DEUTSCHE LITERATURGESCHICHTE © gabriele weis

 READER: jugend als literarisches thema des 20., 19. + 18.jhds...

 


 

 

1891  Frank Wedekind  /  FRÜHLINGS ERWACHEN16

 

       |   und:    

 

 

Bei den Gymnasiasten Melchior und Moritz regen sich die ersten männlichen Gefühle. Aufgeklärt sind sie nicht, also versuchen sie sich selbst über das klar zu werden, was das ist, was sie verändert und gedanklich nicht mehr losläßt. Melchior verliebt sich in Wendla. Bei einer Begegnung im Wald bittet sie ihn sie zu schlagen, selbst nicht wissend, was dieser ihr unerklärliche Trieb bedeutet. Melchior tut es und flüchtet anschließend, erschrocken über seine Tat. Als Wendla's Schwester ein Kind bekommt, fragt Wendla ihre Mutter danach und bekommt das Märchen vom Klapperstorch erzählt. Als sie Melchior sie dann auf dem Heuboden verführt, ist sie vollends verwirrt. Parallel dazu werden Moritz verzweifelte Anstrengungen um eine Versetzung beschrieben. Als er erkennt, daß er es nicht schafft, erschießt er sich. Da man in Moritz Schulsachen Melchior's illustrierte Abhandlung zum Beischlaf findet, hält man dies für die Ursache des Selbstmordes. Melchior wird der Schule verwiesen und von den Eltern in eine Besserungsanstalt geschickt. Wendla ist schwanger. Sie stirbt beim Versuch der Abtreibung. Als Melchior bereit ist Freund und Freundin in den Tod zu folgen, erscheint ihm ein vermummter Herr und bittet Melchior sich ihm anzuvertrauen.

Wedekind prangert in seiner Tragödie den konventionellen Moralbegriff seiner Zeit an, die Verleugnung eigener Gefühle und die Borniertheit von Sitte und Moral. Das Werk entstand 1891 und zeigt somit schon sehr früh die Veränderungswürdigkeit im Denken der Menschen. Das Stück ist leider noch heute sehr aktuell und daher gerade für Schulaufführungen sehr zu empfehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

 

 

gk d 12/2  -   die schüler/innen haben die nebenstehenden buchanalysefragen bearbeitet > ergibt 2/3 ihrer note;    -   sie bewerten überdies via auslosung die arbeitsergebnisse eines mitschülers /einer mitschülerin > die benotung der qualität dieser bewertung ergibt das letzte drittel ihrer zusätzlichen schriftlichen note in 12/2

AUTOR/IN:   mb

 

„Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind ist eine Tragödie, die um 1900 entstand und in der wilhelminischen Zeit spielt .

Im besonderen wird die Jugend dreier pubertärer Jugendlicher geschildert, die aufgrund der Engstirnigkeit zu Opfern der elterlichen Erziehung werden.

 

1)  Doch der Reihe nach. Erzählt wird in Dialogen, es handelt sich um ein Theaterstück, das besonders  aus der Perspektive der angehenden Erwachsenen erzählt wird. So erfahren wir von ihrer Entwicklung, ihrem Alltag und ihren Problemen. Das Umfeld dazu stellt  einmal die strenge, konservative Schule, zum anderen die Verklemmtheit und geistige Enge der damaligen Erziehungsvorstellungen dar.

 

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die drei Jugendlichen Wendla Bergmann, Moritz Stiefel und Melchior Gabor, deren Schicksal  als tragisch bezeichnet werden kann.

Eigentlich ist deren Leben recht normal und keineswegs auf diesen Verlauf hindeutend, doch wird im Laufe der Geschichte sehr schnell klar, dass die damaligen erzieherischen Missstände sich doch sehr bald auf die pubertäre Entwicklung äußerst negativ auswirken werden...

 

Alle drei werden dabei Opfer der elterlichen Moral.

 

Für Wendla kommt es dabei  zur ersten Konfrontation mit der eigenen Sexualität. Sie  bittet Melchior sie zu schlagen,  jedoch unwissend wie diese Neigung so plötzlich zu Stande kommt.

Wenig später schwängert Melchior sie ohne dass  diese weiß, wie so etwas überhaupt geschehen kann,  da eine Aufklärung aufgrund der Scham der Eltern nie stattgefunden hat. Wendla wurde bei der Schwangerschaft ihrer Schwester noch mit der Geschichte des Klapperstorchs abgespeist.

 

Wendla stirbt wenig später beim Abtreibungsversuch, den die Mutter als Bleichsuchttherapie darstellt um die unermessliche Schande, die aufgrund dieser Schwangerschaft auf die Familie fallen würde, zu umgehen.

 

Bei Moritz liegt die Tragik ganz anders. Er muss eine Klasse wiederholen, will dies seinen Eltern jedoch nicht erzählen und wählt anstelle des Ärgers und der Entrüstung zu Hause den Freitod indem er sich erschießt. Das tragischste Moment, welches die Verquertheit der Gesellschaft widerspiegelt, scheint mir die Tatsache, dass gar nicht alle Schüler versetzt werden können, ganz unabhängig von den Noten. Das Problem ist nämlich rein technischer Natur. So kann die neue Jahrgangsstufe aus Platzgründen nur noch 60 Schüler aufnehmen, nicht wie bisher 66. Dennoch hat Moritz nicht den Mut seine Eltern damit zu konfrontieren und stürzt sich lieber in die Katastrophe.

 

Geradezu absurd wirkt zudem aus heutiger Sicht, dass Melchior für den Freitod seines Freundes Moritz verantwortlich gemacht wird. Die Erwachsenwelt hält nicht die eigene Verklemmtheit im Bezug auf das Wiederholen einer Klasse für den Grund des Selbstmordes, sondern einen Aufklärungsversuch, der in Form von Bildern von Melchior unternommen worden ist  und der nach dem Suizid von Moritz bei diesem gefunden wird.

Dieser Schock soll ihn in den Tod getrieben haben.

Als Konsequenz wird Melchior in eine Besserungsanstalt gegeben, was ihn so bedrückt ,dass er fast den gleichen tragischen Ausweg wählt wie sein toter Freund.

 

„Auf dem Kirchhof“ „unterm Novembermond“ steht Melchior  vor der endgültigen Entscheidung, seinem Leben ein Ende zu setzen.

 

Letztendlich widersteht er aber der Verführung, die Wendla und Moritz versuchen auf ihn  auszuüben, als diese auf dem Friedhof auftauchen, um ihn zu überreden, ihnen zu folgen. Stattdessen beschließt er aber,  dem vermummten Herrn  zu folgen, der das Leben symbolisiert und Melchior so noch einmal eine neue Möglichkeit verschafft, das Leben zu bewältigen. 

So endet die Tragödie einigermaßen versöhnlich mit der Hoffnung Melchior könnte es  doch schaffen, die schwierige Pubertät zu meistern.

 

Dabei erläutert Wedekind gerade am Beispiel der Jugendlichen, bei denen doch Unschuld und Unwissenheit vorherrschen, wie diese von der damaligen Gesellschaft durchweg unterdrückt werden.

 

Er beschreibt die Repression und die Widersprüche, die zu dieser Zeit herrschen und zeigt klar und deutlich die Verlogenheit der Gesellschaft auf. Jugendliche wollen die Welt erforschen und entdecken, doch wird ihnen dazu nicht die Möglichkeit gegeben – ja nicht nur das ,sie werden sogar zu Gefangenen der elterlichen Missstände.

Der Autor lässt dabei seine Charaktere von der damaligen Zeit berichten und bringt durch sie seine harsche Kritik an der damaligen Erziehung sowie der spießbürgerlichen Gesellschaft insgesamt zum Ausdruck. Dies kommt besonderes gut zum Ausdruck, da sein Werk eben in der Welt der Jugendlichen angesiedelt ist. Vor den Schicksalen, die er aufzeigt, konnte man sich nun nicht mehr verstecken oder diese gar leugnen.

So lässt Wedekind an dieser engen, verklemmten Gesellschaft kein gutes Haar. Deren heuchlerische Sexualmoral sowie deren Erziehungsmethoden,  verachtet der Autor zutiefst und bringt dies in dieser Tragödie deutlich zum Ausdruck.

 

 

2) Die geschilderte Jugend ist in der damaligen Bourgeoisie angesiedelt, dem erstarkten Bürgertum um die Jahrhundertwende.

Diese, im Gegensatz zur Arbeiterklasse recht wohlhabende Schicht, war die Grundlage für das sogenannte Spießbürgertum. Dieses galt als obrigkeitshörig und ungemein rigide, dazu noch streng und sexuell verklemmt. Recht anschaulich sind die Begriffe „spießig“ oder auch „Spießer“, die noch heute gebräuchlich sind.

 

Ein weiteres Kennzeichen dieser Gesellschaftsschicht war zudem sein relativer Wohlstand sowie seine durchschnittliche Bildung.

Sexualität ist in dieser Zeit nicht vorhanden, oder wurde besser gesagt tot geschwiegen.

Darüber zu reden war verpönt und so wurde auch die Aufklärung sträflich vernachlässigt.

 

Diese Umstände  prägen die Jugendlichen sowie deren Entwicklung ganz wesentlich.

Dies gipfelt  nicht nur in der Katastrophe - dem Tod von Wendla und Moritz-, der Einfluss dieser verklemmten Gesellschaft lässt sich an allen Ecken und Enden in der Geschichte beobachten..

Der Wissensdurst der Jugendlichen wird z.B. schon im Keim erstickt, da sie immer wieder mit Unwahrheiten abgespeist werden. Als Ausweg bleibt die gegenseitige Klärung von Fragen oder eben die Klärung durchs einfache Ausprobieren.

Wendla wird mit dem Gedanken „alt“, ein Kuss vermähle sie. Ist es, zieht man dies in Betracht, verwunderlich, dass sie von Melchior geschwängert wird, da sich beide nur in sehr geringem Maße  im klaren sind, was ihre „Entdeckungen“ für Folgen haben?

 

Tragisch auch der weitere Verlauf. Die Mutter bringt es nicht fertig, sich ihren eigenen erzieherischen Fehler einzugestehen; Um das trügerische Bild aufrecht zu erhalten ,lässt sie die „Bleichsucht“ behandeln anstatt sie wohl oder übel auskurieren zu lassen und nimmt durch die Anwendung einer wohl noch nicht besonders weit entwickelten Abtreibungsmethode den Tod  ihre Tochter billigend in kauf.

 

Auch Moritz ist wie gesagt ein unschuldiges Opfer. Er traut sich nicht, seinen Eltern von der Nichtversetzung zu erzählen, die wohl soviel Ärger mit sich gebracht hätte. Stattdessen suizidiert er sich, um dieser Standpauke zu entgehen. So ist sein Charakter sowie  seine Entwicklung nur in Anbetracht, der damaligen Zeit zu verstehen. Seine übermäßige Angst vor der Reaktion der Eltern spiegelt ganz deutlich die Strenge und darauf folgende Konsequenzen wieder, sollte etwas nicht so verlaufen, wie es den Eltern genehm ist.

 

Bleibt noch Melchior. Bei ihm  zeigt sich die Unzufriedenheit genauso wie die Unwissenheit über seinen Platz in der Welt. Seine Erziehung hat ihm diesen ganz weit unten zugewiesen.

So wird auch bei dem Vorwurf  des unsittlichen Verhaltens durch seinen Aufklärungsversuch nicht nach seiner Stellungsnahme gefragt, stattdessen wird autoritär entschieden, auch ohne dass ihm dies lange erklärt würde und die Eltern stecken ihn in eine Besserungsanstalt.

Bedenkt man dies, ist es nicht verwunderlich, dass er in der letzten Szene mit sich selbst ringt, ob er seinen Freunden in der Tod folgen oder doch nach einem besseren Leben suchen soll.

 

Insgesamt versuchen sich die Jugendlichen, die Fragen, die sie haben(z.B. zur Sexualität) untereinander - mit den ganzen negativen Folgen, die dies hat-  zu beantworten, da sie  wissen , dass sie von ihren Eltern bzw. von der gesamten Gesellschaft keine Antworten erhalten werden.

 

 

3) Die Industrialisierung und die damit verbundene gesellschaftliche Umwälzung hatten schon längere Zeit eingesetzt und die vom Proletariat so verabscheute Bourgeoisie hatte sich entwickelt. Die feste Ständegesellschaft war überwunden. Dafür hatte sich die nach dem Wohlstand definierte Klassengesellschaft herausgebildet.

 

Darüber hinaus war Deutschland seit der Reichsgründung 1871 ein Flächenstaat und dem Diktat Preußens unterworfen, dessen Sitten und Gebräuche großen Einfluss auf das gesamte 2. Reich hatten. Obrigkeitshörigkeit sowie Beschränktheit des Geistes fand man vor allem bei Spießbürgern und Biedermeiern.

In diesem historischen Kontext spielt „Frühlings Erwachen.“ So ist die geschilderte sexuelle Unaufgeklärtheit sowie die geistige Enge typisch für die Jahrhundertwende und die wilhelminische Zeit.

Andere Werte waren nun bestimmend. Die Familie war unwichtiger geworden und die in der Aufklärung definierten Werte wie die Entfaltung des Geistes spielten nur in intellektuellen Kreisen eine Rolle - in nur sehr geringem Maße jedoch in der hier geschilderten Gesellschaftsschicht.

 

Insgesamt spielen jedoch die historischen Kontexte der damaligen  Zeit nur eine sehr untergeordnete Rolle. Daher gehe ich  nicht näher auf Stichpunk ein, die die  Verfassung, die Wirtschaft oder auch die Mächte der Zeit betreffen.

 

 

 

 

4) Die hier erzählten Jugendschicksale sind sehr eng miteinander verwoben. So sind Melchior, Wendla und Moritz nicht nur zusammen in der Schule ,sondern auch miteinander befreundet. Dies geht soweit, dass Melchior sich in Wendla verliebt und diese auf einem Heuboden schwängert. Außer Frage steht, dass die drei Jugendlichen sich auch gegenseitig beeinflussen und auf einander wirken wie es Melchior ja auch macht, indem er Moritz aufklärt.

 

Doch spielt die Gesellschaft, die sie umgibt, das heißt ihre Eltern sowie die Schule eine sehr viel größere Rolle und wirkt mit ihrer autoritären Erziehung wesentlich stärker auf sie ein.

 

Explizit werden die Eltern von Melchior, die Mutter von Wendla sowie der Vater von Moritz  erwähnt.

Zu diesen wird jedoch ,mit Ausnahme der Mutter von Melchior ,keine Eltern- Kind Beziehung aus heutiger Sicht geschildert ,sondern nur diese Autoritätsbeziehung ,die auch noch mit der erwähnten sexuellen Verklemmtheit sowie der geistigen Engstirnigkeit geführt wird.

Die Erwachsenen gehen dabei mit ihren Sprösslingen mehr  wie mit Kleinkindern um (die Geschichte vom Klapperstorch!) ,nicht jedoch wie mit Pubertierenden ,die ihrerseits erwachsen werden wollen.

So werden diese immer noch bevormundet und autoritär behandelt. Ein großer Unterschied zwischen unseren drei Hauptfiguren muss dabei nicht gemacht werden, da das Verhältnis zu den Eltern im Grunde als gleich bezeichnet werden kann.

Einzig und allein die Mutter von Melchior hat wohl eine richtig Beziehung zu ihrem Sohn, die nicht von diesen Merkmalen gekennzeichnet ist. Sie setzt sich zwar für ihn ein und unterstreicht seine Ähnlichkeit zu ihr, doch seine Überweisung in eine Besserungsanstalt kann auch sie nicht verhindern.

 

Ähnlich wie die Beziehung der Eltern ist die Beziehung der Schule zu ihren Schülern zu sehen.

Diese betreibt genauso eine autoritäre Erziehung ohne den Jugendlichen hinter dem Schüler zu sehen. So muss Moritz ,die Schule verlassen, ohne dass dies mit den Eltern besprochen wurde.  Als wie schwerwiegend sich dieser Fehler erweist, zeigt sein tragisches Ende.

 

 

5) Die wesentlichen Begegnungen in Wedekinds Tragödie betreffen die Jugendlichen, die schließlich  zu engen Freunden werden. Andere erwähnenswerte Begegnungen finden jedoch nicht statt.

 

Verletzungen treten in ganz erheblichem Maße auf. So kann Melchior nur enttäuscht sein, nachdem er von zu Hause „abgeschoben“ wurde und seine Mutter seinen Vater nicht überzeugen konnte.

Auch Moritz erfährt Verletzungen. Dass er nicht auf Gnade und Verständnis hoffen darf, treibt ihn in den Tod.

Wendla erfährt hingegen körperliche Verletzungen. Ihr werden Medikamente aufgezwungen, die sie in letzter Konsequenz auch umbringen.

Das Vermeiden der persönlichen Schande ist wichtiger als das  Schicksal des Jugendlichen. Dies kann wohl als Gemeinsamkeit im Handeln sowohl bei den Jugendlichen als auch bei den Erwachsenen festgestellt werden.

 

Belastungen spielen in den geschilderten Entwicklungen eine ähnlich große Rolle.

Anfangs muss ganz eindeutig die generelle Enge verbunden mit der moralischen Schieflage genannt werden, aus der die Jugendlichen nicht herauskommen können.

Auch kann die wohl kaum vorhandene, aufrichtige und auf Austausch basierende Kommunikation zwischen Eltern und Kindern und zwischen Schule und Schülern als Belastung eingestuft werden.

Gerade dass die Jugendlichen soviel wissen wollen, aber in dem Umfeld, in dem unsere Geschichte spielt ,sowenig erfahren können ,ist in jedem Fall problematisch.

Dazu kommt die militärische Strenge und Autorität ,die in der damaligen Gesellschaft insgesamt herrschte. Hätte das Fehlen dieser Attribute den Selbstmord von Moritz verhindert? Ich denke schon...

 

Als letztes muss die sexuelle Sprachlosigkeit genannt werden. Nicht nur, dass Wendla schwanger wird und aufgrund der Abtreibung stirbt. Allein die Tatsache, dass sie von Melchior geschlagen werden will, zeigt deutlich das nicht ausgereizte, wohl aber ganz natürliche Bedürfnis ,sexuelle Erfahrungen während der Pubertät erleben zu wollen.

 

Die sexuellen Versuche haben auch damit zu tun, dass Wendla bei der Schwangerschaft ihrer Schwester erfährt, dass Kinder ja sowieso vom Klapperstorch gebracht werden und sie sich somit bei den „Spielchen“ mit Melchior gar keine Vorstellungen von möglichen Folgen macht.

Nur so ist das tragische Schicksal der Jungendlichen zu verstehen.

 

Gerade die Wünsche von ihnen sind an ihren Verhaltensweisen sehr gut ablesbar.

So stellen viele von diesen - so auch der Selbstmord oder auch die sexuellen Erfahrungen Wendlas und Melchiors – den Umweg oder auch den letzten Ausweg zur Verwirklichung ihrer Wünsche (und Vorstellungen)  dar. Wäre die Sexualaufklärung anders verlaufen ,hätten diese Formen des Ausprobierens vermutlich so nicht stattgefunden.

Das gleiche kann von Moritz Selbstmord gesagt werden. Wäre ein Gespräch mit den Eltern möglich gewesen – und danach sehnte er sich gewiss – wäre es zum letzten Ausweg, dem Selbstmord nicht gekommen.

So kann wohl ganz generell angemerkt werden, dass bei den Verhaltensweisen aller Jugendlichen der Wunsch nach einem anderen Umgang mit ihnen und ihren Problemen ganz eindeutig zu Tage tritt. Dies trifft auch für die Erziehung insgesamt zu.

Mutmaßen lässt sich ,ob die autoritäre Erziehung sie vielleicht in eine unbewusst stattfindende Rebellion treibt.

 

Eine Vorstellung , die gesondert herausgegriffen werden kann ,ist sicherlich die von Wendla, die eben ihre Sexualität erfahren und ausprobieren will .Genauso hat Melchior die Vorstellung von einem Leben mit weniger Repressionen und Autoritäten. Dies gibt ihm die Hoffnung ,die ihn dazu bringt, dem vermummten Herrn zu folgen.

 

Der Wunsch nach Selbstbestimmung und freier Entfaltung lässt sich  auf alle drei übertragen. Sie haben die Vorstellung ihr Leben anders  gestalten zu wollen als es von ihren Eltern, der Schule und der Gesellschaft insgesamt vorgeschrieben ist.

 

 

6) Um schlussendlich auf meine eigenen Einsichten zu sprechen zu kommen, so muss ich sagen, dass „Frühlings Erwachen“  erst einmal  unserer Epoche fern und seine Aktualität im Grunde verloren zu haben scheint.

Die autoritäre Erziehung spielt  seit den 60er Jahren nicht mehr diese Rolle. Erzieherische Grundsätze wurden zwar nicht so übernommen wie sie beispielsweise im Sumerhillpojekt vorgelebt wurden ,doch sind wir weit entfernt von Zuständen wie sie in der Wilhelminischen Zeit vorherrschten.

Nein ,ich halte zwei andere Punkte für viel aktueller. So hat sich zwar auch in der Sexualerziehung einiges getan ,doch kommt es immer noch in nicht geringem Maße vor ,dass Erwachsene mit ihren Kindern über das Thema der Sexualität nicht sprechen können und dieses lieber umgehen. Komisch eigentlich, da gerade  unsere Epoche, so freizügig ist wie keine vor ihr. Ich wage jedoch zu behaupten, dass sich dieses Problem kaum geändert hat.

Viele Erwachsene kommen mit ihrer eigenen Sexualität nicht zurecht, bzw. machen sich darüber lieber erst gar keine Gedanken. So ist es geradezu unmöglich mit ihren Kindern darüber zu sprechen, was ich für eine gefährliche Entwicklung halte gerade in Zeiten von AIDS. Leider wird auch heute die Sexualerziehung oft vom Freundeskreis übernommen wozu noch diverse Magazine kommen ,die die Versäumnisse der Eltern in gewisser Weise auffangen ,aber nicht kompensieren können.

 

Der zweite Punkt, den ich ansprechen möchte ,beinhaltet ein Zitat von Wedekind selbst, das die ganze Kritik an der Moral der Elterngeneration zum Ausdruck bringt : „Die Richter sind die Verbrecher.“ Diesen Zustand bezeichnet Nietzsche auch als „Umwertung aller Werte.“ Den Zustand eben, dass Eltern das ,für was eigentlich sie Verantwortung tragen, richten und sich dadurch selbst verurteilen ohne dies jedoch zu bemerken, .

Solche Paradoxien finden wir immer wieder und vielleicht gerade heute noch in verstärkter Form . Unmöglich wäre es an dieser Stelle alle aufzuzählen.

Um aber vielleicht doch das Beispiel aufzunehmen, das „Frühlings Erwachen“ anspricht... Eltern beschweren sich oft über die schlechten Gewohnheiten, Sitten oder Entwicklungen ihrer Sprösslinge(über was sie sich beschweren, ist im Grunde genommen aber egal) ohne aber zu bemerken, dass sie an diesem Entwicklungsgang ganz gehörigen Anteil haben.

Dass diese Prägung in heutiger Zeit von vielen Faktoren  abhängt, die in früheren Zeiten nicht so stark ausgeprägt waren wie z.B. den Medien ist klar ,doch gibt es auch epochentypische Merkmale wie dem, dass Eltern nicht genug Zeit für ihre Kinder haben und sich dadurch  in einem ganz erheblichen Maße an ihren Kindern schuldig machen . Sich später über die Folgen zu beschweren, ist geradezu heuchlerisch.

Es heißt Verantwortung zu übernehmen und sich seines Handelns bewusst zu sein mit all seinen Konsequenzen... genau das kann „Frühlings Erwachen“ lehren und genau in diesem Punkt ist es immer noch höchst aktuell.