1.3.a-ALTÄGYPTEN um 2945 v.chr.
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1.3.b2-fiktive biographie-schreiber phut
1.3.b1-fiktive biographie:
´GAUFÜRST NITAGER´
Du lebst um das Jahr 2945 v.Chr. - in der Frühzeit der altägyptischen Geschichte: so wird man später den Zeitraum zwischen 2950 und 2650 v.Chr. bezeichnen.
Seit 4 Jahren bist Du Gaufürst im Gebiet des südlichen Nildeltas, unmittelbar nördlich der Grenzen jenes Ortes, an dem die neue Hauptstadt des Aha-Menes im Entstehen ist.
Als nachgeborener Sohn Deines Vaters Schepsi, eines äußerst eigenwilligen traditionellen Stammesfürsten, währest Du erst nach dessen und Deines älteren Bruders Kainofer Tod zur Übernahme der Herrschaft in diesem Teil der Nillandschaft berechtigt gewesen.
Beide - Vater und Bruder - waren jedoch der Reichseinigungspolitik des Narmer und des Aha-Menes zum Opfer gefallen - zu lange hatten sie sich zu verweigern gesucht. Dein Vater fiel im Kampf, Dein Bruder hatte fliehen müssen.
Mit beiden hattest Du Dich, kaum daß Du etwas von Politik zu verstehen begannest, überworfen:
Du entwickeltest Dich rasch zu einem glühenden Verehrer des die neue Pharaonenwürde anstrebenden Aha-Menes. Denn es war Dir (anders als Deinem Vater und Deinem Bruder) immer viel natürlicher und vielversprechender erschienen, an jenem Fluß, der alle ägyptischen Stämme verband, nur ein Reich zu bilden, statt deren mehrere, die sich zeitweilig gar bekriegten.
Deiner Familie blieb es völlig unverständlich, wie Du diesem Ideal die traditionelle Machtfülle selbst der bedeutendsten unter den ägyptischen Stammesfürsten zu opfern bereit warst. Schepsi und Kainofer waren dazu in keiner Weise bereit. Darüber hatttet Ihr Euch bis aufs Blut zerstritten.
Du hattest alle familiären Bindungen über Bord geworfen und Dich - gerade 19jährig - Aha-Menes angeschlossen. Gegen nicht wenige widerspenstige Gaufürsten, Deinen Vater und dann Deinen Bruder eingeschlossen, hattest Du bald als einer der Heerführer des neuen Pharao an den alles entscheidenden letzten Feldzügen teilgenommen.
Einige Deiner gleichgesinnten Vettern waren auf diplomatischem Feld für den neuen Pharao tätig geworden. Gegen andere hattest Du wie gegen Vater und Bruder kämpfen müssen.
Vor nunmehr 4 Jahren schließlich war die Lage für Deinen seine alten Fürstenrechte erbittert verteidigenden Bruder Kainofer so aussichtslos geworden, daß die Zahl der ihm auch weiterhin treu ergebenen Mitstreiter von Tag zu Tag um so vieles geringer wurde, daß er aufgeben mußte, als ihn die Amtsenthebungsurkunde Pharaos erreichte: Es blieb ihm nichts als die Flucht. Seit damals hat niemand mehr etwas von ihm gehört.
Anstelle Deines uneinsichtigen Bruders hatte Aha-Menes gleichzeitig mit dessen Absetzung Dich zum neuen Gaufürsten jenes Gebietes gemacht, das Deine Familie seit Generationen beherrscht hatte. Es gehört zu den fruchtbarsten des ganzen Nilreiches.
Im Auftrag des göttlichen Aha-Menes hast Du nun dafür zu sorgen, daß Kanäle und Bewässerungsanlagen in gutem Zustand bleiben bzw. erweitert oder gar neu angelegt werden. Zeitweilig hast Du auch militärische Aufgaben.
Der zügige Ausbau des königlichen Beamtenapparates beschäftigt Dich, nachdem die Menschen in Deinem Gau nun endlich zur Ruhe gekommen sind, nicht selten einige Stunden des Tages. Wie von Aha-Menes angeordnet, hast Du die Zahl Deiner Schreiber bereits mit Umsicht erhöht, damit Du den großen Bau-Aufgaben, die Pharao seinem Volk auf den verschiedensten Gebieten stellt, besser gerecht zu werden vermagst.
Nicht wenige Deiner alten wie Deiner neuen Beamten neigen immer wieder zu Nachlässigkeiten. Sie müssen Deine Kontrolle spüren. Einzelne gar sind anfällig für Korruption. Dergleichen darfst Du noch weniger einreißen lassen.
Die meisten freilich streben voller Eifer danach, sich ihrer oft eben erst gewonnenen Vorrangstellung in der Gesellschaft auch möglichst würdig zu erweisen. Diese verdienen Deine Anerkennung und Förderung.
Heute vormittag mußt Du gerade wieder einmal einen jener Schreiber wegen Amtsmißbrauchs zur Rechenschaft ziehen, die den alten Verhältnissen nachtrauern und Sand ins Getriebe des neuen Systems zu bringen suchen. Phut heißt er. Die Fellachen zweier Dörfer haben sich deshalb mit Beschwerden an Dich gewandt.
Du fährst viel über Land, um Dir die Sorgen Deiner Beamten und Bauern anzuhören und zu sehen, wie gut man Deine Anordnungen umsetzt.
Alle versuchst Du von den Vorteilen des neuen Pharaonenreiches zu überzeugen.
So gehst Du behutsam vor gegenüber denen, die über die neuen Steuer- und Frondienst-Lasten murren. Sie brauchen Zeit, um zu begreifen, daß es vor allem die Bauvorhaben des Pharao sein werden, die nicht wenigen Fellachensöhnen in naher Zukunft den Aufstieg ins angesehene Kunsthandwerk bringen werden. - Zu nachsichtig wiederum darfst auch nicht sein, sonst bleibt das große Werk des Pharao in den Anfängen stecken.
Das Steueraufkommen Deines Gaues muß für vieles reichen: für die Löhne Deiner Schreiber und Soldaten, für Deine Hofhaltung und Deine eigenen Bauvorhaben, für Schenkungen an verdiente Gefolgsleute und an die Tempel; und nicht zuletzt selbstredend für die entsprechenden Finanzbedürfnisse des Pharao und seiner zentralen Hofhaltung.
Ein in Euer aller Augen ganz wichtiger Ausgabenposten dient dem besonderen Grabkult Eures Volkes...
Du bist gerade 23 Jahre alt geworden und stehst unmittelbar vor Deiner Heirat mit Ipep, der reizenden Tochter des Priesters Pentuer. Du kennst sie schon lange und würdest sie auch heiraten, wenn Du Dich nicht mit einem Mal in sie verliebt hättest.
Denn gute Kontakte zur Priesterschaft sind für einen Gaufürsten, der für seinen Pharao etwas bewegen will, außerordentlich wichtig.
Ohne die Tempelschulen erhielte die für das neue Reich so wichtige Schicht der Schreiber, Aufseher, Richter, Ingenieure, Kunsthandwerker, Ärzte und Priester nicht den erforderlichen Nachwuchs, der mal mehr, mal weniger eingeweiht ist in jenes Wissen, von dem die Mythen erzählen, und eingeweiht in die Fertigkeiten, die Generationen von gebildeten Ägyptern aus diesem Wissen heraus entwickelt haben.
Deine alte, gebrochene Mutter Init lebt mit Dir in Deinem Palast. Nach einigen gescheiterten Intrigen sehnt sie sich nur noch nach dem Tod.
Deine Schwester Chent ist mit dem eher windigen Krieger Eunana verheiratet und hat bereits einen Sohn namens Rudju.
Ipeps Vetter Snofrunefer ist seit Kindertagen Dein bester Freund und heute einer der Baumeister Pharaos beim Bau der Totenstadt in Abydos.