DEUTSCHE LITERATURGESCHICHTE © gabriele weis

 READER: jugend als literarisches thema des 20., 19. + 18.jhds...

 


 

 

1780  Friedrich Schiller  /  DIE RÄUBER23

 

Franz Moor, der zweitgeborene, auch durch sein Äußeres benachteiligte Sohn des Maximilian von Moor ersinnt eine Intrige, um seinem Bruder das Erstgeborenenrecht zu nehmen. Karl hat von Leipzig aus an seinen Vater einen Brief geschrieben, in dem er sein lockeres, allerdings harmloses Studentenleben bereut. Franz ersetzt den Brief durch ein angebliches Schreiben eines Dritten, das Karl als Verführer einer Frau, deren Verlobten er im Duell getötet haben soll, und polizeilich verfolgten Banditen darstellt. Der Vater glaubt es und bittet Franz, Karl zur Rede zu stellen. Dieser schreibt – angeblich vom Vater beauftragt – einen Brief, der den Bruch bedeutet. Karl ist zerschmettert und beschließt, nun wirklich der Räuberhauptmann zu werden, für den er gehalten wird; wie ein zweiter Robin Hood tritt er mit seinen Leuten in den Wäldern als Rächer der Unterdrückten auf, wobei einige seiner Männer, allen voran Spiegelberg, keinerlei Idealismus, sondern reine Raub- und Mordlust an den Tag legen. Karls tragische Position verschärft sich, als er seinen Freund Roller rettet und dafür eine Stadt in Brand setzt, so daß Unschuldige, auch Kinder und Greise, ums Leben kommen. Er will das Räuberdasein lassen, doch schwört er seiner Bande Treue und begibt sich zum väterlichen Schloß, um den Vater und Amalia, seine Verlobte, noch einmal zu sehen. Mittlerweile regiert dort sein Bruder Franz; der Vater ist im Hungerturm, nur Amalia entzieht sich seiner Annäherung. Karl verkleidet sich und tritt ins Schloß, aber Franz erkennt ihn und fürchtet um sein Leben. Als Karls Räuber das Schloß stürmen, begeht er Selbstmord. Nun entdeckt Karl die Ränke des Bruders, befreit den Vater aus dem Turm, dieser stirbt jedoch, als Karl seinen wirklichen Lebenswandel offenbart. Amalia erkennt ihn, ist von seiner tragischen Schuld entsetzt und sehnt sich nach dem Tod; Karl, durch seinen Treueeid an seine Leute gebunden, muß sie töten und läßt sich schließlich durch einen notleidenden Tagelöhner an die Behörden ausliefern, um diesem durch die ausgesetzte Belohnung ein besseres Leben zu ermöglichen.

»Die Deutschen Klassiker«, CD-ROM. X·Libris, München 1995.

 

 

gk d 12/2  -   die schüler/innen haben die nebenstehenden buchanalysefragen bearbeitet > ergibt 2/3 ihrer note;    -   sie bewerten überdies via auslosung die arbeitsergebnisse eines mitschülers /einer mitschülerin > die benotung der qualität dieser bewertung ergibt das letzte drittel ihrer zusätzlichen schriftlichen note in 12/2

AUTOR/IN:   hg

 

Frage 1:

 

Bei dem Buch „Die Räuber“ von Friedrich Schiller handelt es sich um ein typisches Drama für den Sturm und Drang, in dem das Drama geschrieben wurde und wovon es auch handelt. Dem Drama entsprechend gibt es nur Dialoge, welche die Handlung weiterbringen. Das Drama wird also immer aus der Perspektive des gerade sprechenden Charakters erzählt.

In dem Drama geht es um den Protest des Hauptcharakters Karl Moor, des erstgeborenen Sohnes des Grafen Maximilian von Moor, gegen die Unterdrückung der Herrschenden. Die zweite Hauptfigur, gleichzeitig Gegenspieler von Karl, ist dessen Bruder Franz, der alle Handlungen im Drama auf Grund der Eifersucht auf seinen, den Titel und den Besitz vom Vater erbenden Bruder macht. Beide wollen die bestehenden Strukturen umstürzen, jeder auf seine Weise.

Karl ist ein Student, was für einen Adligen recht ungewöhnlich ist, da sich Studenten gerne gegen die Obrigkeit auflehnten. Deshalb hält er sich auch nicht besonders an die vorherrschenden Regeln, was ihm Ärger mit der Justiz einbringt und seinen ihn liebenden Vater tief schmerzt.

Die dargestellte Jugend wird mit dem Interesse dargestellt, unter anderem Gesellschaftskritik zu üben und Missstände offenzulegen. Die Gesellschaftskritik, die gleichzeitig auf einen Missstand anspielt, bezieht sich auf die Herrschenden, den Adel. Dieser hat zuviel Macht und lebt auch zu gut, während um ihn herum die armen Bauern an Hunger leiden und sich vor den Räuberbanden fürchten. Viele Schriftsteller die in dieser Zeit lebten kritisierten offen das ausschweifende Leben der verantwortungslosen und verschwenderischen Fürsten, die hier in diesem Stück zum Teil von Franz dargestellt werden, der kalt und tyrannisch ist.

 

Frage 2:

 

Die dargestellte Jugend ist in zwei bzw. schon fast drei Schichten angesiedelt. Die Hauptfigur Karl Moor wird in eine Adelsfamilie hineingeboren. Sein Vater ist Graf und Karl ist der Erstgeborene, was für ihn bedeutet, das er alles hinterlassen bekommt. Ihm bedeutet es nichts Erstgeborener zu sein, ihm bedeutet es nur etwas, das sein Vater ihn über alles liebt, was auf Gegenseitigkeit beruht. Karl, ein Verfechter des im 18. Jahrhunderts weit verbreiteten „Sturm und Drang“-Gedankenguts, will wenig bzw. gar nichts mit dem Adel zu tun haben. Er lehnt sich, wie es sich für den Sturm und Drang gehört, gegen die Obrigkeiten auf, z.B. sagt er, dass das „Gesetz noch keinen großen Mann hervorgebracht“ hätte. Diese Haltung wird auch dadurch verstärkt, das er in Leipzig studiert. Studenten waren schon immer dafür bekannt, sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen, und Karl kommt so noch mit vielen anderen Gleichgesinnten in Berührung. Karl ist also ein typischer Student dieser Zeit, womit man ihn in dem Zeitraum, als er Student war schon zu einer deutlich niedrigeren Schicht als dem Adel zuordnen kann. Dieses Sinken in den Schichten der damaligen Gesellschaft wird auch anhalten.

Nach einigen Problemen mit seinem Vater, der ihn auf Grund einer Intrige von Karls Bruder Franz enterbt und verstößt, beschließt Karl dann, zum Hauptmann einer Räuberbande zu werden, also er „wechselt“ in die unterste Schicht. Diese Wendung hat schwerwiegende Folgen für Karl: er droht seine Geliebte Amalia zu verlieren, die am Hof auf ihn wartet und es werden in seinem Namen Morde verübt. Dies setzt seinem Gewissen gewaltig zu, er ist verzweifelt und weiß absolut nicht mehr was er tun soll. Er ist nun am untersten Ende der Gesellschaft, was es sicherlich unmöglich machen wird, wieder zur obersten zu gelangen. Er fühlt sich wie ein Schwerverbrecher, der keine Rechte mehr hat.

 

Frage 3:

 

Die dargestellte Jugend ereignet sich kurz nach dem 7-jährigen Krieg 1756, dem Krieg zwischen Österreich und Preußen. Nach diesem Krieg sind viele Menschen bettelarm, da sie durch den Krieg alles verloren haben. Gerade Soldaten, die nun vom Schlachtfeld zurückkommen, wissen nicht was sie tun sollen, und es kommt zur Verbreitung von Räuberbanden, die sich im ganzen Land rumtreiben und alles rauben was sie in die Finger kriegen.

Außerdem handelt es sich um die Zeit des Sturm und Drangs, in der Gefühl und Genie wichtige Begriffe sind. Der Mensch vergöttert in dieser Zeit die Natur, will von ihr lernen und lehnt alle anderen Belehrungen als von der Natur selber normalerweise ab, auch die Beherrschung durch den Adel wird bekämpft, welcher überhaupt nichts von dieser Naturvergötterung hält und seine eigene Position in Gefahr sieht. Die Obrigkeit hatte hier nicht selten ihre Probleme, die Menschenmassen, die den Adel abschaffen wollten, zu bändigen.

Karl, der Hauptcharakter, obwohl adliger Abstammung, ist sehr durch den Gedanken des Sturm und Drangs beeinflusst. Er will frei und unabhängig sein, was sich aber nicht für einen Adligen ziemt. Eigentlich sollte er zu Hause im Schloss seines Vaters sitzen und diesem brav zur Hand gehen und sich auf sein Erbe, da er einmal Graf werden wird, vorzubereiten.

Karl macht dies aber nicht sondern wird sogar Räuberhauptmann, nachdem ein Studienkamerad namens Spiegelberg, anfangs ein guter Freund von Karl, die Idee zur Gründung einer Bande hat. Karl, an sich ein nicht gewalttätiger Kerl, lässt sich auf Grund seiner äußerst verzwickten Lage, schließlich ist er durch die Intrigen seines machtgierigen Bruders enterbt worden und außerdem droht, das er seine Geliebte, die am Schloss lebt nicht mehr zu sehen, auf den Vorschlag ein.

 

Frage 4:

 

Zuerst einmal ist da der Hauptcharakter Karl Moor, ursprünglich adlig, da der Erstgeborene eines Grafen. Karl verkehrt in zwei Welten: zum einen in der Welt des Adels, im Haus Moor, und zum anderen in der Welt der Räuber, die am Anfang noch Studenten sind.

Er hat zwei Gegenspieler, je einen in jeder dieser zwei Welten. Beide sind die Menschen in der jeweiligen Welt, die am machthungrigsten sind. Beide wollen ihn aus dem Weg schaffen, denn Karl versperrt ihnen den Weg zum „höchsten Amt“, zur „höchsten Macht“ in ihrer Welt.

In der adligen Welt ist dies Karls Bruder Franz, ein kaltblütiger Geselle, und in der Welt der Räuber ist das sein anfangs bester Freund Spiegelberg, der jeden, sei es Kind oder Greis, ermordet, der ihm in die Quere kommt. Sie bilden die Gegenpole.

Franz verabscheut Karl, weil dieser als Erstgeborener Graf werden wird, was eigentlich Franz für sich beansprucht. Außerdem ist er eifersüchtig auf Amalias Lieb zu Karl, da er sie selber liebt und sie begehrt. Deswegen intrigiert er Karl wann immer er kann. Er beeinflusst Karls „Jugend“ insofern, als das er dafür sorgt, das Karl durch seinen Vater aus der Welt der Adligen verstoßen wird und sich somit erst in die Welt der Räuber begibt.

Spiegelberg verabscheut Karl, weil dieser von ihren Kameraden sofort als Räuberhauptmann anerkannt worden ist. Eigentlich wollte aber Spiegelberg der Hauptmann werden und plant Karl umzubringen, was aber verhindert wird. Durch Spiegelbergs Tod, durch den Karl erst erfährt das er sein Gegenspieler war, kommt Karl entgültig zu dem Schluss sich von der Welt der Räuber abzuwenden. Er stellt sich schließlich der Justiz.

Die Liebe von Karl dagegen gehörte seinem Vater und seiner Geliebten Amalia. Sein Vater liebt ihn auch, weshalb Karl immer Gewissensbisse hat, wenn er etwas Dummes anstellt, da er weiß, das es seinen Vater verletzen wird. Seine Geliebte Amalia ist der Grund dafür dafür, das er überhaupt erst versucht, nachdem er Räuber geworden ist, wieder nach Hause zurückzugehen.

Die anderen Personen der Welt der Räuber sind Kosinsky, Roller, Schweizer, Razmann, Schwarz und Schufterle, wobei die letzten drei auf der Seite von Spiegelberg stehen und Karl stürzen wollen. Kosinsky ist eine sehr bedeutende Figur, da er Karl unbewusst auf Amalia aufmerksam macht und ihn somit zur Rückkehr bewegt.

Die restlichen Charaktere der Welt des Hauses Moor sind die Diener Daniel und Hermann. Hermann ist ein Helfer von Franz, Daniel steht auf Karls Seite. Beide nehmen eigentlich keinen Einfluss auf das Schicksal von Karl. Höchstens Hermann, indirekt, indem er dem alten Grafen vorspielt, er hätte Karl sich selbst umbringen sehen, was den Grafen zusammenbrechen und franz an die Macht kommen lässt.

 

Frage 5:

 

Begegnungen, welche die Jugend von Karl Moor kennzeichnen, sind die Begegnungen mit seinen Studienkollegen, die im Obrigkeitshass seiner Meinung sind bzw. diesen wohl noch verstärkt haben. Diese, insbesondere Spiegelberg natürlich, sorgen schließlich auch dafür, das in seinem Namen so abscheuliche Taten wie die Tötung von Frauen, Greisen und Kindern geschehen. Dadurch  wird Karl nur noch mehr niedergeschlagen als er es auf Grund seiner heimischen Verhältnisse sowieso schon ist, und sorgen dafür, das er am Ende seine Geliebte Amalia umbringt und sich von den Räubern abwendet.

Eine andere wichtige Begegnung ist die mit Kosinsky, der eine ähnliche Lebensgeschichte hat wie Karl. Er trifft ihn in einer Kampfszene, in der Kosinsky den weitbekannten, berüchtigten Räuberhauptmann sucht. Karl, der schon weiß das er sich schon längst ins Verderben geführt hat, versucht Kosinsky davor zu bewahren, was ihm aber nicht gelingt. Da aber auch Kosinsky, ein ausgedienter Soldat, eine lang nicht mehr gesehene Geliebte namens Amalia hat, übermannt Karl die Erinnerung und er zieht sofort los, um zu dem Schloss seines Vaters zu gelangen. Er will sehen was er noch retten kann. Insofern ist Kosinsky eine wichtige Figur, er hilft Karl wieder auf den alten, nicht gewalttätigen Weg zurückzufinden.

Verletzungen erfährt Karl mehrere. Einmal durch seinen Vater, der ihn von Karls Bruder Franz beeinflusst, verstößt und enterbt. Karl ist total durcheinander, da er seinen Vater sehr liebt, und wird, wie gesagt, in seiner Verzweiflung Räuberhauptmann. Diese Verletzung ist der Hauptauslöser für Karls „Niedergang“, wie ich das so nennen würde. Sie ist der grund, weshalb sich Karl Schuld aufbürdet, die er gar nicht tragen kann.

Eine andere Verletzung wird ihm durch wird ihm durch seinen zweiten Widersacher zuteil, Spiegelberg. Dieser ist so eifersüchtig auf Karl, das er ihn umbringen will. Diese Aktion scheitert im Voraus und fügt Karl natürlich weitere seelische Wunden zu, die ihn nun auch mehr von der Räuberbande distanzieren lassen. Denn Spiegelberg war der brutale und kalte Mörder, wohl ein Genie wenn es darum ging weitere Räuber anzuwerben, aber absolut verdorben. Als dieser nicht mehr ist, ist in der Bande natürlich auch keiner mehr, der solch blutige Taten wie sie davor geschehen sind, befehligen würde.

Erlebnisse, die seine Jugend kennzeichnen, sind, denke ich, schon ganz am Anfang seiner Jugend wenn nicht gar Kindheit zu sehen. Er spielt zum Beispiel schon früh lieber mit den Dorfjungen, anstatt sich von ihnen fernzuhalten und sich ihnen wie ein Adliger zu präsentieren. Er liebt halt die Freiheit und hält nichts davon, Unterschiede zwischen Herrschenden und Beherrschten zu machen.

Belastet wird er vor allem davon, das er als Adliger geboren wurde, und so Ansprüche an ihn gestellt werden die er nicht erfüllen kann oder wohl eher nicht erfüllen will. In Zusammenhang mit der Liebe zu seinem Vater und dessen Liebe zu ihm ist diese Belastung auch umso größer, da Karl seinen Vater nicht Schmerz zufügen will. Er muss sich immer in einem gewissen Rahmen verhalten, der einerseits seinem Willen entspricht und andererseits seinem Vater keinen „großen“ Grund gibt, zu verzweifeln.

Belasten tut ihn auch seine Liebe zu Amalia, die er natürlich wiedersehen will, was Franz aber mit allen Mitteln zu verhindern sucht. Noch mehr belastet ihn die Liebe Amalias zu ihm, trotz seiner weit bekannten Gräueltaten, weshalb er sie am Ende dann auch umbringt.

Ihn kennzeichnet der Wunsch, bei seiner Geliebten und seinem Vater zu sein, welcher ihn letztendlich auch zu Vernunft kommen lässt. Durch ihn geht er zurück und wegen ihm liefert er sich am Ende auch der Justiz aus.

Außerdem hat er natürlich, wie schon öfters erwähnt, den Wusch die bestehenden Strukturen, unter anderem auch Machtstrukturen, zu ändern. Dieser „Sturm und Drang“-Wunsch ist eigentlich der Hauptbeweggrund für alle seine Taten. Alles was er macht hat irgendwie damit zu tun.

Das gleiche gilt auch für seine Vorstellungen, es sind Vorstellungen, die typisch für den Sturm und Drang sind.

 

Frage 6:

 

Eine Einsicht, zu der ich gelangt bin, ist, das man nie etwas übereilt tun sollte, wie Karl, als er Räuberhauptmann wird, nur weil man im Moment nicht klar denken kann oder zutiefst verletzt ist. Denn meist kann man die Folgen gar nicht abschätzen, alles entwickelt sein Eigenleben. Karl kann in dem Moment, in welchem er Hauptmann wird nicht klar denken, er ist absolut verwirrt, da er kurz davor erst die Verstoßung seines Vaters erhalten hat, eine Welt bricht für ihn zusammen. Und genau dann fängt sein Unglück eigentlich erst an. Erst als er die Bande anführt, kommt es zu den schlimmen Morden, die ihm eine unglaubliche Schuld auflasten. Von der er weiß, das er sie nie wieder los wird.

Eine andere Einsicht ist wohl, das man Machtgierigen nicht in den Weg kommen sollte, da sie alles tun um an ihr Ziel zu gelangen, und wenn sie ihre Familie auslöschen müssen. Zu dieser  Einsicht zu gelangen, wenn man das Buch gelesen hat, ist nicht schwierig, das liegt daran, das der Charakter des Franz doch relativ glaubwürdig ist. Man kann sich vorstellen, das es solche Menschen gibt, denen alle anderen egal sind und denen nur der eigene Erfolg und die eigene Macht am Herzen liegt.