©gabriele weis

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l-gvi.gif (5336 Byte)1.4.b1-fiktive biographie:

´PHARAO RAMSES II.´

 

 

Du lebst um das Jahr um das Jahr 1250 v.Chr. - im letzten jener insgesamt 3 Großreiche, die am Ende rund 2 Jahrtausende lang die Geschichte Altägyptens geprägt haben werden: zur Zeit des Neuen Reiches, das von 1550 - 1085 v.Chr. dauerte.

 

Seit 1290 bereits bist Du Pharao, regierst also bereits seit 40 Jahren! Noch 26 Regentschaftsjahre liegen vor Dir, das weißt Du freilich noch nicht.

In der Nachfolge Deines Vaters und Großvaters hast Du das 3. altägyptische Großreich, dem Du als reifer und kraftvoller Herrscher vorstehst, außen- wie innenpolitisch neu zu festigen gewußt.

Denn mit großem Erfolg nach innen wie außen hast Du das Herrschaftskonzept der Thutmosiden zur Grundlage Deiner Regierungsweise gemacht.

Das religions- und staatspolitische Abenteuer des Ketzers Echn-Aton ist darüber in Deinen Augen im Volk erfreulich weit in Vergessenheit geraten.

 

 

Deine Kassen sind voller als die der meisten Deiner Amtsvorgänger - und das, obwohl es Dir geraten erscheint, den Priestern ihre von Deiner Oberaufsicht unabhängigen Tempel- und Totenstadtwirtschaften nicht wie jener unglückselige Echn-Aton streitig zu machen.

Schließlich gibt Dir die neu gefestigte Großmachtstellung Deines Landes die Herrschaft über eine stetig wachsende Zahl von Staatssklaven!

Du bist ein guter Organisator und verstehst es, Deine Beamten an Dich zu binden, ohne Deinen Staatsschatz im Übermaß an sie zu verteilen.

Und: Du bist ein guter Feldherr, ein ebenso guter Außenpolitiker zudem - mit einem feinen Gespür für den Nutzen und die Herstellungsmöglichkeiten weltpolitischer Gleichgewichtslagen.

 

Das alles setzt Dich in die Lage, Deiner Hauptaufgabe als Ernährer Deines Volkes in alle beeindruckendem Umfang gerecht zu werden: Die Wirtschaft Deines Landes blüht auch außerhalb der Tempeldomänen.

 

Gern läßt Du deshalb von Zeit zu Zeit Deine königliche Barke nilaufwärts segeln, um zu begutachten, welche Fortschritte Deine zahllosen Bauvorhaben und mit ihnen die Wirtschaft Deines gesamten Landes macht:

Deine neue, prachtvoll ausgebaute Hauptstadt im östlichen Nildelta bildet zumeist den Ausgangspunkt solcher Reisen. Das alte Auaris, in dem die Hyksos einst residiert hatten, trägt nun Deinen Namen: Ramsesstadt.

Wo immer Du dann Zwischenstation machst, jubelt Dir Dein Volk - ehrlichen Herzens, davon bist Du überzeugt - zu.

Schließlich interessierst Du Dich für den Fortgang der Feldarbeit genauso wie für den Gang der von Dir in Auftrag gegebenen Bautätigkeit.

 

Wenn Du so über Land fährst, nimmst Du die Berichte Deiner Beamten für alle sichtbar auf Deiner königlichenBarke entgegen. Alle können und sollen so sehen, wie streng und gerecht Du Lob nicht anders als Tadel zu erteilen weißt.

 

Deine Staatssklaven, die Du entweder in Randgebieten Eures Lebensraumes als Feldsklaven, oder aber in der unmittelbaren Umgebung Deiner großen und zahlreichen Bauvorhaben angesiedelt hast, erfahren Dein Herrschertum freilich keineswegs in vergleichbarer Weise.

Deine Sorge jedenfalls gilt ihnen nicht. Sie behältst Du einzig und allein Deinem Volk vor.

In Deinen Augen völlig berechtigterweise sind die Arbeitsbedingungen all dieser versklavten Fremden ungleich härter als die der Ägypter selbst.

Für die dreistesten unter ihnen hältst Du die Hebräer, jene ´Kinder Israels´, die von sich in ihren Schriften behaupten, sie seien einst als zwar von Not getriebene, aber freie Gäste in Dein Land gekommen.

Denn zu jener Zeit sei gerade einer von ihnen, der schon lange unter den Ägyptern gelebt gehabt habe, der wichtigste Ratgeber Pharaos gewesen: Joseph habe er geheißen.

Die Dreistigkeit dieser Behauptung hat Dich immer wütend gemacht, denn immer hatten diese Hebräer versucht, Deine Aufseher hinters Licht zu führen, um möglichst ungestört ihren eigenen Interessen nachgehen zu können.

Da kannten sie Dich aber schlecht!

Mit eiserner Härte hast Du die Aufmüpfigen an die Kandare zu legen verstanden. Und mehr als zwei Jahrzehnte lang schien auch Ruhe zu sein.

Seit einem Jahr hat sich das aber zusehends wieder geändert. Ständig hatte der neue, bereits greise Führer dieses Völkchens das Land in neue Unruhe zu stürzen gewußt.

Gestern erst haben sie Dich tollkühn über gewisse Grenzen Deiner Macht belehrt! Sie hatten Deinen ganzen Apparat durch gezielte, Verwirrung anstiftende Terroranschläge so zu beschäftigen gewußt, daß sie sich unbemerkt alle gemeinsam hatten davonstehlen können!

 

Du wirst Deine Reise also hochärgerlicherweise in Theben unterbrechen müssen - nicht einmal für einen kurzen Blick auf Deinen dortigen neuen Tempelbau, das Ramesseum, wirst Du Dir Zeit nehmen können! - Auch der von Dir in Auftrag gegebene Tempel in Abydos und die Felsenheiligtümer von Abu Simbel in Nubien müssen warten!

 

 

Was diese Hebräer und ihre Behandlung als Staatssklaven angeht, hast Du übrigens schon öfters feststellen müssen, daß Deine Ammun-Pristerschaft Deine Abneigung gegen dierses Sklavenvölkchen keineswegs in gleichem Maße teilt.

Gerade jüngst hattest Du darüber ein freundschaftliches Streitgespräch mit dem obersten Priester Ammuns, Painefernefer. (Es war dabei freilich mehr um religionsphilosophische, denn um machtpolitische Fragen gegangen.)

Dir nämlich war der Eingottglaube dieser Leute ein Rätsel, ein besonders für Dich auch etwas unbehagliches zudem.

Einerseits nämlich schien Dir die Konzentration auf nur einen Gott als etwas unglaublich Enges und Farbloses...

... andererseits lag in einem solchen Eingottglauben eine gewisse Logik - das mußtest Du Painefernefer zugestehen...

Wo blieb aber bei einer solchen Logik die Göttlichkeit des Pharao?

Dir wurde unbehaglich: Dein oberster Priester verstand und schätzte sogar ein Stück weit die Religion dieser Hebräer! Für ihn gab es überhaupt keinen Widerspruch zwischen dem sich unter Ammun-Re, dem höchsten Gott Ägyptens, ausbreitenden ägyptischen Götterhimmel und dem götterlosen Himmel des einzigen Jahwe!

Du kannst Painefernefer in diesem Punkt überhaupt nicht verstehen!

Was Dein priesterlicher Gesprächspartner wohl von dem geschickt eingefädelten Auszug dieser Hebräer halten mag?

 

Du jedenfalls wirst diesen Leuten nachsetzen lassen.

Ob Du Deinem 25jährigen Sohn Ramses den Oberbefehl für diesen Feldzug geben solltest? Der Erpater (=Kronprinz) hätte das Zeug dazu. Aber er ist gerade erst von längerer Krankheit genesen.

Noch weißt Du nichts von seinem grausamen Schicksal in der verangenen Nacht...

 

 

Für Deine Familie hast Du selten Zeit. Sie interessiert Dich auch nicht übermäßig.

Das Regieren dagegen fasziniert Dich.

Du bist bei bester Gesundheit und gedenkst Dein Amt noch lange Jahre zu bekleiden.

Deine Söhne sind von weniger robuster Natur. Du wirst sie vermutlich überleben.