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3.5.stadtentwicklungzurück-pfeil.gif (2419 Byte) l-weiter.gif (2419 Byte)3.7.territorialstaatsentwicklung 

 l-buch.jpg (1728 Byte)3.6.  GELDWIRTSCHAFT:

 

 

 

 

Eine der entscheidendsten Grundlagen der staufischen Politik l-weiter.gif (2419 Byte)  wurde es, daß ganz Europa damals zur Geldwirtschaft überging...

 

 

 

 

Dieser Strukturwandel war ausgelöst worden durch die Wirtschaftsimpulse, die die Kreuzzugsbewegung l-weiter.gif (2419 Byte), die deutsche Ostsiedlung, die Ordensstaatsgründung und die neue Hansische Städtebundspolitik l-weiter.gif (2419 Byte)  für Europa gebracht hatten

 

Die allgemeine Durchsetzung der Geldwirtschaft bedeutete eine gewaltige Umwälzung aller Lebensverhältnisse in Stadt und Land:

 

Viele Bauern verlieren ihren Hörigenstatus und werden aus Verschuldungsgründen (Abgabenlieferung in Geld bedeutet Gebundenheit an niedrige Marktpreise zur jeweiligen Erntezeit -  mehr Ernteanteile als früher sind in der Regel aufzuwenden, um die festgesetzte Abgabensumme zu erreichen!) zu Leibeigenen heruntergedrückt

>>  -  in ersten Ansätzen setzt so etwas wie Landflucht ein  - 

 

 

>>>  -  so etwas wie eine städtische Unterschicht, die zu Taglohnbedingungen außerhalb der Zunftordnung oder im Dienstbotenbereich arbeitet, entsteht damit erstmals in Europa  -  oft ist sie sehr elend dran

 

 

Die Reichtumsmehrungsmöglichkeiten für den Adel geraten ins Hintertreffen, verglichen mit denen der Städter und der neuen Landesherren - - 

>>  das Rittertum verliert an kultureller, wirtschaftlicher und im Zusammenhang der neuen Herrschaftstechniken auch an politischer Bedeutung

 

 

Über diesen Umwälzungen verliert alles seine traditionelle Bedeutung:

 

die Stände, das Fürstentum, Kirche und Welt, die Reiche in Europa und ihr Verhältnis zueinander

Viele verlieren das Gewohnte:  Bauern, Ritter, Kaiser und Päpste  -  das Neue wird als bedrohlich erlebt

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Auseinandersetzung eines Bauern mit einem mit einem Herren-Knecht

 

 

Angst und Ungewißheit neuer Art werden zum Begleiter aller von den neuen Entwicklungen unangenehm Betroffenen und bewegen sie zu den verschiedensten Abwehrkämpfen:

Die Einführung der kirchlichen Inquisition spiegelt vielleicht am besten die um sich greifende angstvolle Unvernunft selbst gebildetster Zeitgenossen

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Andere wittern die neuen Möglichkeiten:

 

 Nicht jeder jedoch, der sie wittert, schätzt sie auch richtig ein.

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-  Während für Städte und neuartig auftretende Landesherren Fehleinschätzungen der künftigen Entwicklung weniger naheliegen...

 

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Nach dem Zusammenbruch der Stauferherrschaft fehlt dem Heiligen Römischen Reich die Kraft zur politischen Kontrolle Italiens

auch Karl IV. verzichtet auf eine aktive Italienpolitik

 

So treten dort neben Feudalstaaten Signorien (Stadtherrschaften)

 

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Parteikämpfe zwischen päpstlichen Guelfen und kaiserlichen Ghibellinen, zwischen Handwerkern, Patriziern und Adelsfamilien fördern die Wahl politischer Führer (Podestas)

diese Podestas steigen häufig mit List und/oder Gewalt zum erblichen Signore auf  -  Erweiterung der Signoria auch über andere Städte

Sorge für die städtischen Unterschichten wie für die gewerbliche Bevölkerung und Mäzenatentum gegenüber Künsten und Wissenschaften

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ein neuer Staatsbegriff bildet sich:

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Berechnendes Geschäftsdenken bestimmt Politik und Verwaltung  -  Staatsräson auf der Basis eines Beamtenapparats

Krieg wird zu einer Sache sogenannter Condottieri (Söldner- Unternehmer):

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er vermeidet möglichst den ´Kapitaleinsatz´ einer Schlacht durch Manovrieren und Belagerungstechnik  -  und wechselt mit der ´Witterung eines Börsenmannes´oft die Partei beim Einstieg in dieses oder jenes politische Geschäft  

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Niccolo Machiavelli beschreibt in seinem Werk ´Il Principe´(Der Fürst) diese neue Staatsauffassung.  

 

    

trotz ständiger Unruhen erlebt Italien eine wirtschaftliche und kulturelle Glanzzeit  -  es ist Europa mit der im sogenannten Trecento (14. Jhd.) einsetzenden Renaissance weit voraus

 

 

Die italienischen Städte  - vor allem Florenz und Venedig -  wurden wirtschaftlich führend in ganz Europa  

 

die Florentiner Kaufleute verstanden es, durch den Wollhandel reich und mächtig zu werden:

 

Sie kauften Wolle in England und unverarbeitete Tuche in Flandern...

...dann ließen sie die Rohware in Florenz und anderen Städten weiterverarbeiten...

...und verkauften die veredelten Stoffe auf allen Märkten und Messen Europas bis in den Orient

 

Die Tuchhändler spezialisierten sich jedoch nicht allein auf den Textilhandel...

...sie handelten mit allem, was ihre Kundschaft verlangte: 

Rohstoffe für die Handwerker, Fertigwaren und Luxusgüter für die reicheren Leute

-  zielstrebig vermehrten sie ihren Gewinn, indem sie jeden Vorteil planmäßig ausnutzten

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Bald hatten die italienischen ´Unternehmer´ - ein neuer Berufsstand war also geboren -  ...

...  gelernt, daß mit dem Geldhandel noch mehr zu verdienen war als mit dem Warenhandel:

der Frühkapitalismus war geboren!

 

 

lebhafter Geschäftsverkehr in einem Genueser Bankhaus

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Handwerk, Handel und Geldwesen wurden auf neue Weise miteinander verbunden:

 

das sogenannte Verlagssystem war entstanden 

(=Kaufmann liefert Rohstoffe (und Arbeitsgeräte) an städtische Handwerker wie an bäuerliche Heimarbeiter gegen Lohn, und beliefert seinerseits die europäischen Märkte mit deren Produkten  -  den so erzielbaren Gewinn investiert er u.a. in Bankgeschäfte)

 

 

 

Bereits im Jahr 1282 war der Florentiner Wollhändler Bartolo di Bardi zugleich Vorstand der Wechslerzunft

-  die Wechsler hatten damals noch wie die Handwerker auf der Straße offene Buden, die man Banco nannte (nach dem Ladentisch, der dazu diente, die Gold- und Silbermünzen aufklingeln zu lassen; am Klang erkannte man die Legierung)

Aus dem Geldwechsel entwickelte sich das Bankwesen

Der fioro d´oro, der goldene Florentiner oder Florin, war jahrhundertelang Europas angesehenste und stabilste Währung...

 ...im Norden wurde daraus der Güldene oder Gulden, und noch heute ist das internationale Zeichen für den Gulden das fl.

zahllose Fachausdrücke der Handelssprache wie Konto, Giro, Bank, bancrott usw. erinnern Italien als Ursprungsland des Bankwesens. 

Selbst das Zahlwort ´Million´ stammt von dort  -  erst jetzt lernte man mit diesem bis dahin unvorstellbaren Wert rechnen

Wechselbriefe (=Schuldbriefe), Girokonten, Transportversicherungen förderten den Handelsverkehr

 

 

Auf ihrer  Bank an der Budenstraße hatten die Bardi begonnen...

  ... später besaßen sie die größte europäische Kreditanstalt mit einem Kundenkreis in Frankreich, England, Flandern, Zypern und Kleinasien

 

 

in Italien entwickelten sich auch die ersten Monopole...

... ein erstes Handelsgericht

 

das bedeutendste Florentiner Handelshaus wurde das der Medici.

auch sie hatten mit dem Wollhandel begonnen und waren dann in das Geldgeschäft eingestiegen

sie arbeiteten mit zahlreichen Fürsten und Bischöfen zusammen ...

...und waren das Bankhaus der Päpste, die ihnen das Monopol für den Verkauf von Alaun übertrugen  -  eines chemischen Salzes, das zur Reinigung der Wollfaser diente und zum Färben der Wollstoffe benötigt wurde

sie regierten Venedig als ungekrönte Herren und betrieben später sogar  Heiratspolitik mit den europäischen Thronen

 

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(-  Während für Städte und neuartig auftretende Landesherren Fehleinschätzungen der künftigen Entwicklung weniger naheliegen...)

 

... sitzt die Amtskirche (unter Führung der im Rangstreit mit den Staufern mächtiger denn je gewordenen Päpste ) dem Irrtum auf, ihre eben erst erworbene Lehnsherrenstellung über sämtliche europäischen Fürsten bilde eine geeignete Grundlage für ein zeitgemäßes Theokratie-Modell:

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| Papsttum

 

| Primat:

 

Innozenz III. (1198-1216) erlässt die Bulle Venerabilem die dem Papst das Recht gibt, Könige zu wählen und auch das Recht zu entscheiden, ob sie qualifiziert sind oder nicht. Am vierten Laterankonzil proklamiert er, dass das päpstliche Primat von der gesamten Antike anerkannt worden sei.

Das 2. Konzil von Lyon unter Gregor X. erklärt im Jahr 1274:

Die Heilige Römische Kirche besitzt den höchsten und vollen Primat und die Herrschaft über die gesamte katholische Kirche. Sie ist in Wahrheit und Demut bewußt, dass sie diesen Primat vom Herrn selbst - im heiligen Petrus, dem Fürst und Haupt der Apostel, dessen Nachfolger der Römische Papst ist - mit der Fülle der Gewalt erhalten hat. Und wie sie vor allen anderen zur Verteidiugung der Glaubenswahrheiten verpflichtet ist, so müssen auch alle auftauchenden Fragen über den Glauben durch ihr Urteil entschieden werden.

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Denn nicht nur laufen der Kirche in diesen Jahren kritikwürdigen Weltherrschaftsgebarens ihrer Päpste viele Gläubige davon.

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Auch die Fürsten Europas machen sich aus ihrer eben erst eingegangenen Lehnsabhängigkeit vom Papsttum keineswegs das von den Päpsten Gewünschte

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Bonifatius VIII. erlässt im Zusammenhang mit seinem Konflikt mit dem Schönen 1302 die Bulle"Unam sanctam", was den König nicht hindert, den Papst noch im gleichen Jahr arretieren zu lassen um die Unabhängigkeit der weltlichen Gewalt zu demonstrieren.

 

...Aber diese Autorität, obwohl sie einem Menschen gegeben und von einem Menschen ausgeübt wird, ist nicht menschlich sondern göttlich und wurde durch das Göttliche Wort an Petrus selbst und in ihm an seine Nachfolger gegeben, Petrus, den der Herr als festen Felsen bestätigte, als er ihm sagte ?Was immer du auf Erden binden wirst (Mt. 16,19). Deshalb, wer immer sich dieser von Gott eingesetzten Macht widersetzt, widersetzt sich Gott (siehe Römer 13,2). ? Im weiteren erklären, definieren und proklamieren wir jedem menschlichen Geschöpf, dass sie ganz dem römischen Pontifex untertan sind, was für ihre Rettung notwendig ist. (Porro subesse Romano Pontifici omni humanae creaturae declaramus, dicimus, definimus, et pronuntiamus omnino esse de necessitate salutis.)

Das Konzil von Konstanz erklärt 1415 im Dekret Haec Sanctam, dass das Konzil über dem Papst steht. Siehe Konzil von Konstanz.

Auf dem fünften Laterankonzil 1516 erklärt Leo X. "Der zur Zeit existierende römische Pontifex, der die Autorität über alle Konzilien besitzt.." Die Allgemeingültigkeit dieses Papstkonzils wurde jedoch schon damals bestritten, da es praktisch nur von Italienern und Kurienkardinälen besucht war.