1.5.a-MITTELMEERRAUM um 560 v.chr.
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1.5.b3-fiktiver reisebrief-aus ekbatana an snofrunefer nach theben
1.5.b2 fiktiver reisebrief:
´REISENDER ÄGYPTER HESI´AUS BABYLON AN TEJE NACH SAIS
Hesi war seit Beginn der Regentschaft Pharao Amasis (569-525 v. Chr.) zum Schreiber im Amt des Wesirs aufgerückt gewesen und dort im Besonderen dessen Adjutanten Teje zugeteilt worden. Darüber war mit den Jahren eine Freundschaft zwischen den beiden entstanden.
Teje, der immerhin um 20 Jahre Jüngere, hatte in Hesi einen väterlichen Feund gesucht und gefunden, hatte er doch erst wenige Jahre zuvor eden Tod seines Vaters beim Kampf um die griechische Handelskolonie Kyrene, westlich des Nildeltas, zu beklagen gehabt.
Leider hatte Teje beim Wesir vergeblich um Urlaub nachgesucht, um Hesi begleiten zu können: Im Augenblick bestand nach allgemeiner Einschätzung durch die Saiter Hofbeamtenschaft für die pharaonische Außenpolitik kein Bedarf nach ausgedehnteren diplomatischen Bemühungen.
Babylon, den 23.9. 561
Mein lieber Feund,
da bin ich nun nach teilweise stürmischer, manchmal nicht enden wollender Seereise endlich an jenem Punkt unseres Lebenshorizontes angekommen, dem mein erstes näheres Interesse gelten soll, in Babylon!
Das Zweistromland, in dessen Herzen es anden Ufern des Euphrat liegt, bildet eine nach Süden hin sich abflachende Ebene. Von der Mündung an aufwärts habe ich mich, wie Du ja weißt, in die Region eingeschifft. Die in nordöstlicher Flucht hoch aufragenden Gebirgszüge des Eulalosgebirges sind teilweise bewaldet. Wilde Esel, Fazellen und Löwen findet man dort zuhauf, wie man mir erzählt hat. Unbewaffnet darf man hier also wohl nicht so ohne weiteres in die Berge gehen. In den Ebenen selbst begegnen dem REISenden besonders im Grenzbereich zur arabischen Wüste nicht selten Strauße - wie Du ja weißt, etwas klobig wirkende, aber ungeheuer laufstarke Großvögel: Straußenrennen ghören hier zur beliebtesten Freizeitbeschäftigung.
Und Babylon selbst? Der Name allein hat etwas Ehrfurchtgebietendes: ´Pforte Gottes´ soll er bdeuten.
Die Stadt ist uralt, sie stammt den ältesten Keilschrift-Funden zufolge mindestens aus dem 23. vorchristlichen Jahrhundert. Seit rund 35 Jahren hat sie ein ganz neues Gesicht erhalten: Der im vergangenen Jahr verstorbene Könige Nebukadnezar II. (604-562v.Chr.) hatte nach der endgültigen Niedeschlagung der Assyrerherrschaft eine gewaltige Aufbauleistung zu bewältige gehabt:
Der jahrhundertelange Machtkampf zwischen Assyeren und Babyloniern hatte nämlich vor mittlerweile mehr als einem Jahrhundert (689 v.Chr.) unter dem Assyrer Sanherib (704-681 v.Chr.) seinen grausamen Höhepunkt gefunden: die gndenlose Zerstörung der Stadt!
Den selbstbestimmungs-versessenen Chaldäern sollte endlich Einhalt geboten werden: Lange hatte die einst strahlende Metropole jämmerlich darniedergelegen.
Nun aber sucht ihre Pracht selbst in Ägypten ihresgleichen. Zusammen mit der Schwesterstadt Borsippa erstreckt sich das Stadtgebiet in Form eines Vierecks - mit rund 120 Stadien (=22 km) langen Seiten! - Über beide Ufer des Euphrat. Mit dieser Grundfläche von mehr als 490 qkm übertrifft es wohl alle Städte der uns bekannten Welt!
Eine 200 Ellen (ca. 120 m) hohe und 50 Ellen dicke Mauer mit 100 ehernen Toren umgibt dieses Stadtgeviert - und eine innere Mauer rechts und links des Euphrat schützt sie gegen den Fluß hin. Über diesen findet sich als architektonischs Meisterwerk eine steinerne Brücke geschlagen. Das inner Stadtbild ist von lauter geraden Straßen mit in der Regel drei- bis vierstöckigen Häusern bestimmt und voll buntesten Lebens. Am linken Euphratufer wird dieses Babylon von der noch einmal stark bewehrten Königsburg überragt - ein Palast von unvergleichlicher Pracht! Das westliche rechte Euphratufer trägt ein Bauwerk von so ungeheuren Ausmaßen, daß sebst mein an den ägyptischen Monumentalbauten trefflic geschuler Blick noch nach Tagen daran nicht zur Ruhe kommt: das Heiligtum Bels - gemauert iu ein Viereck von je 600 Ellen (ca. 360 m) Seitenlänge, in das wiederum eherne Tore den freien Zutritt versperren. Daraus erhebt sich ein gewaltiger Turm: Seine Basis - eine riesige Rotunde von rund 300 Ellen (va. 180 m)Durchmesser und wohl ebensolcher Höhe! Und dann auf dieser - sage und schreibe acht weitere Türme, nach oben zu jeweils zurückgenommenen Durchmessers von noch einmal zusammern rund 80 Ellen Höhe! Ein ganz unglaubliche Bauwerk!!! Eine Wendeltreppe schraubt sich von außen herum andiesen Türmen in die Höhe bis zum obersten Stockwerk, das den eigenlichen Tempel enthält. Es dient nicht zuletzt auch astronomischen Beobachtungen, was Dich nicht verwundern wird, wenn Du Dich an die gelegentlichen Berichteunseres gemeinsamen FreundesSnofrunefer über seine Kontakte mit er cahldäischen Priesterschaft erinnerst - Kontakte, die unsere Ammun-Priesterschaft ja wohl schon seit mehr als 500 Jahren mit den chaldäischen Sterndeutern unterhält.
Eine von beeindrückenden Bauten und beiderseits mit den prächtigsten Statuen geschmückte Prozessionsstraße verbindet das bdeutendste der unter Nebukadnezar wieder errichteten Stadttore, das Ischtartor, mit diesem ungewöhnlichsten aller Bauwerke, von denen ich je gelesen habe. Wer immer diesen Weg auf das Heiligtum dieses Bel-Jupiter zu wählt, vermag sich des Eindrucks nicht zu erwehren, daß hier eine den Menschen sehr fern, j,eine in ihrer unendlichen Erhabenheit die Herzen der Menschen mit eigenartiger Kälte erfassende Gottheit angebetet wird. Hier scheint man den ach so fernen Himmel erstürmen zu wollen.
Und das mit Ziegelerde und Erdherzmörtel!
Du weißt wie ich, daß der Götterhimmel derBabylonier vielfältiger ist, als es dieser eigentümliche Kultbau Nebukadnezars lehrt. Es sind hier äußerst unterhaltsame Göttermythen zu bestaunen. Nirgends jedoch sind sie mit vergleichbarem Anspruch ud Ausdruck Stein geworden wie hier.
Überhaupt irritiert es mich etwas, in welchem Maße die Babylonier an all diesen Göttern in erster Linie deren Schicksalsmächtigkeit wie fast mehr noch diejenige ungezählter Dämonen interessiert.
Nirgendwo inunserm alten Ägypten ist der Glaube an unheilvolle Einfllüsse so weit verbreitet wie hier. Entsprechend ist unsere Prieserschaft auch nur vielleicht gerade einmal alb so groß wie die hiesige. Naja, die Babylonier sind reich. Siekönnen sich diese Unmenge von Stern- und Traumdeutern, von Vogel- und Leberbeschauer, Wahrsagern, Zauberern und Totenbeschwörern leisten, die hier an jeder Straßenecke ihre allenthalben ständig nachgefragten Dienste anbieten! Von hier aus liegt über der ganzen Stadt dauernd eine leicht knisternde Atmisphäre, in der ich mich, glaube ich, auf die Dauer nicht wohlfühlen könnte. Nikotris ist dagegen wie elektrisiert und überdies verliebt.
Noch eine unter Nebukadnezar II. errichtete Anlage zieht - fast mehr noch als die anderen - jeden Bsucher in ihren Bann: die ´Hängenden Gärten der Semiramis´. Ein riesiges Areal sich verjüngender Terassen, die zu schweben scheinen. Sie sind vonso phantasievoller Schönheit, daß jeder, der sich in ihnen zu ergehen Gelegenheit findet, ie oft bedrängenden Schrecken dieser Welt von sich abfallen fühlt. Die beeindruckende wie ein wenig erschreckende Trutzarchitektur dieser Riesenstadt ist vor meinem inneren Auge wie ausgelöscht, sobald ich hier jahreszeitgemäß schon am frühen Nachmittag ein weng Erholung von all der bunten und lauten Vielfalt dieser Riesenstadt suche.
Nikotris kommt sogar noch öfter hierher als ich. Sie hat schon am zweiten Tag einen jungen Babyloner kennengelernt, der es ihr angetan hat. Ein junger Astrologe übrigens, der mit seinem Wissen überden Sternenhimmel bei dem Mädchen Eindruck zu schinden weiß. Die beiden flirten so heftig miteinander, daß ich alle Zeit der<Welt habe, mich um möglichst informative Bekanntschaften zu kümmern.
Du brennst sicher schon darauf, zu erfahren, wie sich mir die innere Verfassung dieses gerade mal seit einem halben Jahrhundert etablierten Neubabylonischen Reiches unter Nebkadnezars Sohn und Nachfolger Evil-Merodach (auch Avil-Marduk (561-560 v.Chr.)) in diesen Tagen darstellt.
Er gilt als schwach, man munkelt von Intrigen seines Schwagers, der ihn vom Thron drängen möchte. Der traditionell einflußreichen Marduk-Priesterschaft ist das nur recht. In dem ewigen Rivalitätsspiel zwischen Priestern und Königen (an dem dasWohl und Wehe vermutlich der meisten Völker im Guten wie im Verhängnisvollen ja allem Anschein nach immer wieder hängt) scheint den Chaldäern eine Zeit bevorzustehen, in der die Priester über Krieg und Frieden noch mehr als sonst das letzte Wort zu sprechen haben.
Zu was sie ihrem Volk raten werden, wenn die im Osten erstarkenden Iranier sich eines Tages entschließen sollten, Anschluß an die sich schon seit geraumer Zeit immer weiter nach Westen verschiebenden Handelszentren der Mittelmeerwelt gewinnen zu wollen? - Ich kann es Dir nicht so recht sagen.
Mein Kontakt mit einem der Briefpartner Snofrunefers, dem Marduk-Priester Jakin, einem bereits äußerst betagten, allerdings geistig noch sehr lebendigen Greis, hat nur erbracht, daß auch die babylonische Priesterschaft selbstredend nicht einheitlich denkt.
Bewußt ist ihnen allen, daß die jüngere der babylonischen Reichsbildungen im Zweistromland sich zwar jahrhundertelangen, auch bewaffneten Auseinandersetzungen mit der Assyrerherrschaft, namentlich im babylonischen Raum selbst, verdankte, daß aber das Kriegführen keineswegs zu den besonderen Stärken des chaldäischen Volkes gehört.
Bewußt ist ihnen nicht minder, daß dieses Volk keineswegs die Mehrheit der Bewohner ihresReiches bildet. Neben vielen Sklaven siedelt hier nach jahrtausende währenden Völkerbewegungen ins Zweistromland hinein das wohl bunteste Völkergemisch der Welt.
Werden sie alle sich dem Führungsanspruch der Chaldäer auf Dauer wirkich immer raglos beugen? Man darf daran zweifeln.
Und die chaldäichen Sterndeuter sind nicht selten die Ersten und Entschiedensten, die das tun. Wie man sich jedoch dem früher oder später mit Gewißheit anstehenden und im Laufe der Gestirne längst vorgezeichneten, wenn auch nicht so ohne weiteres zweifelsfrei erschließbaren, Untergang eines Tages mit Würde zu stellen haben werde, darüber liegen gleich mehrere Fraktionen der babylonischen Pristerschaft miteinander im Streit:
Wie soll man die verbleibende Zeit nutzen - die einen sprechen da von nur mehr fünf Jahren Frist, andere nehmen nch dreißig ud mehr Jahre an, die die chaldäische Herrschaft sich halten könne? - Wäre es nicht sinnlos, sich militärisch-offensiv gegen einen Untergang wehren zu wollen, dem man doch nicht entgehen könne? Würde man ihn auf diese Weise nicht vielleicht sogar früher heraufbeschwören, als unbedingt erforderlich? Der Rivale des derzeitigen Königs träume von solchen offensiven Vorbeugungskriegen. Das aber sei keineswegs chaldäischer Stil, behauptet Jakins Ausführungen zufolge bis zur Stunde offenbar die Mehrheit der Proesterschaft!
Schließlich habe man schon unter Nebukadnezar auf defensive Formen der Selbstbehauptung gesetzt: Nicht nur Babylon selbst weise über die Maßen befestigtes real von kaum irgendwo sonst antzutreffender Größe auf. Die ´Medische Mauer´sei ebenfalls der Überlegung entsprungen, allenfalls mit entschieden defensiven Mitteln auf äußere Bedrohungen antworten zu wollen. Sollte man an dergleichen Maßnahmen nicht weiterarbeiten, sich aber ansonsten jenen Lebensweisen zuwenden, die Babylon zur gewiß beeindruckendsten der Städte der dem Mittelmeer zugewandten Welt gemacht hatt - solange es der Stadt eben beschieden wäre?
Du siehst: eine für dauerhafte Stabilität im Vorderen Orient sorgende Politik ist von diesem Sterndeutervolk wohl kaum an federführender Stelle zuerwarten. Alles hängt wohl, so wird mir immer deutlicher, von der Entwicklung der Lebensverhältnisse unter den Iraniern ab.
Militärisch sind sie dn Chaldäern gewiß überlegen, sollten sie wirklich eines Tages zur Eroberung der westlich des iranischen Hochlandes gelegenen Reichsbildungen antreten.
Eroberungen hatten zwar einst auch an deren Ausgangspunkt gestanden. Aber das war nicht selten lange her. Ihr geographischer Standort verschaffe ihnen derzeit einen so problemlosen ZUgang zu den Wirtschaftswegen der Mittelmeerwelt, daß se alle mehr nach Westen als nach Osten shauten und auch untereinander keine größeren Rivalitäten auszukämpfen hätten, meint Jakin.
Einem aus sich heraus stark gewordenen Gegner, der Anteil einfordern würde an der irtschaftswelt des Mittelmeeres, würden sie wohl alle nicht standhalten können. Diesem Gegner, so sieht es Jakin, stehee mit dem iranischen Hochland immerhin schon heute ein so riesiges Wirtschaftsgebiet zur Verfügung - mit Anschluß an eine weitere, staunenswerte Hochkultur auf dem südöstlich gelegenen indischen Subkontinent - , daß hier im Osten Mesopotamiens ein politisches Kraftfeld im Entstehen sei, das oft schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit an unsere Art zu leben und zu denken heranzuführen gewußt. Unsere Eigenart haben wir nie aufzugeben gebraucht.
Wenn es denn tatsöchlich so kommen sollte, daß diese Iranier die östliche MIttelmeerwelt eines Tages gänzlich in ihren Bann ziehen, wird für uns alles davon abhängen, mit was für einer Kultur wir es da zu tun bekommen werden.
Du weißt ja, meine Art vorauszuschauen, ist wesentlich irdischer als die der Babylonier. Es sind die Menschen und ihre Hervorbringungen und Taten, an denen ein Stück jener Zukunft für mich greifbar wird, die uns vielleicht alle erwartet. Der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen, der natürlich auch vor den politischen Reichsbildungen der Menschen nicht haltmacht, hat uns Ägypter ja noch nie im letzten geschreckt. Aber wir wissen, wie wohl alle anderen Völker auch, gern möglichst genau, was uns unter Umständen erwartet, damit wir uns, wo erforderlich, innerlich wappnen können.
Und so breche ich denn voll vieler neuer Fragen, gleichermaßen unruhig und neugierig geworden, in den nächsten Tagen nach Ekbatan, der Hauptstadt des hier so gefürchteten Mederreiches auf.
Ich werde mich einer Handelskarawane anschließen, die ins ferne Baktrien will, und den uralten Handelsweg vom Kreuzungspunkt Babylon aus über Ekbatana und Hekatompolis nach Merv nimmt.
Die caldäischen Händler haben allenthalben geschätzte Webereien und Teppiche geladen. Als besonders begehrtes Gut führen sie wohlriechende Wasser und Naphtha, ein ätherisches Öl, mit sich. Goldschmiede-Arbeiten, zierlich geschnitzte Handstöcke ud vorzüglich geschnittene Steine ergänzen zusammen Amom, einem pfefferartigen Gewürz, das Sortiment. Auch fungieren sie als Zwischenhändler für nicht wenige arabische Waren. Neben dem arawanenhandel blüht ein lebhafter Seehandel mit Indien - er wiederum liegt meist in arabischen Händen.
Schon immer hat die Lage der Stadt an einem der wichtigsten Handelsknotenpunkte unserer alten Welt den Gewerbefleiß der Babylonier mit beflügelt.
So setzen traditioneller Kunstfleiß, ein ausgedehnter Handel und ein Landbau auf der Grundlage eine ausgefeilten Bewässerungstechnik die Menschen hier in einen Reichtum, den man selten sonst vermutlich in dieser Häufung findet.
In vielen der ärmeren Völker der Region gilt Babylon deshalb erher <als verrufen, weil im Wohlleben versinkend. Namentlich Benjamin neulich, den Du ja auch kennengelernt hast, führte ständig die Floskel von der ´Hure Babylon´im Munde, wenn er auf die Schänder seines Volkes zu sprechen kam. Ich für meinen Teil kann den Wohlstand und die Lebensfreude der Menschen hier keineswegs irgendwie schlimm finden. Natürlich wissen sich die chaldäischen Landesherrn vielerlei Vorteile vor ihren nicht-chaldäischen Landsleuten zu sichern. Das führt auch immer wieder zu großen Spannungen. Aber insgesamt geht es hier einer letzlich wohl größeren Zahl von Menschen wirtschaftlich besser als in unserem traditionsreichen und gegenwärtig wieder einmal recht ordentlich blühenden Ägypten.
Der Teil der Welt, der sich in dieser Stadt vor meinen Augen ausbreitet, ist jedenfalls so voller Leben und Farbe, daß ich mich wenigstens im Augenblick noch keinen Tag in mein geruhsames, dem Kreislauf der Jahreszeiten hingegebenes Ägypten zurückgesehnt habe.
Nimm das nicht als Affront. Wäre meine Neugier nicht stärker als mein Heimweh, wäre ich für mein Unternehmen der falsche Mann. Nikotris wird der Absched von ihrem Sterndeuter sicher nicht ganz leicht fallen. Ich bin mir da gar nicht so ganz sicher, daß ich sie unverheiratet an den Nil zurückbringen werde. Auch gut. Für den Augenblick überwiegt freilich wohl noch ihre Reiselust den Abschiedsschmerz, der sie heute morgen etwas düster hat in die Welt schauen lassen.
So sei mir für dieses Mal ganz herlich gegrüßt!
Ich lasse wieder von mir hören.
Dein Hesi