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2.6.araberreichzurück-pfeil.gif (2419 Byte) l-weiter.gif (2419 Byte)2.8.frankreich-normannen

 zurück-pfeil.gif (2419 Byte)  2.7. HEILIGES RÖMISCHES REICH (DEUTSCHER NATION):

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... die Königswahl im Heiligen Römischen Reich verkommt zu einem Machtspiel der Fürsten

>>>          Staufer  und Welfen  ringen in einem mehraktigen Kampf  um die Königsmacht für ihr Haus:

 

STAUFER  1138-1254:

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Der Konflikt zwischen Staufern und Welfen um das höchste Amt im Reich, die Königswürde, war Ausdruck dafür, daß im ganzen Reich die Fürsten seit dem Investiturstreit gegenüber dem König an Ansehen und Einfluß gewonnen hatten:

 

 

Die auf ihre Unabhängigkeit bedachten Reichsfürsten suchten jeweils nach dem ihnen weniger gefährlichen, weil politisch leichtgewichtigeren Königskandidaten  - oder aber sie trachteten danach, wechselnde Fürstenfamilien mit der Königswürde zu betrauen, damit keine von ihnen zu stark würde.

 

Diese Politik konnte auf die Dauer nicht an den Interessen der beiden mächtigsten Fürstenfamilien der Zeit vorbei erfolgen:

 

Den schwäbischen Staufern wie den bayrisch-sächsischen Welfen ging es um die dauerhafte Erringung der Königswürde für jeweils ihr Fürstenhaus. 

 

Die Staufer konnten sich auf eine verwandtschaftliche Verbindung mit der salischen Königsfamilie berufen  -  überdies verstanden sie sich als überaus ehrgeizige Aufsteiger

die Welfen hatten mehr Besitz:  sie besaßen 2 Herzogtümer und Güter in Italien

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Der Konflikt zwischen Staufern und Welfen ist damit vorprogrammiert: 

Wählten die Fürsten den einen, war der andere nicht bereit, das so geschaffene Machtverhältnis zu dulden  -  -  ein Lehenskrieg nach dem anderen ist die Folge

 

 

 

   

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Als Konrad III. im Verlauf der ersten dieser Lehensauseinandersetzungen dem Welfenherzog seine Lehensgebiete zu entziehen und an andere Fürsten zu vergeben versuchte, ...

...begann ein jahrzehntelanger Kampf zwischen beiden Familien  ...

...-  unter Einbeziehung der oberitalienischen Städte  (Guelfen und Ghibellinen standen sich hier jeweils als Parteien gegenüber)

 

  

 

 

 

 

 

 

 

Kaiser Friedrich l. Barbarossa

 

 

Friedrich I. Barbarossa war dann  - weil, obwohl Staufer, mit den Welfen verwandt -  als Versöhnungskandidat der Fürsten auf den Thron gehoben worden.

 

Er erlangte einen Kompromiß mit seinem welfischen Verwandten Heinrich dem Löwen, dem Sachsenherzog:

Friedrich I. revidierte die Politik Konrads:

Dem von Konrad zum Bayernherzog eingesetzten Babenberger nahm er das bayrische Lehen wieder weg und gab es erneut an die Welfen in Person Heinrichs des Löwen.  Heinrich erhielt überdies das Recht, seinen Einfluß nach Osten in die slawischen in die slawischen Gebiete hinein auszudehnen.

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Heinrich der Löwe

Heinrich sicherte dem so agierenden neuen Stauferkönig umgekehrt seine Unterstützung bei der amtswechselgemäß anstehenden Italienpolitik zu (Unterwerfung aufständischer lombardischer Städte, Erneuerung des Bündnisses mit den Päpsten zur Erringung der persönlichen Kaiserwürde)

 

Den seines eben erst neu erworbenen Herzogtums Bayern damit wieder entledigten Babenberger entschädigte er mit Ostbayern:  Schaffung eines eigenen Herzogtums Österreich mit besonderen Rechten

 

 

Italien aber bleibt trotz der anfänglich erfolgreichen Italienpolitik des neuen Stauferkaisers in eine kaiserliche und eine antikaiserliche Partei zerrissen:

keine Stadt, in der nicht die einen mit den anderen in ständigem Streit lägen.

Dasselbe Bild unter den obersten Amtsträgern der Kirche: 

diejenigen, die sich die christliche Welt unter der Lehns-Oberherrschaft des Papsttums neu geordnet wünschen,...

... gegen die, die die christliche Weltreichsidee nur dann für zukunftsträchtig halten, wenn sie an ein starkes Kaisertum gebunden bleibt

 

Die nach der Salierzeit l-weiter.gif (2419 Byte) erst von Barbarossa mit Entschiedenheit wieder aufgegriffene Italienpolitik verhärtet die Fronten:

 

die Papstwahl des Jahres 1159 mündet in die Aufstellung von Papst und Gegenpapst  ...

 

...  -  der kaiserfeindliche Alexander III. sucht sofort das Bündnis mit den antikaiserlichen Städten...

 

...  -  Barbarossa ist gezwungen, die kaiserlichen Interessen in Italien erneut kriegerisch durchzusetzen, diesmal mit erheblich höherem Aufwand als beim ersten Waffengang

 

Ohne Unterstützung durch die mächtigsten Reichsfürsten kommt Friedrich I.  nicht weiter:

Für Heinrich den Löwen hat sich allerdings das machtpolitische Kalkül mittlerweile geändert:  er hatte sich nach Mecklenburg und Pommern hinein in Norddeutschland eine königsähnliche Stellung verschafft und durch Heiratspolitik mit England die Stellung Sachsens im nördlichen Mitteleuropa erheblich ausgebaut

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England ist damit in dreifacher Weise mit einem Mal zur wichtigen Kraft in der europäischen Politik aufgestiegen:

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 1. Seit der Normannenzeit besitzt es bedeutende Teile Frankreichs  -  keineswegs einig mit den französischen Königen darüber, ob diese Gebiete als französische oder als englische Königslehen zu betrachten sind. 

2.  Seine Teilnahme an den immer noch laufenden Kreuzzügen unterstreicht seinen mittlerweile gewachsenen innereuropäischen Geltungsanspruch und die gewonnene Stärke. 

3.  Durch die heiratspolitische Verbindung mit Sachsen sieht und sucht es die Möglichkeit, neben seinen französischen Besitzungen noch ein zweites machtpolitisches Standbein auf dem Kontinent zu erlangen

Gestützt auf seine erweiterte innerdeutsche Machtstellung verweigert sich Heinrich diesmal seinem Kaiser und strengt sogar eine Reichsklage gegen Barbarossas Konfliktstrategie gegenüber dem Guelfenpapst an...

 

>>  Barbarossas Position im Konflikt mit guelfischem Papsttum und Lombardenstädten bessert sich angesichts der von Heinrich provozierten militärischen Schwäche des Kaisers nur dann, ...

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Banner der Guelfen in Florenz

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... wenn er eine Aussöhnung mit dem gegen ihn ins Feld gezogenen Guelfenpapst Alexander zustande bringt...

 

...  -  Bedingung: 

Alexanders Anerkennung als allein rechtmäßigem Papst. 

Barbarossa erfüllt sie. 

 

Der Friede in Italien ist damit vorläufig wiederhergestellt...

 

... im Reich hingegen ...

...hat sich Heinrich der Löwe mit seiner Klagepolitik gegen Barbarossa jedoch verschätzt  -  er hatte  weder mit Barbarossas Aussöhnungsgeste,  noch so recht mit der Adelsopposition im eigenen Lande gerechnet:

Heinrichs Klageerhebung sichert Barbarossa den entscheidenden Rückhalt unter den übrigen Reichsfürsten beim nun anstehenden Kampf um die Erhaltung der königlichen Lehnshoheit über den Sachsenherzog  -

-  1180 spricht das von Barbarossa einberufene Fürstengericht die Reichsacht über Heinrich den Löwen aus und verfügt den Einzug seiner Lehen...

 

...   -  anschließend zwingt Barbarossa Heinrich in einem Unterwerfungskrieg zum Exil in England

Englands Pläne auf dem Kontinent scheitern damit erst einmal ein Stück weit

 

 

 

In der  Folge festigen die Staufer ihre Stellung im Reich:

 

 

1.  Die eingezogenen Lehen werden neu aufgeteilt und neu vergeben:

 

das um die Steiermark reduzierte Bayern geht an die Wittelbacher;

Sachsen wird ganz aufgelöst:  Westfalen geht an das Erzbistum Köln; Restsachsen geht an die Askanier

 

2.  Auch der Kaiser hatte sich während dieses Streites wie für die Zukunft Schützenhilfe außerhalb des Reiches gesucht:

 

gegen die Allianz von Sachsen und Engländern, sucht er zu einer Abstimmung kaiserlicher und französischer Interessen im Europa der Kreuzzugszeit zu gelangen

 

 

 

3.  Nicht anders als Heinrich  übrigens, nur am Ende mit mehr Erfolg, betreibt er etwas, was man von nun an ´Hausmachtpolitik´nennen sollte:

 

 Er sucht den Besitz der Staufer zu erweitern und zu festigen:  Heiraten, Verträge und militärische Auseinandersetzungen dienen der Abrundung des Lehensbesitzes zu einem klar umgrenzetn Gebiet ohne fremde Herrschaftseinsprengsel.  Burgen- und Städetbau sichern das so Erworbene.

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4.  Eine neue Herrschaftstechnik soll an die Stelle der bisher lehnsrechtlich organisierten Politik treten: 

Barbarossa beginnt mit dem Aufbau eines Beamtenstaates -  Ministerialen nennt er seine neuen Verwaltungsfachleute

Wirtschaftliche Grundlage dieser neuen Herrschaftstechnik sind nicht mehr allein die grundherrlichen Einkünfte aus dem Staufergebiet, sondern zunäscht vor allem der Ausbau der traditionellen Zolleinnahmen (vgl. Burgen- und Städtbau) sowie in zunehmendem Maße auch erstmals die Einführung von Steuern im Bereich der Städte!

 

Folge: 

wesentliche Anstöße für die Wirtschaftsentwicklung...

...  -  die mittelalterliche Welt ist auf dem Höhepunkt ihrer Möglichkeiten, damit zugleich aber auch an ihrem Wendepunkt: 

ihr Umbau beginnt. 

Bis das Neue hinreichend vorbereitet ist, werden noch rund anderthalb Jahrhunderte vergehen  -  voller Krisen und spannender Neuentwicklungen...

 

 

 

wichtigste Staufererwerbung (durch Heiratspolitik):  Süditalien und Sizilien

>> Probleme:

innenpolitisch: Verlagerung des kaiserliches Interesses aus dem Reich heraus  

außenpolitisch:

neue, am Ende verhängnisvolle  Konflikte mit dem Papsttum

veränderte außen-/europa-politische Rolle des Reiches

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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 Kaiser Heinrich VI.

 

 

Friedrichs I. Sohn Heinrich VI. fühlt sich verleitet zum Griff nach der Vorherrschaft (Hegemonie) über England mit zeitweiliger französischer Hilfe (Gefangennahme + Erpressung des engl. Königs und Kreuzfahrers Richard Löwenherz zu Lösegeld und Lehnseid; (...Robin Hood in England))

 

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 Heinrich VI. und sein Gefangener Richard III. v. England

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Über diesen hegemonialistischen Zielen wie über dem wieder aufflammenden Investiturstreit l-weiter.gif (2419 Byte) zerreiben sich die alten Vorstellungen von einem durch Kaiser und Papst geordneten Europa:

in England l-weiter.gif (2419 Byte)  und Frankreich l-weiter.gif (2419 Byte)  zeichnet sich das Ziel, einen jeweils eigenen Nationalstaat zu bilden, am Horizont ab

 

 

 

Der unmündige Sohn Heinrichs  - Friedrich II.-  ist noch lange nicht aktionsfähig:

>>>  Ein Teil der deutschen Fürsten will ein Hineinregieren des Papstes als Vormund des Jungen in die Reichsangelegenheiten verhindern ...

...und entscheidet sich für die Wahl eines anderen Staufers zum deutschen König...

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>>>  Ein anderer Teil hält die Stunde für gekommen, den Welfen mit einer Gegenwahl wieder zu einem angemesseneren Gewicht im Reich zu verhelfen ...

 

... -  und sie tun das im Bündnis mit dem Papst und den Engländern  / die Engländer haben eine Rechnung mit den Staufern offen und eine mit Frankreich...

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=  neue Spielräume für eine andere Macht:.

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...als mächtigste Gegner der staufischen Weltreichspläne treten nun die die Päpste 

Innozenz III. (1198-1216), Honorius II. (1216-1227), Gregor IX. (1227-1241) und Innozenz IV. (1243-1254)auf den Plan:

 

 

Sie verfolgen ein päpstliches Weltherrschafts-Konzept als oberste Lehensherren über sämtliche europäischen Reiche:

 

da ihnen die gegen das byzantinische Reich gerichteten Machtinteressen der oberitalienischen Städte, namentlich Venedigs, im Rahmen der Kreuzzugsbewegung in ihre Pläne paßte, verletzen sie ihre Bündnispflichten gegenüber den deutschen Kaisern bezüglich der oberitalienischen Städte:

  So wird 1204 nicht das Heilige Land erobert, sondern Byzanz !

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>>>  die Umwandlung des griechisch-orthodox-byzantinischen Kaiserreichs in ein römisch-katholisches ´Lateinisches Kaiserreich´ wird eines der Rand-Ergenisse des hochmittelalterlichen Umbaus der Machtordnung Europas

 

 

Im Jahre 1215 beruft  Papst Innozenz III. eine Kirchenversammlung (Konzil) nach Rom in den Lateran (Papstpalast) ein:  Laterankonzil  

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Beratungs-Gegenstände:

·      machtpolitische Fragen, u.a. neuer Kreuzzug

·      glaubenspolitische Fragen:  Einrichtung der Inquisition (Ketzerverfolgung)  

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Auf dem Lateran-Konzil  1215  verkündete Innozenz III.:

Wie Gott, der Schöpfer des Weltalls zwei große Lichter an das Himmelszelt gesetzt hat, ein größeres, um den Tag, und ein kleineres, um die Nacht zu regieren, so hat er für die allgemeine Kirche zwei große Ämter gesetzt, ein größeres, das die Seelen, gleichsam die Tage, und ein kleineres, das die Körper, gleichsam die Nächte regieren soll:  dies sind das Amt des Papsttums und die Königsgewalt.  Wie nun der Mond sein Licht von der Sonne empfängt, so empfängt die Königsgewalt den Glanz ihrer Würde von der päpstlichen Amtsgewalt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Tod seines staufischen Onkels veranlaßt dann den mittlerweile 17jährigen eigentlichen Thronerben Friedrich den II. zum Kampf um den ihm zustehenden Thron  -  er nun wiederum wie seine Vorfahren im Gegen-Bündnis mit Frankreich:

 

 

1214 kann Friedrich II. seinen Gegenspieler, den mit England, dem Papst und den oberitalienischen Städten verbündeten Welfen Otto IV. entscheidend schlagen

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Nach seinem Sieg kehrt er nach Sizilien zurück ...

 

... -  gegen das Versprechen, Sizilien niemals mit dem Reich zu vereinigen, krönt ihn der Papst 1220 zum Kaiser

 

 

 

Der Friede zwischen Papst und Kaiser hält jedoch nicht lange:

Beschäftigt mit inneritalischen Kämpfen um die Durchsetzung des neuen staufischen Staatsmodells...

 

 

... schiebt Friedrich II. die Einlösung seines Kreuzzugsversprechens l-weiter.gif (2419 Byte)  an den Papst zunächst auf.  

-  Der Papst sieht darin mangelnde Unterwerfung unter seinen Vorrang und reagiert mit Bann  -  eine nach wie vor schwere Belastung für die Aufrechterhaltung des königlich/kaiserlichen Machtanspruchs!

 

 

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Über diesen Umwälzungen verliert alles seine traditionelle Bedeutung:

 

die Stände, das Fürstentum, Kirche und Welt, die Reiche in Europa und ihr Verhältnis zueinander  

Viele verlieren das Gewohnte:  Bauern, Ritter, Kaiser und Päpste  -  das Neue wird als bedrohlich erlebt

 

 

Angst und Ungewißheit neuer Art werden zum Begleiter aller von den neuen Entwicklungen unangenehm Betroffenen und bewegen sie zu den verschiedensten Abwehrkämpfen:

 

 

Die Einführung der kirchlichen Inquisition spiegelt vielleicht am besten die um sich greifende angstvolle Unvernunft selbst gebildetster Zeitgenossen

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Andere wittern die neuen Möglichkeiten:

 

 Nicht jeder jedoch, der sie wittert, schätzt sie auch richtig ein.

 

 

-  Während für Städte und neuartig auftretende Landesherren Fehleinschätzungen der künftigen Entwicklung weniger naheliegen...

 

 

... sitzt die Amtskirche (unter Führung der im Rangstreit mit den Staufern mächtiger denn je gewordenen Päpste) dem Irrtum auf, ihre eben erst erworbene Lehnsherrenstellung über sämtliche europäischen Fürsten bilde eine geeignete Grundlage für ein zeitgemäßes Theokratie-Modell:  das Papsttum als oberste Lehnsmacht ganhz Europas!

 

Denn nicht nur laufen der Kirche in diesen Jahren kritikwürdigen Weltherrschaftsgebarens ihrer Päpste viele Gläubige davon.

Auch die Fürsten Europas machen sich aus ihrer eben erst eingegangenen Lehnsabhängigkeit vom Papsttum keineswegs das von den Päpsten Gewünschte

 

 

>>   Nicht zuletzt die Päpste stehen folglich den neuen Ideen und politischen Umwälzungen, die die Herrschaft Friedrichs für Italien mit sich bringt, äußerst kritisch gegenüber:

 

 

So greifen sie nach der Zurücknahme des ersten Bannes über Friedrich ...

 

 -  als dieser sein Kreuzzugsversprechen schließlich mit größtem Erfolg eingelöst hatte (ohne Kampf hatte er mit Sultan Saladin ein Abkommen getroffen, das ihn zum König von Jerusalem erhob) -

 

... erneut zu diesem Zwangsmittel und erhalten es von 1245 bis zu Friedrichs Tod 1250 aufrecht!

 

 

Papst Innozenz IV zur Begründung des Bannspruchs (1245):  

Friedrich, der die Kirche und Uns mehr verspottete als anhörte, war ferner in verabscheuungswürdiger Freundschaft mit den Sarazenen verbunden, sandte ihnen mehrfach Boten und Geschenke, nahm ihre Sitten an und hält sie zu seinen täglichen Diensten bei sich . . . Weder Kirchen noch Klöster oder andere fromme Gebäude sah man ihn bauen. Außerdem hat er es in seinem Königreich Sizilien, das der besondere Besitz des heiligen Petrus ist und das dieser Fürst vom Apo­stolischen Stuhl zu Lehen hatte, bereits zu solcher Verarmung und Verknechtung der Geistlichen und Laien gebracht, daß sie fast nichts mehr besitzen. . .
 

 

 

 

... Urteile von Zeitgenossen

über die Herrschaft Friedrichs II.:

 

 

Friedrichs Kanzler Petrus von Vinea über den Kaiser (um 1239):

Wahrhaftig, ihn verehren Land und Meer, ihm jubeln laut die Lüfte zu ; denn er, der der Welt als wahrer Kaiser von der göttlichen Macht beschieden wurde, lenkt als Freund des Friedens, als Schützer der Liebe, als Begründer des Rechts, als Hüter der Gerechtigkeit und Sohn der Geduld die Welt mit unend1icherWeisheit. Er ist es, von dem die Worte des Propheten Hesekiel verkünden: ein großer Adler mit gewaltigen Fittichen.

 

 

Albert von Beham, päpstlicherAgent, überFriedrich (1245):

Fürst der Tyrannei, Zerstörer der kirchlichen Lehre und Verderber der Geistlichkeit, Umstürzer des Glaubens, Lehrer der Grausamkeit, Erneuerer der Zeiten, Zersplitterer des Erdkreises und Hammer der ganzen Welt!  

 

als Sinnbild des staufischen Herrsherideals gilt der ´Bamberger Reiter´ - er stellt allerdings keinen identifizierbaren staufischen Fürsten dar, sondern König Stefan I. von Ungarn

 

 

Der Kampf um die Vorherrschaft in Italien ging auch nach dem Tode Friedrichs II. weiter.

Als letzter Staufer zog sein Enkel  K o n r a d i n  nach Italien, um sein Erbe anzutreten.

 

Konradin, der letzte Staufer, bei der Falkenjagd mit seinem Freund Friedrich von Baden  

 

 

Vergeblich hatte die Mutter den Sechzehnjährigen zurückzuhalten versucht:   Der Papst hatte ihn gebannt.

Aber jubelnd empfingen ihn die Ghibellinen in Rom und führten ihn im Triumphzug aufs Kapitol, ...

 

...während der Papst die Stadt mied und gegen das "Otterngezücht der Staufer" das Kreuz predigen ließ.

Östlich von Rom siegte Konradin über die französischen Ritter K a r l  v o n  A n j o u , den der Papst zum König von Sizilien gekrönt hatte.

Schon schickte sich Konradins Heer zur Verfolgung an, da brach Karl von Anjou mit einer Schar von Rittern aus einem Hinterhalt hervor. Trotz tapferer Gegenwehr blieb Konradin schließlich nur die Flucht übrig. Durch Verrat fiel er in die Hände Karls.

Dieser machte Konradin und seinen Mitgefangenen den Prozeß wegen ´Landesverrats´.

 

Der junge Staufer und sein Freund Friedrich von Baden wurden auf Karls Befehl zum Tode verurteilt und 1268 auf dem Marktplatz in  N e a p e l  enthauptet. 

Die Hinrichtung war ein politischer Mord und wurde schon von den Zeitgenossen so aufgefaßt.

 

 

 

 

 

 

...in Summa:

 

 

 

Der Glanz, den Kaisertum wie Papsttum, ...

 

...gestützt auf die durch die Geldwirtschaft erweiterten herrscherlichen Möglichkeiten,...

 

in der späten Stauferzeit und auf dem Höhepunkt von Kreuzzugsbewegung und Investiturstreites entfalten, ...

 

...erzeugt angesichts auch wachsenden Elends am anderen Ende der Gesellschaft:

 

 

  wachsende Unsicherheit und Unzufriedenheit in vielen Teilen der Bevölkerung mit den führenden Vertretern Gottes auf Erden - -

 

Mal suchen die Stände und Städte ihr Heil auf Seiten der Päpste...  

... mal erscheint ihnen der Stauferkaiser als der stützenswertere Herrscher...

 

Dritte suchen aus dem Rangstreit zwischen beiden einen irgendwie zukunftsweisenden Nutzen zu ziehen:   die Entwicklung zu einem nicht mehr personenverbandsstaatlich, sondern territorial- oder gar nationalstaatlich organisierten Europa kommt darüber voll in Schwung

 

 

 

So bleibt der alles bisher Bekannte übertreffende kaiserliche wie päpstliche Glanz der Stauferzeit eine Episode in der Geschichte des mittelalterlichen Europa, das von nun an schwierige Umbauzeiten vor sich hat:

 

Die Macht beider Spitzenämter des römisch-christlichen Erdkreises wird sich nicht weiter in der traditionellen Form aufrechterhalten lassen  

Das Staatsmodell Friedrichs II. freilich wird in ganz Europa zunehmend Schule machen.  Im 17. Jhd. wird es überall voll durchgesetzt sein.  

Unter den Territorialstaatsbildungstendenzen l-weiter.gif (2419 Byte)  der Zeit ist die kaiserliche Macht vorläufig zerbrochen  - -

 

 

 

>>>   - - - im Heiligen Römischen Reich folgt nun für die Zeitgenossen eine rund 50jährige kaiserlose ´schreckliche´Zeit l-weiter.gif (2419 Byte)

 

 

 

Die Päpste wähnen sich angesichts des ruhmlosen Endes der Stauferherrschaft und des politischen Verfalls des Reiches am Ziel ihrer Weltherrschaftspläne -

 

- -  nicht lange jedoch, und die Franzosen werden sie gnadenlos aus dieser Illusion reißen, indem sie das Papsttum für mehr als ein dreivierteljahrhundert in ihre Gewalt bringen  (`Babylonische Gefangenschaft der Kirche)

 

 

>>>  Folge:  ´Großes Schisma´ (Kirchenspaltung; Avignonesische Päpste neben römischen Päpsten)

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