1.5.a-MITTELMEERRAUM um 560 v.chr.
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1.5.b5-fiktiver reisebrief aus jerusalem an nophris nach bubastis
1.5.b4 fiktiver reisebrief:
´REISENDER ÄGYPTER HESI´AUS SAMARIA AN SOHN HORI NACH KITION/ZYPERN
Hori ist Hesis einziger überlebender Sohn.
Krieger waren die meisten von Horis und Hesis Vorfahren und Verwandten gewesen. Hesi hatte zur Zeit der Schlacht um Jerusalem (587v.Chr.), bei der sein Bruder Schepsi gefallen war, noch einen Schreiberposten bei der ägyptischen Heeresetappe bekleidet.
Horis ältester Bruder Kainofer hatte sein Soldatenleben wie sein Onkel mit einem frühen Tod zu bezahlen gehabt.
Hori war deshalb früh entschlossen gewesen, mit der soldatischen Familientradition zu brechen und Kaufmann zu werden.
Vor sieben Jahren kurz nach dem Amtsantritt von Pharao Amasis (569-525 v.Chr.) hatte ein wichtiger Erfolg der ägyptischen Außenpolitik ihm ein neues Aktionsfeld eröffnet: Zypern war Ägypten tributpflichtig geworden - und Hori hatte sein Haupt-Handelskontor nach Kition verlegt, wo er seitdem mit seiner Frau und seinem bisher einzigen Sohn lebt.
Samaria, den 4.12.561
Mein lieber Sohn,
fünf herrlich ausgedehnte Monate sind mir wie im Fluge vergangen, seit ich Anfang August aus Sais aufgebrochen bin - fünf Monate, in denen ein faszinierendes Stück meines Lebenstraumes wahr geworden ist.
Allein schon die landschaftliche Vielfalt des südlichen Teils des vorderasiatischen Raumes, den zu durchstreifen ich mir zum Auftakt meiner langen Reise vorgenommen hatte, zieht mich (und mehr wohl noch Deine Cousine Nikotris) täglich mehr in Bann!
Und dann ein Kaufmann wie Du weiß das gewiß besser als jeder einfache Reisende gleich mir: die noch eigentümlichere Vielfalt von Lebensweisen und Mentalitäten (=Geistes-, Lebenshaltungen), auf die man hier im Wechsel der Landschaften und Reichsbildungen stößt!
Du wirst von Deinem Zypern aus noch wenig Gelegenheit gehabt haben, mit iranischen Kaufleuten in direkten Handelskontakt zu kommen. Es sind Menschen, die der geographischen Lage ihres Siedlungsgebietes wegen in riesigen Dimensionen zu denken gewohnt sind: Ihre Handelskarawanen sind auf den mühsamen Landweg angewiesen und meist monatelang namentlich auf der berühmten Seidenstraße unterwegs. Diese Kaufleute treten mit viel gelassenerer, beeindruckend stolz wirkender Bedächtigkeit auf, als ich das an ihren chaldäischen, syrischen oder nunmehr samaritischen Kollegen beobachten zu können glaube.
Denn unterhalb und westlich der Hochlandregion, in der sich diese Iranier vorläufig noch (?!) hauptsächlich bewegen, bestimmt eine vergleichsweise große Zahl zum Teil bedeutender städtischer Siedlungen das Bild: Die Handelskontakte der meisten Kaufleute sind hier folglich erheblich kleinräumiger, die Konkurrenz zwischen ihnen ist entsprechend groß und damit auch weniger leicht durchschaubar alles wirkt ungleich hektischer als in der (dieser Tage noch dazu in einen gewissen inneren Leerlauf hineinrutschenden) Hauptstadt des Mederreiches, in der ich mich einige Zeit aufhalten konnte. Schließlich bildet die gesamte mesopotamische Tiefebene zusammen mit den es westlich gegen das Mittelmeer hin begrenzenden Bergregionen einen Knotenpunkt für zahlreiche Austauschbeziehungen zwischen iranischem, arabischem und babylonischem Handel, den wiederum die Phönizier vor allem an den Seehandel des gesamten Mittelmeerraumes anschließen.
Du kennst sie gut. Neben den Griechen sind ja gerade sie Deine Haupthandelspartner.
In den letzten Wochen bin ich überdies mit einem Menschenschlag in Berührung gekommen, der uns Ägypter etwa seit dem 12. Jhd. V.Chr. das Fürchten gelehrt, uns gar schließlich für etwa ein Jahrzehnt (zwischen 672 und 660 v.Chr.) unter seine Herrschaft gezwungen, mittlerweile aber seine politische Selbständigkeit gänzlich an die chaldäischen Eroberer verloren hat: den Assyrern.
Zwischen Ekbatana, meiner zweiten große Reiseetappe, und Samaria, der einst israelitischen Heimatstadt meines Freundes Ruben, in der ich mittlerweile wohlbehalten angelangt bin, liegt das Kernland dieses bis vor einem halben Jahrhundert in der Geschichte Vorderasiens so mächtigen und vielfach Schrecken erregenden Volkes.
Einstige Babyloner Kolonisten im übrigen, hatten sie im nördlichen Zweistromlad um Assur und Ninive herum spätestens seit dem 18. Vorchristlichen Jahrhundert ein eigenes Königreich gebildet gehabt, dessen Herrschaftsbereich seit dem 15. Jhd. V.Chr. ihr Ursprungsgebiet Babylonien mitumfaßt hatte. Das Zeitalter ihrer größten Machtentfaltung war das 8. Jhd.v.Chr. gewesen.
Ein damaszenischer Kaufmann namens Nasib, der wie mein früherer chaldäischer Begleiter Samsuiluna zeitweilig zu den Gästen meines medischen Gastgebers Nyxes zählt, hatte mir von Ekbatana aus seine Reisebegleitung in das obere Zweistromland, die Heimat seiner Frau Mira, angeboten.
Kein Tag unserer Reise verging, ohne daß er mir nicht mit warmen Worten die Pracht der einstigen assyrischen Hauptstadt Ninive zu rühmen gesucht hätte.
Zwar sei seine eigene Heimatstadt Damaskus vielleicht bis heute immer der bedeutendere Handelsplatz gewesen. Vergleichbare Bauwerke jedoch oder aber eine annähernd beeindruckende Skulptur-Kunst , wie sie die Assyrer in ihren einst blühenden Tigris-Metropolen entwickelt gehabt hätten, gäbe es in der um einiges weiter westlich am Fuße des Antilibanon gelegenen Hauptstadt des ebenfalls längst politisch nicht mehr selbständigen Syrien leider überhaupt nicht!
Denn die niederen Höhenzüge des oberen Zweistromlandes in der Umgebung Ninives bestünden aus gut abbaubaren Muschelkalk-Formationen und enthielten riesige Tonlager. Im nahen Eulassosgebirge ließen sich Marmor, Alabaster, Silber, Kupfer, Blei und Eisen gewinnen. Das habe die Assyrer zu allen Zeiten zu reich ausstaffierten architektonischen Leistungen angeregt..
Wie die Babylonier auch hätten sie ihre Tempel und Paläste bevorzugt auf künstlichen Bergen oder Terrassen angelegt. Die Gebäudekerne hätten sie aus Backstein und Balken gefertigt, dann jedoch die Wände mit großen Kalk- oder gar Alabaster-Platten verkleidet und diese wiederum mit großen Bildwerken und Inschriften bedeckt - letzteres in einem solchen Ausmaß, daß ihre Könige auf die Anlage der sonst üblichen Keilschrift-Tontafel-Archive verzichtet hätten. Geflügelte Stiere mit Menschenköpfen, Löwenkolosse und die verschiedensten Figuren von Göttern und Genien hätte die Eingänge ihrer Paläste und Tempel geschmückt.. Reich verzierte Hausgeräte aus Metall, Holz und Elfenbein hätten die Einrichtung ergänzt.
Grundlage des Reichtums der Assyrer sei zunächst einmal ihre eigene gewerbliche Produktion im Bereich von Gold- und Silberarbeiten, Glas- und Tonwaren und schließlich Teppichen und Webereien gewesen.
Ein zeitweilig riesiges Heer von Kriegssklaven habe die Produktivkraft der assyrischen Handwerker ergänzt.
Namentlich aber auf seine kunstvoll ziselierten und figurierten Waffen sei dieses Volk besonders stolz gewesen. Seine Kriegstaktik habe keinen Aufwand gescheut: Befestigte Lager, Einschließungswälle um belagerte feindliche Städte und der Einsatz von Belagerungsmaschinen seien häufig die Grundlagen des assyrischen Erfolges gewesen. Ihre anschließende Politik, die besiegten Einwohnerschaften ganzer Städte und Landstriche zu versklaven und zu deportieren, hatte die Assyrer zwar weiträumig verhaßt, aber auch jahrhundertelang nur schwer besiegbar gemacht.
Ninive sei nach Assur seit dem 8. Jhd. V.Chr. die zweite ihrer großen Hauptstädte gewesen.
Ihre Schutzbewehrung habe ein Areal von rund 27 maL 17 km umschlossen, deren 33 m hohe Mauern von insgesamt 1500 60 m hohen Türmen überragt und drei Wagen breit gewesen seien so erzähle man bis heute. Die assyrischen Könige seien als unumschränkte Herrscher unter dem unmittelbaren Schutz und im Auftrag ihrer wichtigsten Stadtgottheiten aufgetreten eine Mischung aus Priester- und Kriegerkönigen, die sich auf einen in eine straffe Rangordnung gepreßten Beamtenapparat gestützt hätten.
Was wir erblickten, als wir uns gebirgsabwärts der einst das östliche Tigrisufer schmückenden Stadt näherten, konnte einen weinen machen: Trümmer, so weit das Auge reichte, Trümmer, in denen sich seit nunmehr fast zwei Menschenaltern kein neues Leben mehr geregt hatte!
Die Zerstörung der Stadt 612 v.Chr. durch Meder und Babylonier war ganz offenbar von seltener Gründlichkeit gewesen. Streckenweise waren die Trümmerhaufen bereits so überwuchert, daß nichts mehr an ein einstiges Stadtgelände denke ließ.
Jenseits des Flusses freilich war ein neues Siedlungsgebilde von noch erst allzu bescheidener Größe am Entstehen: Mossul.
Hier kamen wir für die Nacht unter.
Die neuen chaldäischen Landesherrn hatten dem mehr als langsam aufstrebenden Ort bisher keinerlei Beachtung geschenkt. Die Bevölkerung war also assyrisch-ostsyrisch gemischt wie seit Urzeiten.
Ein wirklicher Anschluß an die altassyrische Handwerkskunst hatte sich noch nicht wieder so recht gewinnen lassen: Es fehlten die traditionellen Kriegssklaven und es fehlten die reichen Auftraggeber die Nachfragestituation also, wie sie nur eine Hauptstadt bietet.
In den Schluchten des nahegelegenen Eulassosgebirges hatte sich deshalb seit dem Untergang der Assyrerherrschaft ein ausgedehntes Bandenwesen gebildet.
Einer dieser Bandenführer, der uns Geleitschutz gewährt hatte, bis wir über den Fluß waren, war Nasibs Shwager der Bruder seiner Frau Mira: ein Mann um die 40 namens Salmanassar. Hart war seine Familie damals vor einem halben Jahrhundert der Zusammenbruch des asyrischen Reiches angekommen. Meistenteils Beamte oder Krieger, waren die meisten dieser Menschen seither sofern sie den Deporteuren der Bevölkerung Ninives hatten entkommen können - ohne materielle Existenzgrundlage.
Den Wechsel in Landwirtschaft, Gewerbe oder Handel hatten nur die wenigsten geschafft, manche ganz entschieden für sich abgelehnt.
Also erlegten sich nicht wenige der so Erwerbslos gewordenen auf die Räuberei- in der trotzigen Hoffnung, so könnten sie eines Tages den Kern eines Widerstandsheeres gegen ihre neuen Herren bilden. Flackernden Auges hatte uns Salmarnassar seine Kontakte namentlich mit den susanischen Persern in den leuchtendsten Farben ausgemalt. Ein gewisser Tarteios, Kaufmann seines Zeichens und ein fanatischer Mederhasser, sei sein dortiger Gewährsmann mit besten Kontakten zum persischen Hof in Fars.
Ohne Zweifel träumt dieser Salmarnasar glühend davon, eines Tages als Bündnispartner der weiter nach Mesopotanien vorstoßenden Perser seinem Volk eine neue Teilautonomie (= Teil-/Selbstbestimmungs- und Verwaltungsrecht) zurück erkämpfen zu können.
Naib und ich waren diesbezüglich gleichermaßen skeptisch.-Benjamin freilich, der Enkel meines samaritanischen Freundes, so erinnerte ich mich plötzlich - Benjamin hatte für die Zukunft des hebräischen Volkes ganz vergleichbare Hoffnungen geäußert!
In Nininve hat Nikotris sich übrigens auf ihre zeichnerischen Fähigkeiten besonnen. Du weißt, wie gut deine Cousine seit frühester Jugend mit Papyrus und Feder umzugehen weiß. Von den ungeheuren Schreckensvorstellungen, die der Anblick der so denkbar gründlich geschleiften Hauptstadt des einstigen Assyrerreiches in ihr geweckt hatte, konnte sie sich zeichnend offenbar am besten wieder ein wenig befreien.
Immer wieder kommt sie, die sonst so völlig Unbekümmerte, mit bohrenden Fragen zu mir, die sich um das Leben und Sterben ganzer Völker drehen. Und sie will mehr wissen über die dunklen Flecken in den doch allenthalben in der Regel als so großartig hingestellten Reichsbildungen der Völker.
Was hatte ihr ihr Babyloner Sterndeuter nicht alles vorzuschwärmen gewußt von der auf der Friedlichkeit der Chaldäer gegründeten neuen Blüte des gesamten Zweistromlandes, das den Völkerschaften in dieser Region mittels der Vorherrschaft über Phönikien auch weiterhin den Anschluß an die Mittelmeerwelt offenhalte. Und nun dieses Ninive: Zerstört, vergesssen, ohne lebendigen Anschluß an die südlicher gelegenen Haupthandelswege der Zeit!
Ihr junges begeisterungsfähiges Herz schlug natürlich uneingeschränkt für diesen tollkühnen Salmanassar und seine hochfliegenden Pläne.
In Damaskus einer der ältesten Handelsmetropolen des westlichen Vorderasien, in 690 m Höhe, am Fuße des Antilibanon am Barada gelegen, einem Fluß, der in mehreren Armen die Stadt durchströmt und stundenweit ausgedehnte Gärten und Felder bewässert, bevor er sich im Osten in einer Sumpflandschaft verliert nahmen wir Abschied von unserem Reisebegleiter Nasib.
Seit alters bildet diese Stadt den wichtigsten Stapelplatz des arabischen und babylonischen Handels mit Syrien und Palästina.
Als Hauptstadt Syriens, eines eigenstädigen aramäischen Königreiches, hatte s verschiedentlich Konflikte mit den südlich angrenzenden hebräischen Reichsbildungen seit dem 10. Jhd. V.Chr. zu bestreiten gehabt, dann aber seit 732 v.Chr. seine Selbständigkeit an die Assyrer eingebüßt, in deren Fußstapfen schließlich die Chaldäer seit Ende des 7. Jhds. getreten waren.
Die Stadt ist übrigens voll von nicht zuletzt auch phönizischen Kaufleuten, die entlang der schnurgeraden, ca. anderthalb Kilometer langen Hauptstraße offenbar regelmäßig ihre Geschäfte tätigen: Rosenöl, Seiden- und Damaststoffe und ziseliertes Metall sind ihre Haupteinkaufsgüter- neben der beeindruckenden Frühtevielfalt aus der wunderbaren Gartenlandschaft im Umfeld der Stadt.
Mit dem Glanz Babylons, ja selbst Ekbatanas oder auch des einstigen Ninive kann sich diese einzige größere aramäische Stadtbildung aber ganz offenbar nicht messen ein Stapelplatz eben, kein Kulturzentrum.
In Samaria nun haben wir eine noch um vieles bescheidenere Örtlichkeit vor uns: Kaum ein Vierteljahrhundert alt, hatte sie wirkliche Bedeutung nur zur Zeit des Reiches Israel als dessen Hauptstadt.
Seit ihrer Eroberung und Zerstörung durch die Assyrer im Jahre 722 v.Chr. hatte sich in ihren allmählich wieder aufgebauten Mauern und Straßenzügen eine im übrigen kanaanitischen Tiefland wenig geschätze hebräisch-assyrische Mischbevölkerung herausgebildet die im Großen und Ganzen ein recht bescheidenes Leben fristet.
Du weißt ja um meine Kontakte zu dem Samaritaner Ruben, der ein Vierteljahrhundert ist das nun schon her einen Sohn bei jenem unglücklichen Kampf um Jerusalem verlor, wie ich meinen Bruder Schepsi, Deinen Onkel.
Rubens Familie freilich hatte in allem Unglück noch mehr Glück als die Schwiegerfamilie Nasibs. Denn die Assyrer hatten einst im Anschluß an ihre auch Samaria gegenüber angewandte Demütigungspolitik auf einzelne mit den örtlichen Verhältnissen vertraute samaritanishe Beamte zurückgegriffen, um die Verwaltung des Gebietes wiederzubeleben. Zu ihnen hatte auch Rubens Familie gehört, die sich erfolgreich vor den assyrischen Sklavenhäschern hatte verstecken können
Mehr als anderthalb Jahrhunderte lang ist die hebräische BeVölkerung der samaritanischen Region nun einer inneren Zerreißprobe ausgesetzt: Heiraten zwischen Assyreren und Hebräern sind mit der Zeit immer häufiger und selbstverständlicher geworden. Darüber sind die Menschen in Streit geraten. Denn besonders die Judaer des Südreiches zollten, solange dieses seinerseits Bestand hatte (bis587 v,Chr. also) nur denen unter ihnen auch weiterhin Achtung, die der allmählichen Vermischung mit Ungläubigen standzuhalten wußten. Auch Rubens Familie ist von dieser Zerreißprobe nicht verschont geblieben. Rubens hitziger Enkel Benjamin, ein Kaufmann wie Du, hat die Kontakte zu seinem Ersatz-Elterhaus momentan abgebrochen,, wie ich erst gestern erfahren habe, weil seine Schwester Rebecca mit Rubens Einverständnis einen assyrischen Beamtensohn namens Sanherib heiraten durfte einen jungen Mann mit ersten kaufmännischen Erfahrungen übrigens.
Ruben und seine Frau Sarah kennen jedoch das aufbrausende, zugleich aber unendlich anhängliche Herz ihre Enkels zu gut, als daß sie fürchten müßten, der Junge habe nun in der Tat endgültig mit seiner Familie gebrochen. In einem langen schweren Leben haben sie beide Geduld gelernt, und sie wissen, zu welchen oft ein wenig verirrten Reaktionen die Menschen neigen, wenn sie etwas über ihre augenblicklichen Kräfte hinaus schmerzt. Beide tragn die Ablehnung, die ihnen Benjamin anläßlich ihrer Zustimmung zur Heirat seiner Schwester entgegengeschleudert hat, um seit nunmehr 4 Monaten kein Lebenszeichen von sich zu geben, mit einer mich täglich von neuem beeindruckenden liebevollen Gelassenheit.
Rebecca ist, wie ich erfahre, glücklich mit Sanherib und bereits guter Hoffnung:
Der junge Assyrer hat sich, wie nicht wenige seiner Landsleute auch zum jahwitischen Glauben zu wenden begonnen, aber er ist kein sonderlich religiöser Mensch. Ruben ist es zufrieden. Wo ein Volk nicht das Glück habe, über einen seiner ureigenen Religion gemäß3n Staat verfügen zu können, da dürfe es sich schon glücklich schätzen, wenn zumindest ein wenig von seinem traditionellen Glauben über eine bunter als sonst geknüpfte Generationenkette an die Nachfahren gelange. Hier komme alles darauf an, das Mögliche zu befördern.
In wenige Tagen werden Ruben und ich eine Pilgerfahrt nach Jerusalem an die Gräber unserer Gefallenen machen.
Danach will ich nah Tyros, um mich von dort nach Zypern zu Dir, mein Sohn, einzuschiffen.
Mitte Januar etwa denke ich in Kition anzulegen.
Mehr als drei Jahre ist es nun schon her, daß wir einander das letzte Mal in den Armen lagen. Seit dem Tod Deiner Mutter hast Du mir manchmal über die Maßen gefehlt. Ein noch so vertrautes Leben an der Seite von Schwägerin und Enkeln Kann uns die liebsten Menschen eben doch dauerhaft nicht ersetzen. So freuen ich mich denn unendlich, Dich in etwa anderthalb Monaten wieder einmal umarmen zu dürfen Dich und Deine Frau Teja und euren kleinen Schepsi natürlich!
Bis dahin sei ungeduldigen Herzens gegrüßt!
Isis, die Kinder- und Menschenfreundliche, möge über Euch wachen!
Dein Vater