©gabriele weis

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l-gvi.gif (5336 Byte)1.3.b2-fiktive biographie:

´SCHREIBER PHUT´

 

 

Du lebst um das Jahr 2945 v.Chr. - in der Frühzeit der altägyptischen Geschichte: so wird man später den Zeitraum zwischen 2950 und 2650 v.Chr. bezeichnen.

Du bist bereits 44 Jahre alt und hast mehr als 20 Jahre zu den treu ergebenen Schreibern des Stammesfürsten Schepsi gehört.

Schepsi hatte auf großem Fuße gelebt und seine Beamten immer mit enormer Großzügigkeit behandelt.

Lange hast Du in mehrfacher Hinsicht von den etwas aus dem Ruder gelaufenen Verhältnissen in Deinem Gebiet profitiert.

Dann aber hatte der Abwehrkrieg Schepsis und seines Sohnes Kainofer gegen die Reichseinigungsbestrebungen Aha-Menes´ die Kassen des Fürstentums endgültig geleert und Deinen Herrn im Umgang mit seinen Beamten immer unwirrscher und knauseriger werden lassen.

Zum Ausgleich für diese Unbill hattest Du Dir angewöhnt, den Fellachen, über deren Abgaben Du zu wachen hattest, mehr als das von Deinem Fürsten Geforderte abzupressen - für die eigene Tasche.

 

Es fällt Dir deshalb außerordentlich schwer, Dich auf die neuen Verhältnisse einzustellen.

Die alte Fürstenherrlichkeit wie auch die chaotischen Kampfesjahre waren für Dich viel einträglicher gewesen als die nun seit 4 Jahren mit dem Amtsantritt Nitagers angebrochene Zeit.

Dein Lohn ist zwar immer noch bemerkenswert auskömmlich, aber an die alten Einkünfte reicht er nicht heran.

Du hältst deshalb an Deinen bewährten ungesetzlichen Geldbeschaffungsmethoden fest und bekommst folglich immer wieder Ärger mit Nitager: Schon hat dieser Deinen Amtsbezirk verkleinert, und er droht, Dich zu entlassen, wenn Du Dich nicht endlich umorientierst.

 

Von Tag zu Tag trauerst Du den verlorenen Zeiten, in denen niemand von Dir ein so hohes Maß an Einfügung in ein übergeordnetes Ganzes verlangt hatte, wie heute, verbitterter nach.

Dein altes Ansehen ist dahin - einkommensmäßig wie gesellschaftlich: Schreiber gibt es im neuen Reich des Aha-Menes für Deine Begriffe wie Sand am Meer - das nimmt Deiner Existenz viel von ihrem alten Glanz.

Dein Handlungsspielraum als Beamter wurde auf das neue Reichssystem zugeschnitten - die Beamten des Pharao schicken ständig neue Anweisungen.

 

Lange hast Du sogar ganz bewußt versucht, Sand ins Getriebe der neuen Gau- und Reichsverwaltung zu streuen - möglichst so natürlich, daß man Dir nichts vorwerfen konnte. Denn entlassen zu werden, dieses Risiko wolltest Du denn doch nicht eingehen.

Im Augenblick zitterst Du aber erheblich um Deine Zukunft:

Einer Deiner Konflikte mit einem Fellachen ist Nitager zu Gehör gebracht worden.

Nun sollst Du Dich rechtfertigen.

Die Chancen, Deinen Kopf noch einmal aus der Schlinge zu ziehen, stehen schlecht. Denn Du warst nicht nur äußerst nachlässig bei der Erfüllung Deiner Aufgaben. Du hast diesem Menschen auch gröblichstes Unrecht angedeihen lassen. - Wie wird dieser Tag nur ausgehen?

 

Wie Dir geht es so manchem älteren Beamten in Deiner Umgebung wie im gesamten Reich.

Eure neuen Kollegen tragen Euch Älteren gegenüber nicht selten ihre Nasen schmerzhaft hoch. Nicht alle von ihnen sind nämlich wirklich erfüllt von den neuen Reichsidealen. Manche sind ausschließlich mit dem gesellschaftlichen Aufstieg beschäftigt, den die neue Reichsverwaltung ihnen eröffnet.

Neben diesen neureichen Streberlingen fühlt Ihr Alten Euch ungerechterweise deklassiert.

Jedes Familienfest in Deiner weitverzweigten Verwandschaft gibt Dir und Deinesgleichen die Gelegenheit zu gemeinsamer Klage und zu neuem Intrigen-Spinnen. In Deiner Verwandtschaft gibt es eine ganze Reihe von Schreibern. Am liebsten konspirierst Du hier mit Deinem Schwager Baefba und Deinen Vettern Intef und Wermerutef.

 

Freilich gibt es auch nicht wenige unter den neuen Amtskollegen, die die ehrliche Bewunderung von vielen aus ihrer Umgebung auf sich ziehen, weil sie sich auch mit religiöser Inbrunst für das große Reichseinigungswerk des Aha-Menes und seiner Getreuen (wie Nitager etwa) einsetzen.

Sie nehmen ernst, was sie in den nun enorm erweiterten Tempelschulen des Landes über die Mythen, über Verwaltungstechniken und kunsthandwerkliche wie ingenieurstechnische Möglichkeiten gelernt haben, machen Vorschläge und spornen die Menschen, deren Arbeit sie zu organisieren haben, zu neuem Arbeitseifer an.

Einer von ihnen, Tjenena, der Sohn Deines bereits gestorbenen Freundes aus den Jahren gemeinsamen Tempelschulbesuchs, schwärmt Dir bei jeder Begegnung von seinen Idealen vor und hofft immer noch, Dich für die neue Zeit zu gewinnen. - Er ist überdies Dein langjähriger Hausnachbar in Deiner Heimatstadt Merimde, der alten Residenzstadt Deines Gaues. Nicht selten geratet Ihr in Streit. Aber irgendwo magst Du den Jungen. Manchmal macht er Dich richtig nachdenklich.

 

Du hast selbst einen Sohn und 3 Töchter - alle längst in guter gesellschaftlicher Stellung verheiratet. Alle sind sie Anhänger der neuen Ordnung. Der Kontakt mit Dir ist ihnen eher peinlich. Du schädigst am Ende noch auch ihr Ansehen.

Deine Frau Maatkare, die Tochter eines Flußschiffers, war immer anspruchsvoll und ehrgeizig. Sie hat kein Verständnis dafür, daß Du Dich mit der neuen Ordnung nicht erfolgreich arrangieren kannst. Täglich macht sie Dir Vorhaltungen wegen Eures sinkenden Lebensstandards.

Du fühlst Dich deshalb oft sehr einsam.