1.4.a-ALTÄGYPTEN-um 1250 v.chr.
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1.6.a-ANTIKE-um 375 n.chr.
//´Geschichte von innen´: 1.5.a ANTIKE HOCHKULTUREN 3 -
ANTIKE um 560 v. Chr.
DER RAUM, SEINE VÖLKER UND KULTUREN
Die Völker der Mittelmeerwelt und der geographisch-kulturelle Horizont, in dem sie leben:
2. IM BEREICH DER PYRENNÄENHALBINSEL
3. IM BEREICH DER APPENNINNENHALBINSEL
4. IM BEREICH DER BALKAN-HALBINSEL
5. IM BEREICH KLEINASIENS/DER NÖRDLICHEN LEVANTE
6. IM BEREICH DER SÜDLICHEN LEVANTE UND MESOPOTAMIENS
7. IM BEREICH DES IRANISCHEN HOCHLANDES
8. IM BREICH NORDAFRIKAS ZWISCHEN NILREICH UND KARTHAGO
1. ALLGEMEINES ZUM INDOGERMANISCHEN EURASIEN
Ihr lebt um das Jahr 560 v. Chr..
Die Welt Eures Gesichtskreises setzt sich aus den Landschaften und Völkern des gesamten Mittelmeerraumes zusammen, die mit weiten Bereichen Zentral-Asiens in vielfältiger Beziehung stehen.
Seit rund 2000 v.Chr., mehr als anderthalb Jahrtausende vor Eurer Lebenszeit also, sind es vorwiegend Indogermanen, die diesen Teil des Erdballs bewohnen: Nahrzu alle Völker Eures Gesichtskreises sprechen verwandte Sprachen.
Bevor Euer aller Vorfahren sich über ganz Eurasien, also fast anderthalb Erdteile, ausgebreitet haben, waren sie im Gebiet zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer bis hinüber in den nördlichen Balkan zuhause gewesen.
Gelebt hatten sie vor allem von der Viehzucht und von handwerklichen Betätigungen im Bereich der Töpferei und der Metallverarbeitung.
Im Zentrum ihrer viehzüchterischen Aktivitäten hatte das Pferd gestanden. Durch die Erfindung der Metalltrense hatten sie schließlich große Überlegenheit über die Völkerschaften ihrer Umgebung gewonnen und ihr Verbreitungsgebiet ständig zu erweitern gewußt.
Da ihr ursprünglicher Siedlungsraum an der Grenze zwischen eurasischer Waldzone und zentralasiatischer Steppenzone gelegen hatte, hatte zwischen den verschiedenen Völkerschaften dieser Regionen reichlicher Anlaß zu Verteilungskämpfen bestanden: Die verschiedenen Stammes- und Sippenverbände holten sich, was sie nicht selbst zu erzeugen und zu erhandeln vermochten, durch Raub.
Das hatte dazu geführt, daß das Überleben Eurer Vorfahren nicht mehr von den ältesten Clanmüttern bestimmt wurde, von deren Organisationstalent ihr Leben bis dahin entscheidend abgehangen hatte: von der weitsichtigen, große Kenntnisse erfordernden Zubereitung von Nahrung, Kleidung und Wohnung nämlich, während die Männer auf der Jagd waren; und von ihrem von Generation zu Generation erworbenen und weitergegebenen medizinischen Wissen und von ihrem Organisationstalent für eine weitsichtige Vorratswirtschaft.
Die Herrschaft war mittlerweile auf die Clanväter übergegangen, da nun die Schutzaufgaben entscheidende Bedeutung gewonnen hatten: wenn die Stammesgemeinschaft um soviel mehr Nahrungs- und Gebrauchsgüter hervorbringen wollte, daß sie den Teil ihrer Leute mitversorgen konnte, der sich nun für den Schutz der Gemeinschaft besonders auszubilden begann, mußte die Arbeit zwischen allen insgesamt neu und komplizierter als bisher neu aufgeteilt werden.
So war in allen indogermanischen Völkerschaften im 2. Vorchristlichen Jahrhundert eine neue gesellschaftliche Führungsgruppe entstanden, die von den anderen mitversorgt wurde und ihr neu erworbenes politisch-militärisches Organisationswissen jeweils vom Vater auf den Sohn weitergab - also einen in sich abgeschlossenen Stand zu bilden begonnen hatte: den Reiteradel.
Dieser Reiteradel bildete nun jeweils die Spitze der großen Clanverbände und ordnete das Leben aller Clan-Mitglieder.
In manchen Eurer Mythen (=Welterklärungs-Erzählungen) bewahrt Ihr allerdings bis auf Eure Tage noch kleine Erinnerungsreste daran, daß es in grauen Vorzeiten einmal die Mütter gewesen waren, die Eurem Zusammenleben seine Ordnung gegeben hatten.
Manche von Euch trauern diesen gänzlich anderen Lebensweisen ein wenig nach. Die meisten aber sind von den übergroßen Vorteilen überzeugt, die die neue Arbeitsteilung zwischen Hauswirtschaft und Politik Euch allen bringt.
Wenn nun Eure Heeres- und Ratsversammlungen die Ordnungen prägen, in denen Ihr zu leben habt und Euer Überleben sichern und ausgestalten könnt, und nicht mehr die Versammlungen Eurer Clanmütter, so stören sich auch Eure Frauen in der Regel nicht besonders daran, daß die gesellschaftliche Führungsrolle nicht mehr bei ihnen, sondern bei Euren Männern liegt.
Denn ihre nach wie vor außerordentlich umfangreichen häuslichen Aufgaben, die für Euch alle schließlich nicht minder überlebenswichtig sind als die neu hinzugekommenen militärischen und politischen, verdienen und erfordern inzwischen eher noch mehr Engagement und Organisationstalent als zu den Zeiten, in denen Eure Vorfahren noch vom Jagen und Sammeln lebten.
Nicht jede der indogermanischen Völkerschaften, die in Eurer Zeit Eurasien bewohnen bzw. untereinander um eine Ausbreitung oder Verschiebung ihrer Lebensräume kämpfen, hat unmittelbaren Einfluß auf die vielfarbige hochkulturelle Entwicklung, die der gesamte Mittelmeerraum spätestens seit der Wende vom 2. Zum 1. Jahrtausend vor Christus genommen hat.
Nun - im 6. Jhd. V.Chr.. - setzen vor allem folgende indogermanische Völker die entscheidenden Akzente für alle die im unmittelbaren Mitelmeerraum leben:
Iranier - Meder und Perser
Griechen
Etrusker
Römer
Im Südosten Eures Gesichtskreises habt Ihr noch mit einer weiteren Völkergruppe zu tun, mit den Semiten.
Auch sie sprechen jeweils verwandte Sprachen.
Es handelt sich hierbei um Völker, die seit ca. 3500 v.Chr. aus den Wüsten Arabiens gegen die frühesten Kulturen an Nil und Euphrat vorgedrungen waren:
Also die Akkader, die Sumer erobert hatten, abgelöst von den Assysrern und den Babyloniern; die Ägypter, Elamiter, Aramäer, Hebräer, Phönikier und Araber.
Nun - im 6. Jhd. V.Chr. - setzen vor allem die folgenden semitischen Völker mitentscheidende Akzente für alle, die im Mittelmeerraum leben:
Phönikier
Neubabylonier.
Die Völker der Mittelmeerwelt und der geographisch-kulturelle Horizont, in dem sie leben:
2. IM BEREICH DER PYRENNÄENHALBINSEL
Sie bildet die Begrenzung Eures Gesichtskreises im nordwestlichen Mittelmeerraum.
Hier wohnen in weiträumiger Zersplitterung (wie auch in Südfrankreich und im nordwestlichen Afrika) seit alters die Iberer.
Rund 400 Jahre vor Eurer Lebenszeit haben erst Phönikier, das wichtigste Seehandelsvolk Eurer Welt seit mehr als einen halben Jahrhundert, dann Mykener, das seit der Jahrtausendwende beherrschende Volk der Balkanhalbinsel, an der Ostküste der Pyrenäeenhalbinsel Handelskolonien gegründet.
Seit einigen Jahrzehnten strömen keltische Stämme von Norden her in diese Halbinsel ein , setzen sich vor llem im Norden und Westen durch und beginnen sich auf der restlichen Halbinsel mit den Iberern zu vermischen.
Beständige Fehden aller gegen alle bestimmen weitenteils das Leben auf dieser westlichsten der drei, letztlich sogar vier großen Mittelmeerhalbinseln.
3. IM BEREICH DER APPENNINNENHALBINSEL:
Sie ist die beherrschende Halbinsel des westlichen Mittelmeeres - das spätere Italien.
Hier leben seit dem 2. vorchristlichen Jahrtausend die ITALIKER - ackerbauende und viehzüchtende Stämme mit bescheidenen handwerklichen Aktivitäten auf seit ca. 1000 v.Chr. eisenzeitlichem Niveau:
Ihre kleinste, aber kraftvollste Stammesgruppe: die Italo-Falisker oder LATINER, die unmittelbar um die Tibermündung, im Umfeld des späteren Roms, siedeln.
Die die übrige westliche Stiefelhälfte besiedelnde Stammesgruppe der UMBRO-SABELLER, als deren am günstigsten plazierter sich der Stamm der Sabiner erweisen soll: sie siedeln in unmittelbarer Nachbarschaft der Latiner tiberaufwärts.
Schließlich die Stammesgruppe, die die östliche Stiefelhälfte besiedelt: die ILLYRER.
Hier leben außerdem seit der Jahrtausendwende PHÖNIKIER. Sie unterhalten hier nicht anders als auf der iberische Halbinsel Handelskolonien. Ihr Einfluß auf die Entwicklung der italischen Stämme bleibt jedoch seltsamerweise viel geringer als der der griechischen Landnehmer seit ca. 750 v.Chr..
Bedeutendste politische und kulturelle Kraft auf der Appeninnenhalbinsel sind jedoch vorerst die ETRUSKER:
Sie haben zunächst vom Meer aus das metallreiche Gebiet zwischen Tiber und Arno unterworfen und die Italiker mit der Errichtung von Städten in ihren Bann gezogen.
Vor allem die offenbar von den kleinasiatischen Griechen übernommene Fresco-Malerei macht die etruskischen Städte bald weithin berühmt.
Zwischen dem 9. Und dem 6. Jhd. V.Chr. machten diese Städte eine kulturelle Entwicklung durch, die den Etruskern in immer größeren Teilen der Halbinsel die Vorherrschaft einbrachte.
Denn die Mischung von griechischer und orientalischer Handwerks- und Organisationskunst, mit der sie ihr Leben wirtschaftlich, politisch und religiös zu gestalten wissen, macht sie sowohl den alteingesessenen Italikern als auch den Phönikiern weit überlegen.
Schließlich bildeten um 600 v.Chr. 12 etruskische Stadtkönige nach kleinasiatisch-ionischem Vorbild (die Ionier sind einer der drei großen grichischen Stämme, die nach langen Wanderungen zu großen Teilen auch an der Westküste Kleinasiens seßhaft geworden waren) einen Städtebund, dessen Macht in Euren Tagen ständig nach Norden und Süden ausgedehnt wird.
Vom stäteren Bologna aus betreiben diese Städte einen ausgedehnten Landhandel nach Nord- und Mitteleuropa.
Dessen Basis bildet eine hochentwickelte Metall-, Töpfer- sowie ihre Porträt-Kunst. Besonders begehrt sind Aschenurnen mit Deckeln in Form menschlicher Köpfe.
Und: sie kämpfen mit den Griechen während der vor Euch liegenden 20 Jahre um ein Stück Vorherrschaft im westlichen Mittelmeer.
Der Organisiertheit ihres Lebens entspricht eine offenbar hoch entwickelte Religiösität:
In deren Zentrum steht einerseits ein ausgeprägter Totenkult - mit Opferfeiern, Toten- bzw. Gladiatoren-Spielen und Totenstädten aus festen Gräbern oder Grabhügeln.
Das läßt eine Deutung des Zusammenspiels von Tod und Leben sichtbar werden, die den entsprechenden Schwerpunktsetzungen der alten Ägypter verwandt ist, die bis heute den südöstlichen Rand des Mittelmeeres bewohnen.
Ihr Leben suchen diese Etrusker nach dem Willen ihrer Götter auszurichten. - Ihn zu erforschen unternehmen sie große Anstrengungen: Ihre Priester betreiben eine hoch entwickelte Kunst der Leber- und Eingeweideschau und der Beobachtung des Vogelflugs und haben dadurch großen Einfluß auf sämtliche wirtschaftlichen, politischen und militärischen Unternehmungen.
Im Süden und Südwesten der stiefelförmigen Halbinsel haben seit knapp 200 Jahren vor Eurer Lebenszeit die GRIECHEN Kolonien gegründet.
Ihre wichtigste, von Chalkis auf Euböa ausgehende: Kyme, lateinisch: Cumae.
Von hier aus werden die Griechen im Verein mit den Römern im 5. Jhd. V.Chr. von Süden her das Ihre zum Verfall der etruskischen Macht in Italien beitragen.
Von den chalkidischen Cumäern werden die Römer das Alphabeth übernehmen.
Die Griechen nennen ihre Strädte Poleis, Einzahl: Polis.
Es sind jeweils politisch in sich völlig selbständige, räumlich aber bewußt begrenzte Gebiere mit einem städtischen Kern.
In diesem städtischen Kern lassen sich wirtschaftliche, politische und religiöse Gemeinschaftsangelegenheiten besonders gut organisieren.
Zwischen den einzelnen Griechenstädten in Italien gibt es Austausch und Rivalität, aber keinen alle zusammenschließenden politischen Verband.
IM GEBIET DER TIBERMÜNDUNG, also dort, wo der etruskische Städtebund seine südlichste Ausdehnung erreicht, hat es in der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts eine STADTGRÜNDUNG gegeben, die in Eurem 6. vorchristlichen Jhd. noch die wenigsten auf Eurer Halbinsel zu beschäftigen begonnen hat...
...aber mit der sagenumwobenen Gründung ROMS im Jahre 753 v.Chr. sollte eine Entwicklung einsetzen, die die politischen Verhältnisse auf der gesamten Appeninnenhalbinsel in den folgenden 3 Jahrhunderten von Grund auf verändern sollte:
Bereits zu Beginn des 3. Jhds. v.Chr. wird Rom gang Italien unter seine Herrschaft gebracht haben
Danach wird dieses Rom seine Herrschaft über fast die gesamte indogermanische Welt und ihre südlichen Anrainer-Völker ausdehnen:
Zunächst wird Rom ein Dreivierteljahrhundert lang gegen die karthagischen Phönikier die Herrschaft über den westlichen Mittelmeerraum erkämpfen.
Ein weiteres halbes Jahrhundert wird es dauern, bis die phönikische und mit ihr die griechische Seeherrschaft im gesamten Mittelmeerraum endgültig niedergerungen sein werden. - Die Zerstörung Karthagos im Jahre 146 v. Chr. Wird den römischen Sieg auch über Griechenland besiegeln. Rom wird damit zur Herrin auch des östlichen Mittelmeeres werden.
Im 1. vor- und im 1. nachchristlichen Jhd. wird das Imperium Romanum so weit abgerundet werden, daß es nicht nur den gesamten Mittelmeerraum zu Wasser und zu Lande bis weit nach Vorderasien hinein zu seinem Herrschaftsgebiet zählen kann, sondern selbst Gallien und Britannien mit umfassen wird.
Die Stadtgründung aus der Mitte des 8. Jhds. v.Chr. geht wohl auf einen Zusammenschluß etruskischer, latinischer und sabinischer Geschlechterverbände (lat. gentes, Einz.: gens=Geschlechter-/generationenübergreifender adeliger Großfamilienverband mit Abhängigen) zurück:
Der Hauptanstoß für die Stadtgründung ging damals offenbar von der latinischen Stadt Alba Longa aus.
Den Zusammenschluß der Geschlechterverbände hat man sich als jahrhundertelangen konfliktreichen Prozeß vorzustellen.
Der Sage nach vollzog sich das Ganze so:
Der Ursprung Roms steht wie der anderer italischer Städte auch mit dem trojanischen Krieg in Verbindung: die griechische Sage berichtet, der Trojaner Äneas sei durch die Götter nach Italien geführt worden.
Sein Sohn Ascanius habe die Stadt Alba longa erbaut, die sich zum Haupte der latinischen Städte erhoben habe.
Von hier aus hätten die Nachfahren des damals herrschenden Königs etwa 400 Jahre später die Stadt Rom gegründet: Romulus und Remus.
Nach dem Tode seines Bruders sei Romulus alleiniger Herrscher gewesen, habe die Zahl der Bürger vermehrt, ihnen durch den Raub der Sabinerinnen Frauen verschafft und die Römer mit deren Volk vereinigt. Er habe überdies erfolgereiche Kriege geführt, das Heerwesen neu geordnet, die wichtigsten politischen Einrichtungen geschaffen und sei nach seinem Tode als Quirinius zum Himmel erhoben worden.
Sein friedlicher und frommer Nachfolger Numa Pompilius habe das Werk seines Vorgängers ergänzt durch die Einrichtung und Regelung der Gottesdienste.
Dessen Nachfolger Tullius Hostilius habe die Mutterstadt bekämpft und besiegt und deren Einwohner nach Rom überführt.
Der ihm folgende Angus Marcius habe weitere latinische Städte unterworfen und deren Einwohner ebenfalls in Rom angesiedelt. - Damit sei allmählich eine Bevölkerungsgruppe vermehrt worden, die außerhalb der verbündeten Geschlechterverbände lebte, damit aber nim römischen Stadtstaat auch keine Rechte besessen habe: die Plebejer.
Unter Tarquinius Priscus (616-578) habe sich der etruskische Einfluß verstärkt, die Unterwerfung Latiums sei vollendet worden, der kapitolinische Tempel sei erbaut und zum Zentrum des römischen Staatskults erhoben worden. Mit dem Bau der Kloaken und der Aufnahme in Rom angesiedelter Fremder unter die Bürger habe sich der römische Stadtstaat entscheidend weiterentwickelt.
Zwischen 578 und 534 v.Chr. in Eurer Lebenszeit also - regiert nun Servius Tullius: er gibt den Römern eine neue Wehrverfassung. Nicht mehr nur die Väter der Geschlechterverbände, der Patrizier (von lat. pater=Vater) also, bildeten jetzt die Heeres-, sprich: die Bürgerversammlung, sondern alle reichen Bürger!
Rom erhält als Vormachtstadt nun eine Stadtmauer, der Hafen von Ostia wird ausgebaut, die Salinen an der Tibermündung werden erweitert.
Die besiegten Latiner werden über ein Bündnissystem an Rom gebunden.
Nach Eurer Lebenszeit wird nur noch ein König über Rom die Herrschaft innehaben.
Er wird sie verspielen.
Im Jahre 510 v.Chr. wird ein ADELSAUFSTAND die Königsherrschaft stürzen und Rom in eine REPUBLIK umwandeln.
Deren Geschichte wird sich bis ins letzte Drittel des Jahrhunderts vor der Zeitenwende (Christi Geburt) erstrecken.
Danach wird sich das übergroß gewordene Imperium Romanum in ein KAISERREICH verwandeln.
Octavianus Augustus wird der erste römische Kaiser sein.
Im letzten Viertel des 5. Jhds. n.Chr. wird dieses Kaiserreich unter dem Druck der VÖLKERWANDERUNG zerbrechen.
Sein westlicher Teil wird 476 n.Chr. untergehen.
Nur sein östlicher Teil wird weiterbestehen: als BYZANTINISCHES rEICH bis ins 13. Jhd....
... dann als von den Kreuzfahrern neu gegründetes LATEINISCHES KAISERREICH - bis zur Eroberung KONSTANTINOPELS/BYzanz´ durch die türkischen OSMANEN 1453.
4. IM BEREICH DER BALKAN-HALBINSEL
sie beherrscht das östliche Mittelmeer und bildet den Kern des späteren Griechenland.
An den Halbinselbereich mit seinen sehr unruhigen Küstenstreifen schließt sich - die gesamte Ägäis überspannend - eine äußerst vielgestaltige und vergleichsweise dichte Inselwelt.
Die südlichste und größte dieser Inseln: Kreta.
Hier haben seit der Mitte des 19. vorchristlichen Jahrhunderts die indogermanischen IONIER und ÄOLER/ACHÄER die sagenumwobene griechische Frühzeit eingeläutet.
HOMER schildert sie rund ein Jahrtausend später in seinen großen Epen (=Verserzählungen): ´Ilias´ und ´Odyssee´.
Diese Stämme waren ganz allmählich in das Halbinselgebiet eingesickert und zunehmend mit der bis dahin ausschließlich bäuerlichen Bevölkerung verschmolzen.
Im Laufe dieses Verschmelzungsprozesses hatten sie gemischte Geschlechterverbände gebildet:
Diese hatten als neuer Reiteradel aus eingewanderten und alteingesessenen Clanführern für die Deckung der Interessen einer nunmehr vergleichsweise dichten Bevölkerung zu sorgen.
Denn die größer gewordene Einwohnerschaft der Halbinsel war nun zunehmend auf eine Erweiterung ihrer Existenzgrundlagen durch Handwerk und Handel angewiesen, sollte Leben und Wachstum auf Dauer gesichert bleiben.
Das ging nur, wenn die Geschlechterverbandsführer es verstanden, zunächst einmal die Landwirtschaft so zu organisieren, daß Handwerker, Händler, Seeleute und Kämpfer bzw. die Lenker der Gemeinwesen miternährt werden konnten.
Deshalb hatte der nun alle Organisations- und Schutzfunktionen auf sich vereinende Reiteradel immer ausgeprägter arbeitsteilige Lebensformen in seinen Geschlechterverbänden eingeführt.
Solange das eigene Warenangebot noch allzu bescheiden war, um damit einen gewinnträchtigen Handel zu betreiben, hatte dieser Adel seine Führungsfähigkeit auch dadurch zu beweisen gehabt, daß er dieses Warenangebot im Wege wohlorganisierter Seeräuberei zu vermehren und zu verbessern gewußt hatte!
Vermehren ließ sich dieses Warenangebot aber vor allem durch den wachsenden Einsatz von Sklaven - also von Arbeitskräften, die denkbar wenig vom Ertrag der von ihnen produzierten Güter zu beanspruchen hatten!
Diese Vermehrung des Arbeitskräftepotentials würde es mit der Zeit ermöglichen, eine begrenzte Zahl von Clanmitgliedern aus der Landwirtschaft abzuziehen und sie stattdessen in Handwerk, Handel und Seefahrt einzusetzen - häufig als Halter entsprechend spezialisierter Sklaven, versteht sich.
Die landschaftlichen Bedingungen auf der Balkan-Halbinsel - gebirgige Verhältnisse, in sie eingelassen eine Vielzahl kleiner Beckenlandschaften, die sich häufig zum Meer hin öffneten - hatten die Geschlechterverbände zu räumlich und politisch getrennten Siedlungsformen veranlaßt und zwischen ihnen so etwas wie eine natürliche Rivalität entstehen lassen.
Diese Rivalität war dem Aufbau des neuen ständischen Gesellschaftssystems - strenge gesellschaftliche Trennung zwischen Organisatoren und Organisierten, zwischen clanführendem Reiteradel und übriger Bevölkerung also - außerordentlich förderlich gewesen.
Denn diese Rivalität bot dem Adel Gelegenheit, seine Führungs- und Kampfstärke ausgiebig unter Beweis zu stellen. Schließlich hing der Wohlstand eines Geschlechterverbandes noch auf einige Zeit auch vom Eigentumserwerb durch Diebstahl bzw. vom Eigentumsschutz durch Waffengewalt ab.
Und: der Wettbewerb unter den Geschlechterverbänden förderte in nicht zu unterschätzendem Maße eine kulturell immer eigenständigere Aneignung und originelle Weiterentwicklung verwandten wie fremden Kulturguts, zu dem man ganz bewußt einen möglichst vielfältigen Zugang suchte.
So war der Bau mächtiger Burganlagen zum Mittelpunkt der den Geschlechterverbänden obliegenden Gemeinschaftsleistungen in der griechischen Frühzeit zwischen 1600 und 1150 v.Chr. geworden.
Im Zentrum eines beeindruckenden Burganlagengürtels entlang den südlichen Küstenregionen der Balkanhalbinsel hatte die monumentalste dieser Burgen gestanden:
Mykene, die ´goldreiche Herrscherin der Argolis´ - und offenbar Herrin über nicht wenige Nachbarburgen.
Im 15. Jhd. waren die Mykener offenbar soweit zu Herren der Ägäis geworden, daß sie der damals bereits über 1 Jahrtausend alten ägäischen Inselkultur auf Kreta die Seeherrschaft streitig machen konnten.
Wie weit die Zerstörung des Palastes von Knossos im Jahre 1425 v.Chr. als Werk der Mykener gelten kann, ist allerdings ungewiß.
In jedem Fall hatte der UNTERGANG DER 1000JÄHRIGEN MINOISCHEN KULTUR Kretas im 15. vorchristlichen Jahrhundert die BLÜTEZEIT der MYKENISCHEN KULTUR möglich gemacht - namentlich ihr Ausgreifen auf den gesamten ägäischen Raum bis nach Kleinasien hinüber.
Seit der Mitte des 13. Jhds. v.Chr. hatten sich die mykenischen Burgherren dann zunehmend gegen eine ihnen kampftechnisch überlegene Gruppe von Zuwanderern zu verteidigen gehabt:
Schließlich waren sie den mit Eisenwaffen kämpfenden dorischen Eroberern unterlegen.
Ihre Burganlagen waren zerstört worden.
Der von den Mykenern nicht zu verhindernde ZUZUG DER DORER hatte in der gesamten griechischen Welt zu einer Neuverteilung der Siedlungsräume der einzelnen Stämme geführt - Versklavungen gebietsweise begrenzter Bevölkerungsteile eingeschlossen, besonders auf der Peloponnes, im neuen Herrschaftszentrum der Dorer um Sparta herum.
Die griechischen Stämme sahen sich infolgedessen in viel größerem Umfang als bisher zu ausgedehnten Landnahmen bis nach Kleinasien hinüber veranlaßt.
Die IONIER konzentrierten sich fortan auf Attika, Euböa und Kleinasien.
...?!
Zwischen 1200 und 1000 v.Chr. in der Zeit der Neuverteilung der Siedlungsräume also - bildeten sich in den verschiedenen Stammesregionen häufig zunächst KÖNIGSHRRSCHAFTEN heraus.
Nach Beendigung der Siedlungsraumverschiebungen erfolgte aber im Gebiet des alten minoisch-kretischen Kulturraumes - mit Ausnahme Spartas - allenthalben der Übergang zur ADELSHERRSCHAFT.
Nur in den zunächst noch sehr ausgedehnten Randgebieten dieses traditionellen Kulturraumes auf der Balkanhalbinsel sollte das Königtum länger erhalten bleiben - im nordostgriechischen Makedonien sogar auf Dauer.
Der Kontakt mit den orientalischen Kulturen Kleinasiens hatte die Vorsteher der griechischen Geschlechterverbände mit neuen organisatorischen Möglichkeiten und Erfordernissen konfrontiert.
Städte waren das bis dahin entwickeltste Instrument der Völker ihres Gesichtskreises, um eine allmählich fortschreitende Arbeitsteilung in immer spezialisiertere Handwerke und einen wachsenden Handel zu erreichen.
Ganz entsprechend den landschaftlichen Gegebenheiten, die schon die Lebensweise der Mykener bestimmt hatten, entschieden sich die Griechen nun für ein Stadtstaaten-Modell, wie sie es bei den Phönikiern in begrenztem Maßstab und mit eigener Akzentuierung kennengelernt hatten - und schnitten es auf ihre eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen hin zu:
Was sie sich auf diese Weise nun schufen, waren räumlich bewußt begrenzte, aber nicht zu kleine Gebietsherrschaften mit einem städtischen Kern.
Dieser städtische Kern diente dazu, die anfallenden wirtschaftlichen, politischen und religiösen Gemeinschaftsangelegenheiten mit wachsender Wirksamkeit zu organisieren.
Etwa von der Jahrtausendwende an hieß ein solcher griechischer Stadtstaat POLIS, Mehrzahl: Poleis.
Anders als etwa die Ägypter und viele andere orientalische Völker entwickelten die Griechen damit für den Zeitraum zwischen dem 10. und dem 4. Jhd. v.Chr. KEINE REICHSKULTUR!
Jetzt im 6. Vorchristlichen Jahrhundert, in dem Ihr lebt, hat die in ihrer Vielgestaltigkeit und Eigentümlichkeit in Eurem Gesichtskreis einmalige griechische Polis-Kultur bereits eine nahezu 400jährige Geschichte hinter sich.
An ihrem Ausgangspunkt hatte der SYNOIKISMOS - die willentliche Zusammensiedelung - des Adels gestanden, der auf diese Weise in bis dahin rein dörflich strukturierten Gebieten für die Entstehung der angestrebten städtischen Kerne gesorgt hatte.
Wo die Burganlagen der Mykener das Zentrum einer Landschaft ausmachten, hatte man deren Reste zu den angestrebten Stadtanlagen entwickelt.
Ab dem 8. Vorchristlichen Jahrhundert hatte das zunehmende Bevölkerungswachstum die Polisbewohner landhungrig werden lassen:
Handelspolitische Erwägungen und persönliche Abenteurerlust taten ein Übriges. Also entschlossen sich die griechischen Poleis zur Gründung von weiträumig über den gesamten Mittelmeerraum verteilten Tochterstädten.
Rund 2 Jahrhunderte lang hatte dieser KOLONISATIONSVORGANG gedauert: von 750-550 v.Chr.
Die RÜCKWIRKUNGEN dieses Kolonisationsvorganges kehren nun im 6. vorchristlichen Jahrhundert in den meisten griechischen Stadtstaaten das Unterste zuoberst:
Denn über dem Kolonisationsprozeß ist nicht nur die Bedeutung des Handels ganz allgemein enorm gewachsen.
Mittlerweile bedient sich, angeregt durch kleinasiatische Geschäftspraktiken, auch in Griechenland der Handel der GELDWIRTSCHAFT.
Und: er gibt in der erweiterten Form, in der er sich infolgedessen abspielt, den Anstoß zu neuen Formen dessen, was man ab dem 18. Jhd. n.Chr. internationale Arbeitsteilung nennen wird.
Folge: zunehmende Schwierigkeiten für die traditionelle griechische Landwirtschaft. - Immerhin ist die traditionelle Palette landwirtschaftlicher Produkte, von denen sich die Polisbewohner bis dahin ernährt hatten, auf den ägäisch-vorderasiatischen Märkten billiger zu haben als in Griechenland selbst!
Wer folglich von nun an als griechischer Bauer überleben - also soviel über seinen unmittelbaren Nahrungsbedarf hinaus produzieren können will, daß er sowohl seinen übrigen Gebrauchsgüterbedarf als auch die Abgabensumme an seinen Clan-Chef am Markt für seine Ernteüberschüsse einzulösen vermag, der muß auf international konkurrenzfähige Ackerbauprodukte umstellen.
Andernfalls drohen ihm Armut, Hunger und am Ende gar die Schuldsklaverei!
Nur ein ausgeprägter Oliven- und Weinanbau gewährleisten unter den internationalisierten Handelsbedingungen seit der griechischen Kolonisation noch auf Dauer eine Konkurrenzfähigkeit der griechischen Landwirtschaft.
Die Umstellung jedoch ist so teuer - weder Olivenbäume noch Rebstöcke werfen in den ersten Jahren irgendetwas ab und beide verlangen saisonale Akkordarbeit statt der traditionellen kontinuierlichen Landarbeit, erfordern also Sklavenbesitz - daß nur der am Handel beteiligte Adel sie zu leisten vermag.
Die einfachen Bauern können da nicht mithalten. Und wo der Adel gar noch ihre Abgabenlasten erhöht, um selbst leichter die zukunftsträchtige Umstellung bewerkstelligen zu können, bleibt für immer mehr von ihnen nichts als die zeitweilige Schuldsklaverei.
Das aber bedeutet: die Geschlechterverbände funktionieren nicht mehr in der überkommenen Weise - ihre Schutzfunktion verfällt.
Damit schwindet das Ansehen der Aristokraten, wie die griechischen Adeligen heißen, in gefährlichem Umfang: ihre traditionelle Bevorrechtung wird fragwürdig.
Da diese Bevorrechtung von allem Anfang an religiös begründet war, gilt nun das jahrhundertealte Geschlechter-Charisma (=die halbgöttliche(=heroische) Herrschaftsbefähigung des Adels) als zunehmend verloren. - Die homerischen Epen (=Verserzählungen) hatten von der göttlichen Abkunft der einstigen Geschlechterverbandsgründe in mykenischer Zeit berichtet: diese Gründer hatten ihre Befähigung zum Herrschen darauf zurückgeführt, daß sie Heroen waren, Halbgötter, Kinder der Vereinigung eines Gottes mit einem Menschen.
Folglich gehen die griechischen Polisbewohner im Verlauf der Krise des 6. vorchristlichen Jahrhunderts, in dem Ihr lebt, allenthalben dazu über, Religion und Politik getrennt zu denken und sie auch in ihrem praktischen Leben allmählich voneinander zu scheiden...
Letzteres bedeutet den Schritt in eine NEUE KULTUREPOCHE:
Im Bereich des Denkens vollzieht sie sich als ´AUFKLÄRUNG´.
Im Bereich der Politik bewirkt sie den Übergang zu neuen Herrschaftsmodellen.
Zur aktuellen Problemlösung errichtet man zunächst eine gewaltherrschaftlich begründete Regierungsform: die TYRANNIS.
Sie verzichtet auf religiöse Rechtfertigungen.
Und: sie bewerkstelligt die Einrichtung eines nicht mehr aristokatischen, sondern zunehmend TIMOKRATISCHEN (=besitztumsgebundenen) Herrschaftssystems.
Damit verliert die Aristokratie/der Adel ihre/seine bisherige Stellung als alleiniger gesellschaftlicher Entscheidungsträger.
Stattdessen wird die Größe des Besitzes, den einer zu seiner Erwerbsgrundlage machen kann, sei er Adeliger oder nicht, zum ausschlaggebenden Kriterium dafür, ob er zu den gesellschaftlichen Entscheidungsträgern zählt oder nicht...
... die Einwohner Athens beispielsweise erleben um 560 v. Chr. Nun bereits die Herrschaft eines 2. bzw. 3. Tyrannen:
PEISISTRATOS heißt er.
Er hat gerade eben im Jahre 560 v.Chr. die Herrschaft in der neben Sparta (das ein deutlich anderes Gesellschafts- und Herrschaftssystem aufrechterhält) bedeutendsten Polis auf der Balkan-Halbinsel an sich gerissen.
Vor ihm hatten zunächst Drakon, dann Solon versucht, die unter den Rückwirkungen des Kolonisationsprozesses entstandene Krise ihrer Polisgesellschaft mit diktatorischen Mitteln in den Griff zu bekommen und den notwendigen Gesellschaftsumbau einzuleiten.
Während DRAKON im letzten Drittel des 7. Jhds v.Chr. noch den Ansatz verfolgt hatte, der wachsenden sozialen Unruhe durch eine neu organisierte Gesetzgebung, die die Blutrache abschaffte und harte - eben drakonische - Strafen vorsah, sowie durch eine wirksamer organisierte Gerichtsbarkeit zu begegnen...
... war SOLON 594 v.Chr. aristokratischerseits von der Heeresversammlung als oberster Amtsträger eingesetzt worden - in Athen ist das ein Archon.
Als ´Versöhner´ mit diktatorischen Vollmachten hat er bereits die Bauern aus der Schuldsklaverei befreit.
Auch eine Obergrenze für den Landbesitz hat er durchgesetzt.
Schließlich hatte die überkommene Geschlechterordnung der Heeresversammlung einer neuen Grundbesitzordnung zu weichen: von nun an hatten 3 grundbesitzende Klassen ein gestaffeltes Ämterbekleidungsrecht - die Pentakosiomedimnen (500Scheffler), die Hippeis (Ritter/300Scheffler) und die Zeugiten (Gespannbauern), die im Hoplitenkorps dienten in einer Phalanx (=keilförmigen Kampfformation) von Fußsoldaten also.
Nicht zugelassen waren die Theten - diejenigen, deren Besitz so gering war, daß sie ihn nicht zu ihrer Erwerbsgrundlage machen konnten
Die alte Adelsmacht ist damit entscheidend eingeschränkt.
Auch die Währungsverhältnisse erfahren unter Solon in Euren Tagen eine Neurodnung durch eine Münzreform.
Und die Rechtskodifizierung (=Aufzeichnung) wird vorangetrieben: jeder einzelne Staatsbürger, gleich welcher der 4 Besitzklassen er angehört, besitzt von jetzt an ein öffentliches Klagerecht.
Damit ist der Umbau des athenischen Rechtssystems weg von sich widersprechenden Geschlechtertraditionen hin zu einem vereinheitlichten Recht für alle Polis-Bürger vervolständigt, den vor allem Drakon bereits entscheidend vorangebracht hatte.
In Euren Tagen erschüttern nun neue Unruhen das Staatsgebiet Athens.
Das seit Solon gültige Besitzdenken hat dazu geführt, daß die auf die Entwicklung von Handel und Gewerbe erpichten Küstenbewohner samt den ausfuhr-interessierten Adeligen des Binnenlandes - der reichste Teil des athenischen Staatsvolkes also - seine neue innergesellschaftliche Machtstellung in vollen Zügen auszukosten begonnen hatte: die politischen Amtsträger handelten nahezu ausschließlich als ihre Interessenvertreter.
Um die nach wie vor elende Lage vor allem auch der Gebirgsbauern hatte sich niemand gekümmert.
In Peisistratos finden sie nun einen Kämpfer für ihre Interessen.
Er hat sich eben mit Hilfe von Gebirgsbauern als Söldner zum strahlendsten der athenischen Tyrannen aufgeschwungen.
Und: er hat begonnen, alle Wirtschaftszweige so einfallsreich zu fördern, daß der gesamte Stadtstaat in eine wirtschaftliche wie kulturelle Blütezeit hineinwächst...
.... was sich in der Folgezeit abspielen wird:
... im 5. und 4. Jhd. ein schrittweiser Wandel der Timokratie (=Herrschaft der Besitzenden) zur Demokratie (=Herrschaft des Volkes) aller Bürgerberechtigten, also aller, die als einstige Geschlechterverbandsmitglieder Bürgerrecht besitzen.
Hintergrund: die Entwicklung der Kampfweisen, die Verteidigungsaufgaben auch für Besitzlose entstehen lassen - beispielsweise als Ruderer im Seekrieg gegen die Perser...
Dabei wird es bis zum Ende des 6. vorchristlichen Jahrhunderts zu kriegerischen Auseinandersetzungen noch innerhalb der griechischen Poliswelt kommen - oder zu Handelskriegen zwischen den rivalisierenden Stadtstaaten auf See.
Im 5. Jhd. wird dann der Eroberungsdrang der Perser das Verhältnis der griechischen Poleis untereinander erheblich komplizieren.
Den Persern würde man am Ende erfolgreich standhalten können...
... aber die Griechen selbst würden über den verschiedenen Verteidigungsanstrengungen ihr inneres Gleichgewicht verlieren!
Jahrhundertelang waren zwischen den Poleis alle Formen von Wettstreit gepflegt worden. Um Sieg oder Niederlage war es dabei immer erst in 2. Linie gegangen.
Im Vordergrund hatte die Vorstellung gestanden, daß Leben, Handeln und Denken vor allem eines seien: agon - wettstreitende Auseinandersetzung aller um das dem Menschen Angemessene, ob nun im Sport, in der Politik und ihrer Extremform, dem Krieg, ob bei der Arbeit oder in der Kunst, in der Freude wie im Leid, in sämtlichen Schichten des Lebens also.
Sobald die Griechen im Verlauf des 4. Jhds v.Chr. im Anschluß an die Perserkriege über einem ziemlich uferlosen Streit untereinander ihren Blick für das Machbare und Zukunftsträchtige verlieren werden, wird die Polis-Welt ihre Lebensfähigkeit zunehmend einbüßen. - Denn nun wird man sich darauf verlegen, alle inneren und äußeren Probleme durch eine Vorherrschaftspolitik lösen zu wollen:
Allen voran wird es Athen sein, das sich durch die Auseinandersetzung mit den Persern angeregt finden wird, nach einem größeren Herrschaftsgebiet für sich zu streben und andere griechische Poleis unter ihre Vorherrschaft zu locken oder gar zu zwingen - durch die Bildung eines attischen Seebundes bzw. Seereiches.
Und: Sparta wird mit Athen bis zur beiderseitigen Erschöpfung um den Aufbau einer Gegenmacht ringen - im Peloponnesischen Krieg.
Schließlich: wird am Ende dieser die Position beider zermahlenden Kämpfe ein innergriechisches Machtvakuum entstanden sein. - Poleis nachgeordneter Größe und Wirtschaftskraft werden in diese Leere vorzustoßen suchen, Theben vor allem. Die Kraft, zu einem wirklichen kulturellen und politischen Zentrum der griechischen Poliswelt aufzusteigen, wird es jedoch nicht entfalten können...
So wird sich seit dem Ende des 4. vorchristlichen Jahrhunderts das griechische Stadtstaaten-Modell durch einander ablösende Reichskulturen überformen lassen müssen :
... zunächst wird sich das nordgriechische Königreich Makedonien die Herrschaft über ganz Griechenland erringen - um von hier aus ein denkbar ehrgeiziges Weltreichskonzept zu verfolgen: griechische und persische Kultur sollten in einem einzigen - hellenistischen - Weltreich, das sich nicht weniger als die Grenzen der damals bekannten Erde zum Ziel setzen würde, vereinigt werden.
Auf diesem Weg wird zwischen Adria und Indus ein zwar im unmittelbaren Sinne nur äußerst kurzlebiges Riesenreich entstehen - das Reich Alexanders des Großen. Es wird seinen Schöpfer nicht überleben.
... Gleichwohl wird es sich für die folgenden beiden Jahrhunderte im gesamten ostmittelmeerisch-vorderasiatischen Raum als kulturprägend erweisen: Sämtliche Nachfolgereiche, in die das Alexanderreich noch vor der Wende zum 3. vorchristlichen Jahrhundert zerfällt - die sogenannten Diadochenreiche (das Antiochidenreich in Griechenland, das Seleukidenreich in Persien, das Ptolemäerreich in Ägypten) - werden das von Alexander begründete hellenistische Kulturkonzept bewahren und weiterentwickeln, so daß man für das 3. Und 2. vorchristliche Jahrhundert vom hellenistischen Zeitalter spricht.
... Schließlich werden im 2. und 1. vorchristlichen Jahrhundert die ..........................................................