©gabriele weis

 3.6.geldwirtschaftzurück-pfeil.gif (2419 Byte) l-weiter.gif (2419 Byte)3.8.kirchenreformen

 l-buch.jpg (1728 Byte)3.7.  TERRITORIALSTAATSENTWICKLUNG:

 

 

 

... GRUNDVORAUSSETZUNG:

 

das Erfordernis intensiver Italienpolitik auf Seiten der deutschen Wahlkönige.

Grund für dieses Erfordernis:

die Notwendigkeit einer dauerhaften territorial-personalen Anbindung des Wirtschaftsraumes, den das Mittelmeer bot, an den ostfränkischen Raum.  

Die deutschen Wahlkönige strebten deshalb Regierungszeit für Regierungszeit die Herrschaft über die oberitalienischen Knotenpunkte des mittelalterlichen europäischen Wirtschaftslebens an.  

Sofern diese oberitalienischen Städte in ständigem Zwist mit den italischen Herrschaftsansprüchen des Papsttums lagen, bot sich   - ihren Machtanspruch erweiternd -  für die deutschen Könige die Übernahme der einst im 8. nachchristlichen Jahrhundert von den Frankenkönigen aufgebauten Schutzherrschaftsrolle über Papsttum und Kirche an:  jeder neu gewählte deutsche König sah sich deshalb in den ersten Jahren seiner Amtszeit genötigt, über die Alpen zu ziehen, um seine italischen Herrschaftsansprüche aufrecht zu erhalten und das Bündnis zwischen dem deutschen Reich und den Päpsten zu erneuern  -  der päpstlicherseits für diese Leistung gewährte Lohn:  die Kaiserwürde.

 

 

 

HAUPTIMPULS  -  STAUFERZEIT:

 

Nicht anders als Heinrich der Löwe übrigens, nur am Ende mit mehr Erfolg, betreibt der Stauferkaiser Friedrich I. etwas, was man von nun an ´Hausmachtpolitik´nennen sollte:

 

 Er sucht den Besitz der Staufer zu erweitern und zu festigen:  Heiraten, Verträge und militärische Auseinandersetzungen dienen der Abrundung des Lehensbesitzes zu einem klar umgrenzetn Gebiet ohne fremde Herrschaftseinsprengsel.  Burgen- und Städetbau sichern das so Erworbene.

 

 

 

 

 

 

 

  Eine neue Herrschaftstechnik soll an die Stelle der bisher lehnsrechtlich organisierten Politik treten: 

Barbarossa beginnt mit dem Aufbau eines Beamtenstaates -  Ministerialen nennt er seine neuen Verwaltungsfachleute

Wirtschaftliche Grundlage dieser neuen Herrschaftstechnik sind nicht mehr allein die grundherrlichen Einkünfte aus dem Staufergebiet, sondern zunächst vor allem der Ausbau der traditionellen Zolleinnahmen (vgl. Burgen- und Städtbau) sowie in zunehmendem Maße auch erstmals die Einführung von Steuern im Bereich der Städte!

 

 

 

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Folge: 

wesentliche Anstöße für die Wirtschaftsentwicklung...

...  -  die mittelalterliche Welt ist auf dem Höhepunkt ihrer Möglichkeiten, damit zugleich aber auch an ihrem Wendepunkt: 

ihr Umbau beginnt. 

Bis das Neue hinreichend vorbereitet ist, werden noch rund anderthalb Jahrhunderte vergehen  -  voller Krisen und spannender Neuentwicklungen...

 

 

 

NACH-STAUFERZEIT:

 

Der Ausbau der Landesherrschaften geht in der Nach-Staufer-Zeit allenthalben zügig weiter.  -  Es werden:

die Städte unterworfen und Residenzen errichtet, neue Städte und Universitäten gegründet, Straßen und Brücken gebaut und die Märkte kontrolliert;

für die Verwaltung der Staatsfinanzen wird eine Kammer eingerichtet;

selbst das Steuerbewilligungsrecht (Steuern nun neu eingeführt) der Landstände (Prälaten, Herren und Städte) hat nur noch eingeschränkte Bedeutung  (im Zweifelsfall setzt sich der Landesherr darüber hinweg:  der Landesherr versteht sich als Landesvater, die Stände nur als Berater und Helfer);

 

Rat Graf Eberhards des Milden von Württemberg

 

die Rechtsprechung wird vereinheitlicht - Kammergerichte;

die Spitze der Landesverwaltung liegt bei einem Ratskollegium und einer ausführenden Kanzlei;

 

 später darunter Einführung von Amtsbezirken; Einrichtung von Verwaltungsbehörden mit staatlichen Beamten, Hofräten und Bediensteten;

die traditionellen Ritterheere werden durch Söldnerheere  - Landsknechte -  ersetzt, die mit Feuerwaffen kämpfen

 

 

 

 

Stellung, Bedeutung und Lebensverhältnisse des Adels ändern sich damit gravierend:

Der Ritterstand hatte sich überlebt. Es nützte wenig, daß sich die Ritter in Bünden zusammenschlossen.

 

Wer klug war, paßte sich der Zeit an:

 

 mancher Ritter trat als Söldnerführer in den Dienst eines Fürsten oder einer Stadt.

viele ließen ihre Söhne die Rechte studieren, damit sie als "Schreiber" die Leitung der Verwaltung bei einem Landesfürsten übernehmen konnten.  

 

Diejenigen Ritter, die sich nicht umstellen konnten, ...

 

...versuchten mit Gewalt, sich ihr vermeintliches Recht zu verschaffen. Sie drängten den Reisenden ihren Geleitschutz auf, verlangten dafür aber besonders von den Kaufleuten erhebliche Abgaben. Wurden Straßen- und Brückenzoll  verweigert, dann beraubten sie die Planwagen oder schleppten die "Pfeffersäcke" auf die Burg, um von ihnen ein hohes Lösegeld zu erpressen.
Bald wurden diese R a u b r i t t e r eine wahre Landplage.

 

 

Im Reiche nahm die Unsicherheit zu.

 

Die Gerichte versagten.

Zu den gelehrten Richtern, die nach römischem Recht in den fürstlichen Landgerichten das Urteil sprachen, hatte das Volk kein Vertrauen.

So gewann in dieser Zeit der Raubritter und Strauchdiebe eine besondere Art der Rechtsprechung eine gewisse Bedeutung : die h e i m l i c h e F e m e. Sie ging auf alte Volksgerichte zurück, die sich aus früher Zeit in Westfalen erhalten hatten.  

Im Laufe der Zeit hoben die Landesherren die Femegrichte (Freistühle, an denen 7 Freischöffen (´die Wissenden´) das Urteil fällten und ausführten) auf und wandelten sie in landesherrliche Gerichte.

 

 

 

 

Neben Luxemburgern, Wittelbachern und Habsburgern ist Brandenburg der große Aufsteiger - was sich deutlich in der an den dortigen Markgrafen (!) verliehenen Kurfürstenwürde spiegelt:

seit Beginn des 12. Jhds. sind die Askanier Herren der Altmark, des Kernlandes des späteren Kurfürstentums Brandenburg

sie bauen ihr Land zielstrebig aus (Besiedlung, Kloster- und Städtegründungen, Förderung des Handels)

Erweiterung des Besitzes um Prignitz, Brandenburg, die Uckermark, die Neumarkund Lebus

1320 fällt der askanische Besitz an die Wittelsbacher, ...

...danach an die Luxemburger, die dieses Nebenland nur als Geldquelle nutzten...

Deshalb 1411 Neuvergabe durch Kaiser Sigismund an die Hohenzollern, die die Ordnung im Lande wiederherstellten  (Feldzug gegen die Ritter - Schwanenorden für die Unterwerfungsbereiten)