden bis zur Mitte des 13. Jhds. 13 !

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