©gabriele weis

1.2.c-bronzezeit 2zurück-pfeil.gif (2419 Byte) l-weiter.gif (2419 Byte)l-gvi.gif (5336 Byte)1.4.a-ALTÄGYPTEN um 1250 v.chr.

 l-gvi.gif (5336 Byte)// ´Geschichte von innen´:  1.3.a  ANTIKE HOCHKULTUREN 1 / ALTÄGYPTEN -

FRÜHZEIT  2950-2650v.Chr.

 

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1.3.b1-fiktive biographie-gaufürst nitagerl-weiter.gif (2419 Byte)l-gvi.gif (5336 Byte)
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l-gvi.gif (5336 Byte)  fiktive erzählerrede:

 

 

Ihr lebt um 2945 v. Chr..

 

Eure Eltern, Großeltern und Urgroßeltern haben zahlreiche Versuche der den Nil entlang wohnenden Stammesfürsten erlebt, Großfürstentümer und Königreiche zu schaffen.

 

 

So waren entlang des Nil zunächst zwei Großreiche entstanden.

 

    

 

 

Schließlich war es gar gelungen, Ober- und Unterägypten zu einem einzigen Reich zusammenzuschließen.

 

Gerade ist die Regierungszeit eines der letzten und wichtigsten Könige der Reichseinigungszeit (3100-2950) zuende gegangen:

Was König Narmer bereits weit vorangetrieben hatte, ...

                   

 

...hat König Aha-Menes nun seit rund 5 Jahren tatsächlich zustande gebracht: Ober- und Unterägypten sind zu einem Reich vereinigt.

 

 

Aha-Menes führt den Titel ´Pharao´ und läßt die Stadt Memphis als neuen Reichsmittelpunkt erbauen.

 

 

Eure Eltern, Großeltern und Urgroßeltern haben von Generation zu Generation umfassender und unausweichlicher lernen müssen, ihr Leben in den Dienst einer immer straffer angelegten gemeinschaftlichen Arbeitsorganisation zu stellen.

 

   

 

 

Hymne an den Nil

»Preis dir, o Nil, der herauskommt aus der Erde
und herbeikommt um Ägypten zu ernähren.
Mit verborgenem Wesen, eine Dunkelheit am Tage …
Der die Fluren bewässert …
Der die Wüste tränkt, die fern vom Wasser ist …
Der Nahrung bringt und reich an Speisen ist,
Der alles Gute schafft …
Der Kraut für die Herden schafft und jedem
Gotte Schlachtopfer gibt …
Der die Speicher füllt und die Scheunen weit macht,
Der den Armen etwas gibt.
Der Bäume wachsen lässt nach jedem Wunsch
und man hat keinen Mangel daran.
Man fängt an für dich auf der Harfe zu spielen
und man singt dir mit der Hand.
Flutet der Nil, so opfert man dir,
mit Weihrauch, Ochsen und Rindern und
Vögeln auf der Flamme,
Der du den Menschen von seinem Vieh leben lässt
und sein Vieh von der Flur.
Du grünst, du grünst o Nil, du grünst.«

 

 

 

Auch die Jahreszeiten wurden  je nach dem Stand des Nils bestimmt:

Jahreszeit:

Die Zeit der Überschwemmung

die Zeit des Sprießens

die Zeit der Hitze

altägypt. Bezeichnung

achet  

peret 

schemu 

Hieroglyphen

 

Die ägyptische Zeitrechnung:

Monat:

ägyptische Bezeichnung:

griechische Bezeichnung:

1.

erster Monat der Überschwemmung

Thôth

2.

zweiter Monat der Überschwemmung

Phaôphi

3.

dritter Monat der Überschwemmung

Athyr

4.

vierter Monat der Überschwemmung

Choaik

5.

erster Monat des Sprießens

Tybi

6.

zweiter Monat des Sprießens

Mechir

7.

dritter Monat des Sprießens

Phamenôth

8.

vierter Monat des Sprießens

Pharmuthi

9.

erster Monat der Hitze

Pachôn

10.

zweiter Monat der Hitze

Paÿni

11.

dritter Monat der Hitze

Epiphi

12.

vierter Monat der Hitze

Mesorê

 

 

 

Mit Hilfe der Schrift und des Kalenders war ein Verwaltungssystem auf- und ausgebaut worden, das dazu führte, daß die Arbeit jedes einzelnen immer wirkungsvoller wurde.

 

So hatten sich die Lebensverhältnisse erheblich gebessert, aber sie waren nun auch um vieles geregelter als früher.

 

 

Seit 5 Jahren lebt Ihr nun in einem ganz Ägypten umspannenden Großreich.

 


oberägyptische Landesgöttin Nechbet unterägyptische Landesgöttin Uadjet

 

Das heißt: 

Ihr lebt in einem Beamtenstaat, dessen Zentrum der Hof und dessen Spitze der Pharao ist.

 

             

   

 

 

 

Euer Pharao überragt alle seine Mitmenschen an Bedeutung.

 

               

Der Pharao hält die Göttin der Gerechtigkeit, Weltordnung und Wahrheit in der Hand - Maat als  federgeschmückte Frau

 

Er ist mehr als ein mächtiger Herrscher, der durchgesetzt hat, daß alles Land letztlich ihm gehört und daß sich deshalb alle Nil-Anwohner - seien sie Fellachen (=Bauern), Handwerker, Händler, Krieger, Beamte oder Priester - seinen Befehlen, stellvertretend ausgesprochen durch seine Beamten, zu beugen haben.

 

Er selbst und Euer Volk erklären sich seine unvergleichliche Machtfülle mit Hilfe der religiösen Vorstellungen, die Eure Vorfahren in mittlerweile 4 bis 5 Jahrtausenden seßhaften Lebens am Nil entwickelt haben:

 

Eure Mythen (= Welterklärungserzählungen) halten Euch dazu an, die Wurzeln Eurer Kultur als ein Werk der Götter zu begreifen:   Ihr seid davon überzeugt, daß einst einige Eurer Götter selbst die Erde regiert haben. Dann haben sie Euch dadurch eine besonders weise Form der Königsherrschaft geschenkt, daß sie sich in jedem Eurer als Pharao herrschenden Könige von neuem mit den ihnen eigenen Kräften verkörpern:

 

 

Noch vor gar nicht so langer Zeit, so erzählt man es Euch nun immer öfter, haben zwei dieser Götter, Bruder und Schwester, dafür gesorgt, daß am Nil eine Königsherrschaft entstand, die weise genug war, das Leben von Mensch und Natur zu erhalten und zu mehren.

Isis, die vielfältig Menschen- und besonders Kinderfreundliche, und Osiris, der Erd- und Vegetationslenker, - so hießen die beiden - taten das, als sie sich entschlossen, ihre dem Leben zugewandten Kräfte in Form einer eigenen Götterfamilie zu vereinigen, um sie in einem gemeinsamen Sohn zu erweitern bzw. zu verstärken. Die Frucht ihrer Vermählung nannten sie Horus. Er sollte die Kräfte seiner Eltern mit der Kraft der Sonne zum Leben bringen. - Entsprechend seht Ihr in Osiris den Begründer Eures Wohlstandes und in Horus dessen immerwährenden Erhalter.

Der Kampf nun, den Isis und Osiris unterdessen mit ihrem neidischen Bruder Seth zu bestehen hatten, hatte die Nilbewohner nicht nur diesseits des Todes mit der Sorge jener neuen Götterfamilie beschenkt, so wissen es Eure Weisen zu berichten: Denn Osiris war in diesem Kampf nicht allein das Mordopfer des neidischen Seth geworden. Dieser hatte ihn auch noch um sein jenseitiges Leben bringen wollen, indem er die Leiche des Bruders zerstückelt im ganzen Lande verteilt hatte. 

 

Isis dagegen hatte nicht geruht, bis sie alle Überreste ihres geliebten Bruder-Mannes ausfindig gemacht und sie in Würde wieder zusammengefügt und bestattet hatte - Voraussetzung für die Möglichkeit einer Fortexistenz in jener Unterwelt jenseits des Todes, die allem, was lebte, bereit stand.

Der durch die über den Tod hinausgreifende Liebe seiner Schwester-Frau mit einem Leben jenseits des Todes beschenkte Erd- und Vegetationslenker hatte damit ´dank´ der Mordtat seines Bruders in seine Sorge um das Wohl der Nilbewohner auch das Jenseits einbeziehen können - einen Sohn zurücklassend, der statt seiner das Wohl des Erdkreises in Händen hielt. Was Osiris im Leben gewesen war, wurde er für die Menschen seines Herrschaftsbereiches nun auch in der Unterwelt, die diese einst erwarten würde: Herr und Schenker einer weisen Ordnung.

       

          

Seitdem, so erzählen es Euch Eure Weisen, haben Vater und Sohn ein höchst geheimnisvolles Band zu Euch Nilbewohnern geknüpft: Sie verkörpern sich immer von neuem in jedem Eurer pharaonischen Reichseiniger oder Reichserhalter!

Als Lebender ist Euer jeweiliger Herrscher Horus.

Sobald er gestorben ist, nimmt er die Gestalt des Osiris an.

 

 

 

 

Die Flußlandschaft, in der Ihr lebt, macht Euer Volk seit Urzeiten hellwach für das Zusammenspiel von Werden und Vergehen, das alles Leben bestimmt.

 

Dieses Zusammenspiel ist Euch heilig, und Ihr erklärt es Euch mit Hilfe der Götter, die Ihr verehrt.

Auch diese Götter unterliegen ihm: sie sind sterblich, und ihre Wiedergeburt im Jenseits erhält den Menschen ihre Kraft. - Im Falle des Osiris erneuert sich diese Kraft in jedem neu ins Totenreich eintretenden Pharao.

Und diese Götter sind zeugungsfähig. Was sie gezeugt haben, setzt sich in immer neuen Verkörperungen in der Welt fort.

 

Politische Herrschaft  - und damit eine wohlstandsförderliche Lebensorganisation -  kann in Euren Augen nur gelingen, wenn sie mit dem Zusammenspiel von Werden und Vergehen, von Leben und Tod so vertraut ist wie jene Eurer Götter, die Euch diese Herrschaft einst gebracht haben...    - wenn diese Herrschaft also selbst göttlich ist!

 

Deshalb sehen Eure Zeitgenossen im ersten Eurer Pharaonen, Aha-Menes, wie in jedem seiner Nachfolger einen neuen Horus, der sich nach seinem Tod wandeln wird in Osiris.

Herrschaft über die Lebenden und Herrschaft über die Toten sind für Euch deshalb wie die zwei oberflächlich verschiedenen Seiten ein und derselben Medaille.

Nur wenn Eure Pharaonen zwischen Leben und Tod ihr Antlitz wandeln  - so, wie der Fluß, dem Ihr alle Euer Leben verdankt, das Gesicht der Landschaft wechseln läßt zwischen Trockenheit, Überschwemmung, aufblühender Vegetation und erneuter Trockenheit -,  wenn sie also Horus sind, um Osiris zu werden, ist Euer Auskommen im Leben wie im Tode gesichert. Seit Aha-Menes über Euch herrscht, beginnen immer mehr von Euch in solchen Zusammenhängen zu denken.

 

 

Als die eine wachsende Zahl von Zeitgenossen in ihren Bann ziehende Verkörperung des Sonnengottes Horus hat nun der Ober- und Unterägypten seit 5 Jahren gemeinsam regierende Aha-Menes dem Land einen einheitlichen Aufbau gegeben:

 

Horus und Seth (rechts) schließen Frieden und vereinigen die beiden Länder 

Herrschaftliche Symbole und Insignien

Kopfbedeckungen des Pharao

 

Das ganze Land ist in Gaue eingeteilt, größere Teilgebiete, an deren Spitze ein Gaufürst für die Ausführung der Befehle Pharaos zu sorgen hat.

 

Seit dem Beginn der Reichseinigung wurde Ägypten in Oberägypten (Süden) und in Unterägypten (Nildelta) aufgeteilt. Diese beiden Landeshälften teilte man wiederum in 22 südliche und 20 nördliche Provinzen, die sogenannten Gaue. Eingeführt wurde dieses System spätestens ab der 3. Dynastie unter Pharao Djoser und hatte bis in die griechisch-römische Zeit Bestand. Die Hieroglyphen der älteren Gaue wurden zusammen mit einer Standarte geschrieben und beinhalten zumeist die örtlich zuständigen Schutzkräfte, wie zum Beispiel Hund, Schlange, Schakal oder Krokodil. Bei den jüngeren Gauen genügte allein der Name und es wurde auf das Standartenzeichen verzichtet. Die Gaue wurden von zunächst von königlichen Verwaltern und dann von Gaufürsten geleitet, die eine große Eigenständigkeit besaßen und  große Macht ausübten. Die Blütezeit dieser Gaufürsten lag in der Zeit vom Alten Reich bis in die 12. Dynastie. Dann wurden die Gaufürsten von Militärbeamten abgelöst. Schließlich im Neuen Reich, wurden "Bürgermeister" eingesetzt, um die Gaue zu verwalten.

Die untenstehende Tabelle führt alle 44 Gaue mit ihren Standartenzeichen, der Hauptstadt, der Hauptgottheit und dem jeweiligen Namen auf: 

  Zeichen Name Hauptstadt Hauptgottheit weiteres Zentrum
1. oberägypt. Gau Ta-Seti
"Nubierland"
Elephantine Chnum
Satis
Kom Ombo
2. oberägypt. Gau Wtjset-Hor
"Horus-Thron"
Edfu Horus von Edfu  
3. oberägypt. Gau Nechen
"Landeplatz"
Hierakonpolis Horus
Nechbet
Esna
4. oberägypt. Gau Waset
"Zepter-Gau"
Armant Month
Amun
Theben
5. oberägypt. Gau Netjerui
"Die beiden
Göttlichen"
Koptos Min Ombos
6. oberägypt. Gau Iqer
"Krokodil-Gau"
Dendera Hathor  
7. oberägypt. Gau "Bat-Gau" Hut-Sechem Bat Diospolis Parva
8. oberägypt. Gau Ta-Wer
"Ältestes Land"
Thinis Onuris
Osiris
Abydos als wich-
tigster Kultort
9. oberägypt. Gau "Min-Gau" Achmin Min von Ipu Sohag
10. oberägypt. Gau Wadjit
"Schlangen-Gau"
Kau el Kebir Antiu
(Horus und Seth)
 
11. oberägypt. Gau "Seth-Gau" Schashotep Horus
Seth
Deir Rifeh
12. oberägypt. Gau Atfet
"Hornviper-Gau"
Iakemet Matit Deir el-Gabrawi
13. oberägypt. Gau Nedjfit chentit
"Vorderer
Granatapfel-Gau"
Assiut Upuaut  
14. oberägypt. Gau Nedjfit pechtit
"Hinterer
Granatapfel-Gau"
Qusae Hathor  
15. oberägypt. Gau Wenet
"Hasengau"
Hermopolis magna Thot Neferusi,
el-Armana
16. oberägypt. Gau Ma-hedj
"Gazellengau"
Hebenu Horus Menat-Chufu
17. oberägypt. Gau Input
"Weiblicher Welpen-Gau"
Henu, Sako Anubis Hardai
18. oberägypt. Gau Nemti
"Falken-Gau"
Hut-nesut Horus-Dunanui Hut-Benu
19. oberägypt. Gau Wabui
"Doppelszepter-Gau"
Seper-Meru Den
Seth
Oxyrhynchos
20. oberägypt. Gau Naret chentit
"Vorderer
Oleander-Gau"
Herakleopolis magna Harsaphes  
21. oberägypt. Gau Naret pechtit
"Hinterer
Oleander-Gau"
Kafr Ammar Chnum  
22. oberägypt. Gau Medenit
"Messer Gau"
Atfih Hathor
Neith
 
 
1. unterägypt. Gau Inebu-hedj
"Weiße Mauer-Gau"
Memphis Ptah Itj-taui
2. unterägypt. Gau Chepesch
"Rinderschenkel-Gau"
Letopolis Horus  
3. unterägypt. Gau Imentet
"West-Gau"
Kom el-Hisn Hathor Hut-ihit
4. unterägypt. Gau Neith resit
"Südlicher Neith-Gau"
Sais Neith  
5. unterägypt. Gau Neith mechit
"Nördlicher Neith-Gau"
Sais Neith  
6. unterägypt. Gau Chasuw
"Bergstier-Gau"
Xois Chasu,Re,
Amun-Re, Horus
 
7. unterägypt. Gau Wa-em-Huu-ges-imentet
"Harpunen-Gau"
"Westliche Hälfte"
Besta    
8. unterägypt. Gau Wa-em-Huu-ges-iabtet
"Harpunen-Gau"
"Östliche Hälfte"
Pithom Atum
Osiris
 
9. unterägypt. Gau Anedjti
"Weidegebietrsgott-Gau"
Busiris Osiris  
10. unterägypt. Gau Kem-wer
"Großer Schwarzer (Stier)-Gau"
Athribis Chentechtai  
11. unterägypt. Gau Hesbu
"Der-Geschlachtete-Gau"
Leontopolis Miysis
Bastet
Tell el-Jahudija
12. unterägypt. Gau Tjeb netjeret
"Kalb- und göttliche Kuh-Gau"
Sebennytos Onuris  
13. unterägypt. Gau Heka-andju
"Der Herrscher ist heil"
Heliopolis Re-Harachte Su
14. unterägypt. Gau Japti
"Ost-Gau
Sile Horus von Mesen  
15. unterägypt. Gau "Ibis-Gau" Hermopolis parva Thot  
16. unterägypt. Gau Hat-mehit
"Spitze der Fische-Gau"
Mendes Hat mehit Thmuis
17. unterägypt. Gau "Behedet-Gau" Sema-Behedet Amun-Re
Ptah
Horus
 
18. unterägypt. Gau Imet chenti
"Vorderer Königskind-Gau"
Bubastis Bastet  
19. unterägypt. Gau Imet pechti
"Hinterer Königskind-Gau"
Buto Uto Tanis
20. unterägypt. Gau "Sopdu-Gau" Per-Sopdu Sopdu  

 

 

Es gibt einen Hof- und einen Landadel.

Der Landadel stellt die dem Pharao persönlich verpflichteten Gaufürsten, die Heeresfolge zu leisten haben und für die Organisation des Kanalbaus und der Bewässerungsanlagen zuständig sind.

Die höchsten Posten in der Reichsverwaltung sind in den Händen des Hofadels und der obersten Priesterschaft.

 

Den Kern der neuen Reichsverwaltung bilden nichtadelige Beamte: Aufseher und die nun gezielt erweiterte Gruppe der Schreiber.

 

 

Einen solchen, auf ein starkes Zentrum für beide Teile Ägyptens hin ausgerichteten Staatsaufbau durchzusetzen, war für Aha-Menes alles andere als leicht gewesen:

Er hatte manchen Gebietsfürsten in offenem Kampf zur Unterwerfung zwingen und für abgesetzt erklären müssen.

 

         

 

Auch für die Bauern, Handwerker und Händler, hat sich mit dem neuen einheitlichen Reichssystem einiges geändert:

 

Zu den Fronarbeitspflichten im Bereich der traditionellen Gemeinschaftsaufgaben, die mit dem Fluß und seiner Nutzung zusammenhängen, kommen nun neue Steuerpflichten hinzu.

 

Denn das Reich Eures neuen Pharao braucht selbstredend ein allseits sichtbares Machtzentrum, eine ausdrückliche Hauptstadt. Memphis soll sie heißen. Und im oberen Nildelta ist bereits mit ihrem Bau begonnen worden.

 

Darüber hinaus verlangt das Gottkönigtum Eures neuen Pharao besondere Anstrengungen im Bereich Eures Totenkultes. Ganze Totenstädte sollen fortan dafür sorgen, daß Euer Leben auch im Totenreich ein gemeinschaftlich wohlgeordnetes sein wird. Abydos am Mittellauf des Nil ist seit wenigen Monaten der Ort, an dem Aha-Menes eine tempelgekrönte Mastaba-Stadt errichten läßt. Geschmückte Grabkammern aus Lehmziegeln unterstellen hier die künftigen Toten aus dem Hofstaat Eures Pharao der alles erhaltenden und dennoch wandelnden Kraft des Todes und des Herrn der Unterwelt.

 

 

Bei beidem ist zigtausendfältig Hand anzulegen. 

Also müssen nun jedes Jahr zur Zeit der Überschwemmung viele Eurer Männer weg von ihren Familien und beim Bau von Königspalast, Tempel, Hafen Markt, Speichern und Mastaben im Bereich der Erd-, Maurer- und Transportarbeiten ihre Körperkraft zur Verfügung stellen.

 Nahrung und Kleidung für diese Zeit sind der einzige Lohn für die schweißtreibende Plackerei, die sich mit all diesen Bauvorhaben verbindet. So leisten Eure Familien einen Teil der Euch nun zusätzlich zu Euren Fronarbeiten auferlegten Steuerverpflichtungen ab.

Bei beidem fällt jedoch auch in wachsendem Umfang Fachmannsarbeit an, für die man ausgebildete Kräfte braucht, die ohne Lohn nicht zu kriegen sind. Und auch das Material kostet!

 

Über diesen Bauvorhaben wie über der gesamten nun straff durchorganisierten Landesverwaltung wächst selbstredend nicht minder kostenträchtig das staatliche Aufgabenfeld der Arbeitsorganisation, der Vorratswirtschaft, des Landesschutzes gegen Feinde von außen, der Rechtsprechung und nicht zuletzt, aber all das finanzierend, das der Steuereintreibung!

Das heißt: Ihr habt nicht allein mehr befehlsgemäß zur Bestellung Eurer gemeinschaftlich angelegten Felder und zur Pflege und Neuanlage der alles entscheidenden Bewässerungsgräben anzutreten, ...

....Ihr habt nicht nur Arbeitsdienste bei den großen Bauvorhaben Eures Phrarao wie Eures Gaufürsten abzuleisten, ...

...Ihr müßt auch von Euren Ernteerträgen weit mehr für das neue Großägypten abzweigen als bisher häufig unter der Herrschaft kleinerer Gebietsfürsten!

 

Aber Ihr habt auch Vorteile: 

Je geschickter Ihr unter der Anleitung Eurer Priester und Beamten, die das Wissen weiterentwickeln, Eure landwirtschaftlichen Tätigkeiten zu organisieren lernt, je mehr Aufgaben außerhalb der Landwirtschaft entstehen und nach Menschen verlangen, die sie ausführen, desto öfter kann das eine oder andere Familienmitglied die Welt der einfachen Fellachen hinter sich lassen und in Handwerk, Handel oder Beamtenapparat sein Unterkommen finden. Ihr produziert nun mehr, und die Buntheit und Vielfalt Eurer Produkte in Stadt und Land wächst.

 

 

 

Aha-Menes hat seine neue Machtstellung dazu benutzt, auch das Recht auf die Vergabe von Handelsprivilegien (= -vorrechten) an sich zu ziehen, und er versteht sich darauf, dem Handel neue Impulse (=Anstöße) zu geben.

 

Auch den Bergbau hat er ausdrücklich zur Sache der Reichsverwaltung gemacht: gerade jüngst hat er Befehl gegeben, die Kupferminen im Sinai-Gebirge in staatlichem Auftrag ausbeuten zu lassen. Für Euer Land ist damit das Ende der Steinzeit gekommen, und es bricht die Bronze-Zeit an!

 

 

 

Der Ausbau der bestehenden Beamtenschaft zu einem allseits durchorganisierten und auf den Hof in Memphis zentrierten Beamtenapparat verändert auch die Stellung der Schreiber in Eurer Gesellschaft:

Nicht jeder der auf diesem Gebiet schon länger Tätigen versteht es, sich darauf einzurichten, in welchem Umfang er mit einem Male nur noch einer von vielen ist, die noch dazu beinahe täglich mehr werden.

Viele der schon länger Beamteten tun sich überdies schwer damit, ihren alten Herren die Treue zu brechen, sofern diese sich der Reichseinigungspolitik des Aha-Menes widersetzt hatten. Oder sie tun sich schwer damit, daß die neuen Gaufürsten den alten Bestechungsschlendrian, in dem sie sich eingrichtet hatten, nun den Kampf ansagen.

Wer von diesen sein Amt behalten will, muß sich also gewaltig umstellen. Der neue Herr verlangt nicht selten erheblich bedingungslosere Treue als der alte, und er verlangt eine zunehmend speziellere Leistung auf der Grundlage einer fraglosen Einfügungsbereitschaft in das immer besser durchorganisierte Leistungsgefüge der nun vereinheitlichten Reichsverwaltung.

 

 

Für die breite Masse Eures Volkes hängt es gerade in der Übergangszeit, in der Ihr lebt, oft sehr stark von der Treue Eures Gaufürsten und der für Euer Gebiet zuständigen Beamten zu ihrem neuen Pharao ab, ob sie die veränderten Lebensverhältnisse als eher bedrückend oder aber als einen Aufbruch in glanzvolle neue Zeiten erlebt.

 

 

Was sich in Eurem Leben nicht verändert hat, ist sein vom Fluß bestimmter Rhythmus:

Die Nilschwelle bringt Euch Jahr für Jahr eine von Juni bis Ende September währende ´Zeit der Überschwemmung´, gefolgt zwischen Oktober und Februar von einer Phase des ´Auftauchens der Felder aus dem Wasser´, bis von März bis Juni die ´Zeit der Trockenheit´ den Kreislauf der Jahreszeiten beschließt.

Dieser Jahreszeiten-Zyklus hat Auswirkungen auf Eure mit den Jahreszeiten wechselnden Tätigkeitsfelder: der Pharao und sein Verwaltungsapparat bestimmen, welche meistenteils gemeinschaftlich organisierten Arbeiten Ihr wann, in welchem Umfang und unter welchen Zielsetzungen auszuführen habt.

 

Der Jahreszeiten-Zyklus hat darüber hinaus Einfluß auf Euer Denken:

Der Fluß, der es überhaupt erst ermöglicht, in diesem sonst nur Wüste bietenden Winkel der Erde staunenswert auskömmlich zu leben, macht Euch hellwach und sensibel für die innere Ordnung der Welt. - Ihr nennt sie ´maat´ und verbindet mit ihr Werte wie ´Ordnung´, ´Wahrheit´, ´Gerechtigkeit´, ´Rechtschaffenheit´.

Eure Götter repräsentieren für Euch die Kräfte, die in der Welt wirken und auf die die Existenz der Welt überhaupt zurückgeht.

Wenn die Menschen, so denkt Ihr, diese Werte und die Götter, die sie repräsentieren, als unveränderliche Eigenschaften der Welt begreifen lernen und ihr Gemeinschaftsleben nach ihnen ausrichten, wird nicht nur in ihrem irdischen Leben die Welt alles an sie austeilen, was sie zum Leben brauchen. 

- Auch Euer jenseitiges Leben wird sich dann für Euch als jene Ansammlung von Glücksmomenten darstellen, als das es Euch die Weltordnung prinzipiell bereithält!

Der Dienst an den Göttern steht deshalb im Zentrum des Lebens von Euch allen, in dem des Lebens Eurer Priester aber ganz besonders.

 

 

Ihr seid in einer Welt groß geworden, in der ein wachsendes Volk in Jahrtausenden gelernt hat, daß es kein unwägbares Risiko darstellt, sich vertrauensvoll abhängig zu machen von einem ebenso verheerenden wie fruchtbringenden Naturereignis wie der Nilschwelle. 

Vertrauen in die Ordnung der Natur prägt Euer ganzes Lebensgefühl nicht minder als die Erfahrung, daß ein ebenso frommer wie geordneter Umgang mit den Kräften und Geschenken der Natur Euch einen Ausbau Eurer Lebensgrundlagen ermöglicht, der Euch wachsenden Wohlstand einbringt und eine unanfechtbare Stellung unter den Völkern Eurer Nachbarschaft.

 

 

Vertrauen viel mehr als Ängstlichkeit bestimmt deshalb auch Euer Verhältnis zum Tod.

 

 

Da nichts mit seinem Vergehen auf dieser Erde einfach verloren ist, sondern immer in irgendeiner Art von veränderter Gestalt wieder auftaucht, erscheint es Euch als eine absolute Selbstverständlichkeit, daß Euer Leben in einer Welt jenseits des Todes weitergeht. Ihr verwendet deshalb einen nicht unwesentlichen Teil Eures Lebens darauf, Euer eigenes Grab wie das Eurer Fürsten und nun vor allem jenes des Pharao vorzubereiten.

 

 

In der Zeit, die mit der Herrschaft des Aha-Menes eben begonnen hat, verändert sich nicht allein die äußere Ordnung Eures Lebens. Auch Eure Jenseitsvorstellungen erhalten einen neuen Mittelpunkt: 

Eine wachsende Zahl Eurer Zeitgenossen beginnt in der diesseitigen wie der jenseitigen Göttlichkeit Eures Pharao die Quelle nicht allein Eures irdischen, sondern mindestens ebenso sehr auch die wichtigste Quelle Eures jenseitigen Glücks zu sehen. Im Grab des Pharao abgebildet oder erwähnt zu sein, gibt Eurem Leben nach dem Tod den im maat der Welt vorgegebenen Ordnungsrahmen.

 

Gemäß den Befehlen Pharaos nicht nur an dessen neuer Hauptstadt Memphis, sondern auch am Ausbau der königlichen Totenstadt in Abydos mitzubauen, erlegt denen unter Euch, die man dazu heranzieht, mehr als eine unter Umständen deutlich lebensverkürzende Plage auf. Sie verschafft Euch im Gegenzug einen gewissen Anteil an der jenseitigen Osiris-Existenz Eures Pharao.

 

Im Diesseits verändern sowohl der Bau der neuen Reichshauptstadt als auch der Ausbau der weitläufigen Königsgrabanlagen in Abbydos und Sakkara mit ihren zahlreichen Nebenbestattungen, die ein Abbild der hierarchischen Struktur der Gesellschaft Deiner Zeit sein sollen, die Wirtschaft Eures Landes erheblich:

Die vielfältigsten Fertigkeiten sind plötzlich gefragt. Die Anzahl der Handwerker unter Euch wächst. Auch die Anzahl der Einzelgewerke.

 

 

Die Unbotmäßigkeit einzelner Gaufürsten und Schreiber oder auch von Teilen der Priesterschaft führt vereinzelt immer wieder zu Konflikten, in die alle Bevölkerungsteile in den jeweils betroffenen Gebieten immer auch mehr oder minder stark hineingezogen werden.