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 l-buch.jpg (1728 Byte)1.13.  ALTGRIECHISCHE HOCHKULTUR:

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// auszug aus: ´geschichte von innen´ l-gvi.gif (5336 Byte)erzählerrede:

 

Die Situation auf der Balkanhalbinsel um 560 v.chr.:

 

Sie beherrscht das östliche Mittelmeer und bildet den Kern des späteren Griechenland.

An den Halbinselbereich mit seinen sehr unruhigen Küstenstreifen schließt sich - die gesamte Ägäis überspannend - eine äußerst vielgestaltige und vergleichsweise dichte Inselwelt.

Die südlichste und größte dieser Inseln: Kreta.

 

 

 

 

Hier haben seit der Mitte des 19. vorchristlichen Jahrhunderts die indogermanischen IONIER und ÄOLER/ACHÄER die sagenumwobene griechische Frühzeit eingeläutet.

HOMER schildert sie rund ein Jahrtausend später in seinen großen Epen (=Verserzählungen): ´Ilias´ und ´Odyssee´.

 

Diese Stämme waren ganz allmählich in das Halbinselgebiet eingesickert und zunehmend mit der bis dahin ausschließlich bäuerlichen Bevölkerung verschmolzen.

Im Laufe dieses Verschmelzungsprozesses hatten sie gemischte Geschlechterverbände gebildet:

Diese hatten als neuer Reiteradel aus eingewanderten und alteingesessenen Clanführern für die Deckung der Interessen einer nunmehr vergleichsweise dichten Bevölkerung zu sorgen.

Denn die größer gewordene Einwohnerschaft der Halbinsel war nun zunehmend auf eine Erweiterung ihrer Existenzgrundlagen durch Handwerk und Handel angewiesen, sollte Leben und Wachstum auf Dauer gesichert bleiben.

 

Das ging nur, wenn die Geschlechterverbandsführer es verstanden, zunächst einmal die Landwirtschaft so zu organisieren, daß Handwerker, Händler, Seeleute und Kämpfer bzw. die Lenker der Gemeinwesen miternährt werden konnten.

 

Deshalb hatte der nun alle Organisations- und Schutzfunktionen auf sich vereinende Reiteradel immer ausgeprägter arbeitsteilige Lebensformen in seinen Geschlechterverbänden eingeführt.

 

Solange das eigene Warenangebot noch allzu bescheiden war, um damit einen gewinnträchtigen Handel zu betreiben, hatte dieser Adel seine Führungsfähigkeit auch dadurch zu beweisen gehabt, daß er dieses Warenangebot im Wege wohlorganisierter Seeräuberei zu vermehren und zu verbessern gewußt hatte!

Vermehren ließ sich dieses Warenangebot aber vor allem durch den wachsenden Einsatz von Sklaven - also von Arbeitskräften, die denkbar wenig vom Ertrag der von ihnen produzierten Güter zu beanspruchen hatten!

Diese Vermehrung des Arbeitskräftepotentials würde es mit der Zeit ermöglichen, eine begrenzte Zahl von Clanmitgliedern aus der Landwirtschaft abzuziehen und sie stattdessen in Handwerk, Handel und Seefahrt einzusetzen - häufig als Halter entsprechend spezialisierter Sklaven, versteht sich.

 

 

Die landschaftlichen Bedingungen auf der Balkan-Halbinsel - gebirgige Verhältnisse, in sie eingelassen eine Vielzahl kleiner Beckenlandschaften, die sich häufig zum Meer hin öffneten - hatten die Geschlechterverbände zu räumlich und politisch getrennten Siedlungsformen veranlaßt und zwischen ihnen so etwas wie eine natürliche Rivalität entstehen lassen.

Diese Rivalität war dem Aufbau des neuen ständischen Gesellschaftssystems - strenge gesellschaftliche Trennung zwischen Organisatoren und Organisierten, zwischen clanführendem Reiteradel und übriger Bevölkerung also - außerordentlich förderlich gewesen.

Denn diese Rivalität bot dem Adel Gelegenheit, seine Führungs- und Kampfstärke ausgiebig unter Beweis zu stellen. Schließlich hing der Wohlstand eines Geschlechterverbandes noch auf einige Zeit auch vom Eigentumserwerb durch Diebstahl bzw. vom Eigentumsschutz durch Waffengewalt ab.

Und: der Wettbewerb unter den Geschlechterverbänden förderte in nicht zu unterschätzendem Maße eine kulturell immer eigenständigere Aneignung und originelle Weiterentwicklung verwandten wie fremden Kulturguts, zu dem man ganz bewußt einen möglichst vielfältigen Zugang suchte.

 

So war der Bau mächtiger Burganlagen zum Mittelpunkt der den Geschlechterverbänden obliegenden Gemeinschaftsleistungen in der griechischen Frühzeit zwischen 1600 und 1150 v.Chr. geworden.

Im Zentrum eines beeindruckenden Burganlagengürtels entlang den südlichen Küstenregionen der Balkanhalbinsel hatte die monumentalste dieser Burgen gestanden:

Mykene, die ´goldreiche Herrscherin der Argolis´ - und offenbar Herrin über nicht wenige Nachbarburgen.

Im 15. Jhd. waren die Mykener offenbar soweit zu Herren der Ägäis geworden, daß sie der damals bereits über 1 Jahrtausend alten ägäischen Inselkultur auf Kreta die Seeherrschaft streitig machen konnten.

Wie weit die Zerstörung des Palastes von Knossos im Jahre 1425 v.Chr. als Werk der Mykener gelten kann, ist allerdings ungewiß.

In jedem Fall hatte der UNTERGANG DER 1000JÄHRIGEN MINOISCHEN KULTUR Kretas im 15. vorchristlichen Jahrhundert die BLÜTEZEIT der MYKENISCHEN KULTUR möglich gemacht - namentlich ihr Ausgreifen auf den gesamten ägäischen Raum bis nach Kleinasien hinüber.

 

Seit der Mitte des 13. Jhds. v.Chr. hatten sich die mykenischen Burgherren dann zunehmend gegen eine ihnen kampftechnisch überlegene Gruppe von Zuwanderern zu verteidigen gehabt:

Schließlich waren sie den mit Eisenwaffen kämpfenden dorischen Eroberern unterlegen.

Ihre Burganlagen waren zerstört worden.

 

Der von den Mykenern nicht zu verhindernde ZUZUG DER DORER hatte in der gesamten griechischen Welt zu einer Neuverteilung der Siedlungsräume der einzelnen Stämme geführt - Versklavungen gebietsweise begrenzter Bevölkerungsteile eingeschlossen, besonders auf der Peloponnes, im neuen Herrschaftszentrum der Dorer um Sparta herum.

 

Die griechischen Stämme sahen sich infolgedessen in viel größerem Umfang als bisher zu ausgedehnten Landnahmen bis nach Kleinasien hinüber veranlaßt.

Die IONIER konzentrierten sich fortan auf Attika, Euböa und Kleinasien.

...?!

 

 

Zwischen 1200 und 1000 v.Chr. – in der Zeit der Neuverteilung der Siedlungsräume also - bildeten sich in den verschiedenen Stammesregionen häufig zunächst KÖNIGSHRRSCHAFTEN heraus.

 

Nach Beendigung der Siedlungsraumverschiebungen erfolgte aber im Gebiet des alten minoisch-kretischen Kulturraumes - mit Ausnahme Spartas - allenthalben der Übergang zur ADELSHERRSCHAFT.

Nur in den zunächst noch sehr ausgedehnten Randgebieten dieses traditionellen Kulturraumes auf der Balkanhalbinsel sollte das Königtum länger erhalten bleiben - im nordostgriechischen Makedonien sogar auf Dauer.

 

 

 

Der Kontakt mit den orientalischen Kulturen Kleinasiens hatte die Vorsteher der griechischen Geschlechterverbände mit neuen organisatorischen Möglichkeiten und Erfordernissen konfrontiert.

Städte waren das bis dahin entwickeltste Instrument der Völker ihres Gesichtskreises, um eine allmählich fortschreitende Arbeitsteilung in immer spezialisiertere Handwerke und einen wachsenden Handel zu erreichen.

 

Ganz entsprechend den landschaftlichen Gegebenheiten, die schon die Lebensweise der Mykener bestimmt hatten, entschieden sich die Griechen nun für ein Stadtstaaten-Modell, wie sie es bei den Phönikiern in begrenztem Maßstab und mit eigener Akzentuierung kennengelernt hatten - und schnitten es auf ihre eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen hin zu:

Was sie sich auf diese Weise nun schufen, waren räumlich bewußt begrenzte, aber nicht zu kleine Gebietsherrschaften mit einem städtischen Kern.

Dieser städtische Kern diente dazu, die anfallenden wirtschaftlichen, politischen und religiösen Gemeinschaftsangelegenheiten mit wachsender Wirksamkeit zu organisieren.

Etwa von der Jahrtausendwende an hieß ein solcher griechischer Stadtstaat POLIS, Mehrzahl: Poleis.

 

Anders als etwa die Ägypter und viele andere orientalische Völker entwickelten die Griechen damit für den Zeitraum zwischen dem 10. und dem 4. Jhd. v.Chr. KEINE REICHSKULTUR!

 

 

 

Jetzt im 6. Vorchristlichen Jahrhundert, in dem Ihr lebt, hat die in ihrer Vielgestaltigkeit und Eigentümlichkeit in Eurem Gesichtskreis einmalige griechische Polis-Kultur bereits eine nahezu 400jährige Geschichte hinter sich.

An ihrem Ausgangspunkt hatte der SYNOIKISMOS - die willentliche Zusammensiedelung - des Adels gestanden, der auf diese Weise in bis dahin rein dörflich strukturierten Gebieten für die Entstehung der angestrebten städtischen Kerne gesorgt hatte.

Wo die Burganlagen der Mykener das Zentrum einer Landschaft ausmachten, hatte man deren Reste zu den angestrebten Stadtanlagen entwickelt.

 

 

 

Ab dem 8. Vorchristlichen Jahrhundert hatte das zunehmende Bevölkerungswachstum die Polisbewohner landhungrig werden lassen:

Handelspolitische Erwägungen und persönliche Abenteurerlust taten ein Übriges. Also entschlossen sich die griechischen Poleis zur Gründung von weiträumig über den gesamten Mittelmeerraum verteilten Tochterstädten.

Rund 2 Jahrhunderte lang hatte dieser KOLONISATIONSVORGANG gedauert: von 750-550 v.Chr.

 

 

 

Die RÜCKWIRKUNGEN dieses Kolonisationsvorganges kehren nun im 6. vorchristlichen Jahrhundert in den meisten griechischen Stadtstaaten das Unterste zuoberst:

Denn über dem Kolonisationsprozeß ist nicht nur die Bedeutung des Handels ganz allgemein enorm gewachsen.

Mittlerweile bedient sich, angeregt durch kleinasiatische Geschäftspraktiken, auch in Griechenland der Handel der GELDWIRTSCHAFT.

Und: er gibt in der erweiterten Form, in der er sich infolgedessen abspielt, den Anstoß zu neuen Formen dessen, was man ab dem 18. Jhd. n.Chr. internationale Arbeitsteilung nennen wird.

Folge: zunehmende Schwierigkeiten für die traditionelle griechische Landwirtschaft. - Immerhin ist die traditionelle Palette landwirtschaftlicher Produkte, von denen sich die Polisbewohner bis dahin ernährt hatten, auf den ägäisch-vorderasiatischen Märkten billiger zu haben als in Griechenland selbst!

Wer folglich von nun an als griechischer Bauer überleben - also soviel über seinen unmittelbaren Nahrungsbedarf hinaus produzieren können will, daß er sowohl seinen übrigen Gebrauchsgüterbedarf als auch die Abgabensumme an seinen Clan-Chef am Markt für seine Ernteüberschüsse einzulösen vermag, der muß auf international konkurrenzfähige Ackerbauprodukte umstellen.

Andernfalls drohen ihm Armut, Hunger und am Ende gar die Schuldsklaverei!

Nur ein ausgeprägter Oliven- und Weinanbau gewährleisten unter den internationalisierten Handelsbedingungen seit der griechischen Kolonisation noch auf Dauer eine Konkurrenzfähigkeit der griechischen Landwirtschaft.

Die Umstellung jedoch ist so teuer - weder Olivenbäume noch Rebstöcke werfen in den ersten Jahren irgendetwas ab und beide verlangen saisonale Akkordarbeit statt der traditionellen kontinuierlichen Landarbeit, erfordern also Sklavenbesitz - daß nur der am Handel beteiligte Adel sie zu leisten vermag.

 

Die einfachen Bauern können da nicht mithalten. Und wo der Adel gar noch ihre Abgabenlasten erhöht, um selbst leichter die zukunftsträchtige Umstellung bewerkstelligen zu können, bleibt für immer mehr von ihnen nichts als die zeitweilige Schuldsklaverei.

Das aber bedeutet: die Geschlechterverbände funktionieren nicht mehr in der überkommenen Weise - ihre Schutzfunktion verfällt.

Damit schwindet das Ansehen der Aristokraten, wie die griechischen Adeligen heißen, in gefährlichem Umfang: ihre traditionelle Bevorrechtung wird fragwürdig.

Da diese Bevorrechtung von allem Anfang an religiös begründet war, gilt nun das jahrhundertealte Geschlechter-Charisma (=die halbgöttliche(=heroische) Herrschaftsbefähigung des Adels) als zunehmend verloren. - Die homerischen Epen (=Verserzählungen) hatten von der göttlichen Abkunft der einstigen Geschlechterverbandsgründe in mykenischer Zeit berichtet: diese Gründer hatten ihre Befähigung zum Herrschen darauf zurückgeführt, daß sie Heroen waren, Halbgötter, Kinder der Vereinigung eines Gottes mit einem Menschen.

Folglich gehen die griechischen Polisbewohner im Verlauf der Krise des 6. vorchristlichen Jahrhunderts, in dem Ihr lebt, allenthalben dazu über, Religion und Politik getrennt zu denken und sie auch in ihrem praktischen Leben allmählich voneinander zu scheiden...

 

Letzteres bedeutet den Schritt in eine NEUE KULTUREPOCHE:

Im Bereich des Denkens vollzieht sie sich als ´AUFKLÄRUNG´.

Im Bereich der Politik bewirkt sie den Übergang zu neuen Herrschaftsmodellen.

 

Zur aktuellen Problemlösung errichtet man zunächst eine gewaltherrschaftlich begründete Regierungsform: die TYRANNIS.

Sie verzichtet auf religiöse Rechtfertigungen.

Und: sie bewerkstelligt die Einrichtung eines nicht mehr aristokatischen, sondern zunehmend TIMOKRATISCHEN (=besitztumsgebundenen) Herrschaftssystems.

Damit verliert die Aristokratie/der Adel ihre/seine bisherige Stellung als alleiniger gesellschaftlicher Entscheidungsträger.

Stattdessen wird die Größe des Besitzes, den einer zu seiner Erwerbsgrundlage machen kann, sei er Adeliger oder nicht, zum ausschlaggebenden Kriterium dafür, ob er zu den gesellschaftlichen Entscheidungsträgern zählt oder nicht...

 

 

 

... die Einwohner Athens beispielsweise erleben um 560 v. Chr. Nun bereits die Herrschaft eines 2. bzw. 3. Tyrannen:

 

PEISISTRATOS heißt er.

Er hat gerade eben im Jahre 560 v.Chr. die Herrschaft in der neben Sparta (das ein deutlich anderes Gesellschafts- und Herrschaftssystem aufrechterhält) bedeutendsten Polis auf der Balkan-Halbinsel an sich gerissen.

 

Vor ihm hatten zunächst Drakon, dann Solon versucht, die unter den Rückwirkungen des Kolonisationsprozesses entstandene Krise ihrer Polisgesellschaft mit diktatorischen Mitteln in den Griff zu bekommen und den notwendigen Gesellschaftsumbau einzuleiten.

Während DRAKON im letzten Drittel des 7. Jhds v.Chr. noch den Ansatz verfolgt hatte, der wachsenden sozialen Unruhe durch eine neu organisierte Gesetzgebung, die die Blutrache abschaffte und harte - eben drakonische - Strafen vorsah, sowie durch eine wirksamer organisierte Gerichtsbarkeit zu begegnen...

 

... war SOLON 594 v.Chr. aristokratischerseits von der Heeresversammlung als oberster Amtsträger eingesetzt worden - in Athen ist das ein Archon.

Als ´Versöhner´ mit diktatorischen Vollmachten hat er bereits die Bauern aus der Schuldsklaverei befreit.

Auch eine Obergrenze für den Landbesitz hat er durchgesetzt.

Schließlich hatte die überkommene Geschlechterordnung der Heeresversammlung einer neuen Grundbesitzordnung zu weichen: von nun an hatten 3 grundbesitzende Klassen ein gestaffeltes Ämterbekleidungsrecht - die Pentakosiomedimnen (500Scheffler), die Hippeis (Ritter/300Scheffler) und die Zeugiten (Gespannbauern), die im Hoplitenkorps dienten – in einer Phalanx (=keilförmigen Kampfformation) von Fußsoldaten also.

Nicht zugelassen waren die Theten - diejenigen, deren Besitz so gering war, daß sie ihn nicht zu ihrer Erwerbsgrundlage machen konnten

 

Die alte Adelsmacht ist damit entscheidend eingeschränkt.

 

Auch die Währungsverhältnisse erfahren unter Solon in Euren Tagen eine Neurodnung durch eine Münzreform.

Und die Rechtskodifizierung (=Aufzeichnung) wird vorangetrieben: jeder einzelne Staatsbürger, gleich welcher der 4 Besitzklassen er angehört, besitzt von jetzt an ein öffentliches Klagerecht.

Damit ist der Umbau des athenischen Rechtssystems weg von sich widersprechenden Geschlechtertraditionen hin zu einem vereinheitlichten Recht für alle Polis-Bürger vervolständigt, den vor allem Drakon bereits entscheidend vorangebracht hatte.

 

 

 

 

In Euren Tagen erschüttern nun neue Unruhen das Staatsgebiet Athens.

 

Das seit Solon gültige Besitzdenken hat dazu geführt, daß die auf die Entwicklung von Handel und Gewerbe erpichten Küstenbewohner samt den ausfuhr-interessierten Adeligen des Binnenlandes - der reichste Teil des athenischen Staatsvolkes also - seine neue innergesellschaftliche Machtstellung in vollen Zügen auszukosten begonnen hatte: die politischen Amtsträger handelten nahezu ausschließlich als ihre Interessenvertreter.

Um die nach wie vor elende Lage vor allem auch der Gebirgsbauern hatte sich niemand gekümmert.

In Peisistratos finden sie nun einen Kämpfer für ihre Interessen.

Er hat sich eben mit Hilfe von Gebirgsbauern als Söldner zum strahlendsten der athenischen Tyrannen aufgeschwungen.

Und: er hat begonnen, alle Wirtschaftszweige so einfallsreich zu fördern, daß der gesamte Stadtstaat in eine wirtschaftliche wie kulturelle Blütezeit hineinwächst... 

 

 

 

 

 

 

.... was sich in der Folgezeit abspielen wird:

 

 

... im 5. und 4. Jhd. ein schrittweiser Wandel der Timokratie (=Herrschaft der Besitzenden) zur Demokratie (=Herrschaft des Volkes) aller Bürgerberechtigten, also aller, die als einstige Geschlechterverbandsmitglieder Bürgerrecht besitzen.

Hintergrund: die Entwicklung der Kampfweisen, die Verteidigungsaufgaben auch für Besitzlose entstehen lassen - beispielsweise als Ruderer im Seekrieg gegen die Perser...

 

Dabei wird es bis zum Ende des 6. vorchristlichen Jahrhunderts zu kriegerischen Auseinandersetzungen noch innerhalb der griechischen Poliswelt kommen - oder zu Handelskriegen zwischen den rivalisierenden Stadtstaaten auf See.

 

 

 

Im 5. Jhd. wird dann der Eroberungsdrang der Perser das Verhältnis der griechischen Poleis untereinander erheblich komplizieren.

 

Den Persern würde man am Ende erfolgreich standhalten können...

 

 

 

... aber die Griechen selbst würden über den verschiedenen Verteidigungsanstrengungen ihr inneres Gleichgewicht verlieren!

Jahrhundertelang waren zwischen den Poleis alle Formen von Wettstreit gepflegt worden. Um Sieg oder Niederlage war es dabei immer erst in 2. Linie gegangen.

Im Vordergrund hatte die Vorstellung gestanden, daß Leben, Handeln und Denken vor allem eines seien: agon - wettstreitende Auseinandersetzung aller um das dem Menschen Angemessene, ob nun im Sport, in der Politik und ihrer Extremform, dem Krieg, ob bei der Arbeit oder in der Kunst, in der Freude wie im Leid, in sämtlichen Schichten des Lebens also.

Sobald die Griechen im Verlauf des 4. Jhds v.Chr. im Anschluß an die Perserkriege über einem ziemlich uferlosen Streit untereinander ihren Blick für das Machbare und Zukunftsträchtige verlieren werden, wird die Polis-Welt ihre Lebensfähigkeit zunehmend einbüßen. - Denn nun wird man sich darauf verlegen, alle inneren und äußeren Probleme durch eine Vorherrschaftspolitik lösen zu wollen:

Allen voran wird es Athen sein, das sich durch die Auseinandersetzung mit den Persern angeregt finden wird, nach einem größeren Herrschaftsgebiet für sich zu streben und andere griechische Poleis unter ihre Vorherrschaft zu locken oder gar zu zwingen - durch die Bildung eines attischen Seebundes bzw. Seereiches.

Und: Sparta wird mit Athen bis zur beiderseitigen Erschöpfung um den Aufbau einer Gegenmacht ringen - im Peloponnesischen Krieg.

Schließlich: wird am Ende dieser die Position beider zermahlenden Kämpfe ein innergriechisches Machtvakuum entstanden sein. - Poleis nachgeordneter Größe und Wirtschaftskraft werden in diese Leere vorzustoßen suchen, Theben vor allem. Die Kraft, zu einem wirklichen kulturellen und politischen Zentrum der griechischen Poliswelt aufzusteigen, wird es jedoch nicht entfalten können...

 

 

 

So wird sich seit dem Ende des 4. vorchristlichen Jahrhunderts das griechische Stadtstaaten-Modell durch einander ablösende Reichskulturen überformen lassen müssen :

... zunächst wird sich das nordgriechische Königreich Makedonien die Herrschaft über ganz Griechenland erringen - um von hier aus ein denkbar ehrgeiziges Weltreichskonzept zu verfolgen: griechische und persische Kultur sollten in einem einzigen - hellenistischen - Weltreich, das sich nicht weniger als die Grenzen der damals bekannten Erde zum Ziel setzen würde, vereinigt werden.

Auf diesem Weg wird zwischen Adria und Indus ein zwar im unmittelbaren Sinne nur äußerst kurzlebiges Riesenreich entstehen - das Reich Alexanders des Großen. Es wird seinen Schöpfer nicht überleben.

 

 

... Gleichwohl wird es sich für die folgenden beiden Jahrhunderte im gesamten ostmittelmeerisch-vorderasiatischen Raum als kulturprägend erweisen: Sämtliche Nachfolgereiche, in die das Alexanderreich noch vor der Wende zum 3. vorchristlichen Jahrhundert zerfällt - die sogenannten Diadochenreiche (das Antiochidenreich in Griechenland, das Seleukidenreich in Persien, das Ptolemäerreich in Ägypten) - werden das von Alexander begründete hellenistische Kulturkonzept bewahren und weiterentwickeln, so daß man für das 3. Und 2. vorchristliche Jahrhundert vom hellenistischen Zeitalter spricht.

 

 

... Schließlich werden im 2. und 1. vorchristlichen Jahrhundert die ..........................................................