©gabriele weis

1.3.a-ALTÄGYPTEN um 2945 v.chr.l-gvi.gif (5336 Byte)zurück-pfeil.gif (2419 Byte) l-weiter.gif (2419 Byte)l-gvi.gif (5336 Byte)1.4.a-ALTÄGYPTEN um 1250 v.chr.

 

l-gvi.gif (5336 Byte)1.3.b3-fiktive biographie:::      

´FELLACHIN NIKOTRIS´

 

 

Du lebst um das Jahr 2 945 v.Chr. - in der Frühzeit der altägyptischen Geschichte: So wird man später den Zeitraum zwischen 2950 und 2650 v.Chr. bezeichnen.

In Deinem Dorf Medinera - südlich Eurer Gau-Hauptstadt Merimde und nicht weit von Eurer neuen Reichs-Hauptstadt Memphis, an einem Seitenarm des beginnenden Nildeltas gelegen - wohnen etwa 300 Menschen, vorwiegend Bauernfamilien. Erste Handwerkerfamilien gibt es auch bereits unter Euch. Und ein allgegenwärtiges Gespann aus 2 Schreibern greift nahezu täglich in den Ablauf Eures Lebens ein.

 

Du bist 38, hast 7 Kinder geboren.

Vier von ihnen haben überlebt und sind bis auf Euren kleinen Nachkömmling Senmut (gerade habt Ihr Euer erstes Tempelopfer für den eben Einjährigen dargebracht) bereits erwachsen.

Noch im Kleinkindalter krankheitshalber gestorben ist nur eines.

Dein Ältester dagegen war von Eurem neuen Gaufürsten Nitager zum Waffendienst eingezogen worden und ist bei den Kämpfen um die Einigung Ägyptens gefallen.

Noch einen zweiten Jungen hat Dir der Krieg um die Landeseinigung geraubt: Der Kleine war erst 9, als Kainofers (vgl. Nitagers Lebenslauf) ausgehungerte und zerlumpte Soldaten, kurz bevor sie endgültig hatten aufgeben müssen, ihn dreist erschlagen haben, als sie Euer Haus ausraubten, während Ihr anderen bei der Feldarbeit wart.

Euer kleiner Senmut hat nun vielleicht ganz neue Lebenschancen. Denn von der neuen Reichseinigung erhoffen sich viele unter Euch zurecht, daß nun Handwerk und Handel einen beachtlichen Aufschwung nehmen werden. Vielleicht eignet er sich ja zum Kaufmann? Oder doch wenigstens zum Handwerker? Schließlich hat Aha-Menes begonnen, eine neue Hauptstadt und zwei Totenstädte zu bauen!

Euer Zweitältester dagegen, Schutef, liebt die Landarbeit und wird wohl in Eurem Dorf alt werden.

Der fünfte Deiner Söhne, Narmut, war von früh auf in allem Handwerklichen außerordentlich geschickt. Er ist jetzt 13 und hat seine Lehre bei einem Schiffsbauer in Merimde bald hinter sich. Von Zeit zu Zeit besucht er Euch zwar, aber er fehlt Dir oft.

Deine Tochter Merit schließlich, Eure Drittälteste, ist schon 6 Jahre aus dem Haus. Sie ist Dienerin im Hause des Priesters Eje geworden. Sie träumt davon, daß ihre kleine Tochter, Deine Enkelin Init, eines Tages nicht wieder Dienerin werden muß, sondern vielleicht zru Perückenmacherin aufsteigen kann.

 

Dein Mann Hapu beginnt mit seinen 40 Jahren nun doch allmählich sichtlich alt zu werden. Er klagt oft, wie schwer ihm die Feldarbeit und fast mehr noch die Arbeitseinsätze am Bewässerungssystem Eures Dorfes fallen.

Er hofft inständig, daß er nicht zu denen gehören wird, die während der Monate der Nilschwelle von ihren Aufsehern abkommandiert werden, um beim Bau der neuen Hauptstadt mitzuhelfen. Das ginge über seine Kräfte. Er fühlt sich schon seit Jahren ausgelaugt.

Sein ganzes Leben fast (Deines nicht minder) war Krieg gewesen; Krieg, der viele von den Menschen, die er liebte, von seiner Seite gerissen hatte. Krieg, der kostete und kostete, wofür er zeitlebens den Rücken zu krümmen gehabt hatte.

 

In letzter Zeit ist er auf seine alten Tage noch einmal richtig zornig geworden. Du hast ihn kaum zu besänftigen gewußt.

Ihr alle nämlich hattet aufgeatmet, als endlich Frieden im Land eingekehrt war.

Ein neuer Schreiber war als Oberaufseher in Euer Dorf gekommen: Tjenena. Er wohnt nicht unter Euch, sondern in Merimde, nicht anders als sein älterer, korrupter Kollege Phut.

Im Auftrage des Paharao und seines neuen Gaufürsten Nitager hat dieser Tjenena große Hoffnungen in Euch zu wecken gewußt. Er nimmt seine Aufgabe ernst und läßt sich viel einfallen, um Euer aller Arbeit effektiver zu machen. Die Peitsche läßt er nur selten einsetzen.

Da ist sein älterer Kollege Phut ganz anders! Für ihn seid Ihr Fellachen grundsätzlich schuld, wenn die Arbeit zu schleppend verläuft. Er hält Euch für dumm, faul und widersetzlich. Die Peitsche ist sein bevorzugtes Organisationsinstrument. Schlimmer noch: er hört nicht auf, Euch mehr abzupressen, als er eigentlich dürfte.

Erst gestern noch - Dein Mann war gerade zum Bewässern der ältesten Felder Eures Dorfes eingesetzt - war es Phut wieder einmal nicht schnell genug gegangen.

Dabei war er es gewesen, der sich nach der letzten Nilschwelle nicht um die Schöpfanlagen gekümmert hatte. Auch die alten Deiche hatte er nur dürftig reparieren lassen.

Er war so sehr mit seinem Ärger über die neue Ordnung beschäftigt gewesen, daß er nicht mehr als bloß zum Schein den Aktiven gespielt hatte.

Nun klemmte es bei den Bewässerungsarbeiten natürlich.

Und wer war schuld? - Kein Zweifel, wieder diese unerträglichen Fellachen!

Nach diesem Rezept hatte Phut sich dann auch verhalten und sie alle auspeitschen lassen.

Dein Mann war außer sich geraten und Phut an die Gurgel gesprungen. Euer Sohn hatte zwar mit äußerster Kraft das Schlimmste verhüten können. Aber Phut hatte natürlich auf seiner Festnahme bestanden. Er hatte gute Aussichten, eine harte Verurteilung zu erreichen, denn sein Vetter Intef war Schreiber beim Tempelgericht von Merimde...

 

Nun machst Du Dir große Sorgen und berätst Dich mit Deiner Nachbarin und Freundin Nofris, was Du am besten zu seiner Verteidigung unternimmst.

Tjenena anzusprechen, könnte nicht ausreichen. Aufsässigkeit wurde in Ägypten äußerst streng bestraft. Vielleicht war der junge Gaufürst noch zu unsicher in seinem Amt, um in Hapus Fall Gnade walten zu lassen, statt dem Gesetz Achtung zu verschaffen.

Vielleicht war nur vom Pharao selbst Hilfe zu erhoffen. Er würde überdies in den nächsten Tagen mit seinem Troß wieder einmal den Nil hinabfahren.

Nofris kannte einen seiner persönlichen Diener, einen jungen Mann namens Semenchare, den sie in den Tagen der Kriegswirren einstens als Schwerverwundeten am Straßenrand aufgelesen und gesundgepflegt hatte. Er würde sicher Gelegenheit finden, den Pharao auf die wahre Sachlage in Hapus Fall aufmerksam zu machen. Nofris würde sie zur Anlegestelle mitnehmen und zu ihrem einstigen Schützling durchzudringen suchen...

Heute noch wirst Du zum nahe gelegenen Tempel der Isis pilgern, und sie, die Menschenfreundliche um Schutz und Hilfe anzuflehen.