Gedicht

 

 



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im weiteren Sinne jede Versdichtung (also auch ein episches oder ein dramatisches Gedicht); im engeren Sinne nur eine lyrische Versdichtung. Lyrik


Seit dem 18. Jahrhundert Bezeichnung für poetische Texte der Lyrik (von Griechisch lyra = Leier), einer der drei Hauptgattungen der Dichtung (neben Epik und Dramatik). Die Bezeichnung wurde abgeleitet vom Verb "dichten" bzw. vom Nomen "Dichtung".

 

 

Die zentralen Merkmale eines Gedichts sind das Versmaß, der Reim und die Strophe:

 

  • Versmaß: Als Versmaß (Metrum als Merkmal der gebundenen Rede) kommen u.a. in Frage: Blankverse, Jamben, Trochäen, Knittelverse oder freie Verse).

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  • Reim: Der Reim (lautliche Angleichung am Beginn oder Ende von Versen) tritt meist als Stabreim (Alliteration), Paarreim, Kreuzreim, Kehrreim oder Schüttelreim in Erscheinung.

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  • Strophe: Die Strophe ist ein zentrales Gliederungselement des Gedichts. Sie wird bei gesungenen Gedichten (Liedern) zur musikalischen Einheit.

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  • Neben diesen formalen Kriterien ist Lyrik wie keine andere Gattung durch die Verwendung sprachlicher Stilmittel gekennzeichnet, die die Bedeutung der Normalsprache erweitern, überlagern oder auch "verdichten":

  • Hier sind vor allem die Sprachbilder Metapher, Allegorie, Symbol und Emblem zu nennen.

 

 

 

 

Antike Formen 

Gedichte und Lieder stammen aus der gleichen Quelle: In der Antike wurde Lyrik gesungen und dabei auf der Leier (Lyra) begleitet. Im antiken Griechenland entstanden dabei die Formen der Elegie, des Hymnus und der Ode. Bedeutende Lyriker der Antiken waren Sappho, Alkaios und Pindar (Griechenland) sowie Horaz, Ovid und Catull (Römisches Reich).

Minnesang des Mittelalters 

Im höfischen Minnesang des 12. Jahrhunderts finden sich die frühesten Beispiele deutscher Gedichte. Ausgehend von französischen Troubadouren (z.B. Wilhelm von Aquitanien oder François Villon) entwickelten die Minnesänger die führenden Gedichtformen ihrer Zeit. Hier sind in einer ersten Gruppe (1150-1350) während der Blütezeit des Rittertums zu nennen: Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach und Neidhard von Reuental. Als Höhepunkt dieser Zeit gilt der Sängerkrieg auf der Wartburg (1207). Zur zweiten Gruppe (1350-1450), bereits im Verfall des Rittertums, gehören u.a. Oswald von Wolkenstein und Hermann von Salzburg. Im Zeitraum von 1370 bis 1600 folgte die Blütezeit des Meistersangs, besonders mit Hans Sachs; im Meistersang wurde die Lyrik bereits in handwerklichen Zunftkategorien organisiert. Wichtige Formen des mittelalterlichen Gedichts sind Kanzone, Rondeau und Spruchdichtung.

Lyrik der Barockzeit 

Das Zeitalter des Barock (ca. 1600-1720) ist vor allem durch die Reformation und den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) geprägt. Entsprechend hohen Stellenwert besaßen die religiöse und "erbauliche" Lyrik. Die Stilrichtung des Manierismus brachte teilweise sehr "modern" wirkende Gedichte hervor. Die wichtigsten Dichter barocker Lyrik waren Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, Andreas Gryphius und Martin Opitz.

Blütezeit der Lyrik ab 1800 

In der Zeit ab 1800 gelangt die Lyrik in der deutschen Literatur zu ihrer größten Blüte: Die Klassiker Friedrich Schiller und vor allem Johann Wolfgang von Goethe schrieben Gedichte von höchster Qualität, ebenso Friedrich Hölderlin. Zugleich traten die Romantiker wie Joseph von Eichendorff, Novalis oder Clemens Brentano mit einer neuen Verbindung von Gedicht und Lied hervor. Hier erreichte das deutsche Kunstlied seine Vollendung. Internationalen Erfolg hatte Heinrich Heine mit seinen Gedichten, sein berühmtestes Gedicht Deutschland - Ein Wintermärchen (1844) beschreibt als Versepos eine Reise durch das zeitgenössische Deutschland.

Innovationen ab 1900 

Ab etwa 1900 entwickelte sich das Gedicht zu immer freieren Formen, es wurde politischer und visionärer, aber auch experimenteller und spielerischer. Ausgehend von Lyrikern der Jahrhundertwende wie Stefan George und Rainer Maria Rilke fanden die Expressionisten grundlegend neue Ausdrucksformen. Hier sind vor allem Georg Heym, Georg Trakl und Gottfried Benn zu nennen, ferner die große Anthologie (Gedichtsammlung) des Expressionismus, die Kurt Pinthus 1919 unter dem Titel Menschheitsdämmerung herausgab. Im Gegensatz zu diesen düsteren, apokalyptischen Visionen sollten die Gedichte des Dadaismus (Kurt Schwitters, Hans Arp) Spaß machen - wie auch die Lyrik von Ernst Jandl. Bertolt Brecht setzte seine Gedichte (auch) als Mittel der politisch-künstlerischen Agitation ein.

Gedichte der Nachkriegszeit ab 1945 

Die politisch-moralische Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs und des nationalsozialistischen Unrechts waren das zentrale Thema der Gedichte der Nachkriegszeit. Paul Celan (Todesfuge) ist hier besonders hervorzuheben.

Zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern zählen weiterhin Ingeborg Bachmann, Hans Magnus Enzensberger und Reiner Kunze. Die populärsten Gedichte der Gegenwart sind heute Songtexte, d.h. Liedtexte von Popsongs. Dies gilt nicht nur für englischsprachige Hits von den Großvätern des Blues bis zum tagesaktuellen "Chartbreaker", sondern auch für die Lieder der "Neuen Deutschen Welle" von "Ideal" (Deine blauen Augen) von zu Stefan Raab (Wadde hadde du).

 

 

Fragen 

1. Mit welchen drei Elemente wird ein Gedicht organisiert?

2. Nennen Sie einige Dichter des Minnesangs.

3. Nennen Sie eine große Gedichte-Sammlung des deutschen Expressionismus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Antworten

1. Versmaß, Reim und Strophe.

2. Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach, Neidhard von Reuental, Oswald von Wolkenstein, Hermann von Salzburg.

3. Menschheitsdämmerung.