DEUTSCHE LITERATURGESCHICHTE © gabriele weis

 READER: jugend als literarisches thema des 20., 19. + 18.jhds...

 


 

 

1916  Heinrich Mann  /  DER UNTERTAN13

 

       |  und:   erläuterungen+dokumente  | 

 

 

Kindlers neues Literaturlexikon

Roman von Heinrich Mann, in Buchform 1916 veröffentlicht. - Dieser 1906 begonnene und 1914 »zwei Monate vor Ausbruch des Krieges« beendete Roman schließt die Reihe der »wilhelminischen« Bücher Heinrich Manns ab. Als die schärfste (und prophetische) Analyse nationalistischer Politik und Machtverhältnisse unter der Regierung Kaiser Wilhelms II., die in der zeitgenössischen deutschen Literatur zu verzeichnen ist, wurde das Buch, von Kurt Tucholsky als »Herbarium des deutschen Mannes« und als »Anatomie-Atlas des Reichs« bezeichnet, nach dem Ersten Weltkrieg zu einem sensationellen Erfolg. Es greift wie der erste »wilhelminische« Roman, Im Schlaraffenland (1900), auf die Nachgründerzeit zurück und schließt - in topographischen Anspielungen wie in der Mikroskopie von Autoritätsfiguren - unmittelbar an Professor Unrat (1904) an. Hier wie dort geht es um die Kritik der »Grundlagen« des Staates: »eine einflußreiche Kirche, ein handfester Säbel, strikter Gehorsam und starre Sitten« (Professor Unrat), die - nach einem ursprünglichen Untertitelentwurf - in der »Geschichte der öffentlichen Seele in Deutschland« widergespiegelt werden sollten. Plan und Ausführung des Buchs begleitete die Entwicklung einer Utopie von Demokratie, die sowohl die Beseitigung der Feudalherrschaft wie der aristokratischen Esoterik intellektueller Opposition forderte. In dem Aufsatz Reichstag (1911) ist der wilhelminische Bürger beschrieben als »dieser widerwärtig interessante Typus des imperialistischen Untertanen, des Chauvinisten ohne Mitverantwortung, des in der Masse verschwindenden Machtanbeters, des Autoritätsgläubigen wider besseres Wissen und politischen Selbstkasteiers«. Heinrich Mann arbeitete zunächst einzelne Episoden aus, die er als abgeschlossene novellistische Szenen im ›Simplicissimus‹ (als erste Gretchen) veröffentlichte. Seit Januar 1914 erschien der Roman bis kurz nach Kriegsausbruch, als die Veröffentlichung abgebrochen werden mußte, in der Illustrierten ›Zeit im Bild‹ in Fortsetzungen (und in einer russischen Buchausgabe), 1916 in einem Privatdruck von zehn Exemplaren, bis er nach Wegfall der Zensur veröffentlicht werden konnte. Die sechs Kapitel des Buchs, die wiederum in locker gefügte Einzelszenen unterteilt sind, erzählen analog dem formalen Muster eines Bildungsromans und mit autobiographischen Anspielungen auf Heinrich Manns Geburtsstadt Lübeck, die Lebensgeschichte des Bürgers Diederich Heßling (urspr. Hänfling) von seiner früheren Kindheit bis zur Sicherung seiner Stellung in seiner Heimatstadt Netzig. In detailfreudigem, Drastik nicht scheuendem Realismus werden die Träume des Kindes beschrieben, die Taten des Schülers, die Erfahrungen des Studenten in Berlin: Demütigungen durch einen Stärkeren, Eingliederung in die Korporation Neuteutonia, Liebesaffäre mit Agnes Göppel, der Tochter eines Geschäftsfreundes, Prägung durch nationalkonservative Massenstimmung, das Dasein eines Drückebergers beim Militär. Nach Ende des Studiums - dem Abschluß des »Bildungs«-Gangs - wird die Hauptfigur fast ausschließlich in ihrem heimischen Aktionskreis vorgeführt: als Agitator am Stammtisch, als Herr über einen Betrieb und Beherrscher einer Familie, als Eiferer gegen das Proletariat, der selbst die Erschießung eines Demonstranten begrüßt, und als Zeuge im Prozeß gegen einen jüdischen Mitbürger wegen Majestätsbeleidigung; als geschickter Familienpolitiker und Winkeladvokat auf einem Ball, als Stadtverordneter und intriganter Kumpan des verhaßten Sozialdemokraten Napoleon Fischer, als erfolgreicher Liebediener des Regierungspräsidenten von Wulckow, als glücklicher Bräutigam des geldschweren Mädchens Guste Daimchen. Die Hochzeitsreise führt den Helden auf den Spuren seines Kaisers nach Rom; geheime Machenschaften schließlich sichern dem wohlhabenden Bürger die Aktienmehrheit an der Papierfabrik seines alternden Konkurrenten Klüsing, seine chauvinistische Haltung und Stadtratspolitik einen hohen Orden, der ihm bei der Einweihung eines Denkmals für Wilhelm I. überreicht wird. An dieser Kette von Episoden und mit Hilfe eines aus Kaiserreden entlehnten Zitatfeldes wird die Doppelrolle Heßlings als Tyrann und Untertan entwickelt. Einerseits prägt ihn »Zugehörigkeit zu einem unpersönlichen Ganzen, zu diesem unerbittlichen, menschenverachtenden, maschinellen Organismus«, den die Hierarchie des imperialistischen Wilhelminismus in jeder ihrer Institutionen darstellt. Andererseits verschafft ihm gerade das Erleiden institutioneller Macht - in Schule. Universität, Korporation, Militär etc. - persönlichen Machtbesitz; in Heßlings Maxime »wer treten wollte, mußte sich treten lassen«, versteinert der Opportunismus dieses Lebenslaufs zum Erfolgsgesetz. In Momenten totaler Unterwerfung verschiebt sich der Machtwille Heßlings zum Umsturz-Rausch; doch jedesmal, wenn er »alles niedergeworfen, zerstoben« sehen will: »die Herren des Staates, Heer, Beamtentum, alle Machtverbände und sie selbst, die Macht!«, richtet er selbst »das Gebäude der Ordnung« wieder auf. Als er in seiner Festrede zur Einweihung des Ehrenmals »die Seele deutschen Wesens« mit der »Verehrung der Macht, der überlieferten und von Gott geweihten Macht, gegen die man nichts machen kann« gleichsetzt und damit sich selbst als den repräsentativen Typus der Zeit bündig formuliert, wird die Kritik Heinrich Manns ins Utopische projiziert: in einem Gewitter - einer satirischen Apokalypse - löst sich alle Ordnung auf. Die »über alle Begriffe« hinausgehende Vision einer Anarchie des Himmels, eines Strafgerichts gibt die Ahnung von der Selbstzerstörung des Wilhelminismus, ein »Kehraus, wie der einer betrunkenen Maskerade, Kehraus von Edel und Unfrei, vornehmstem Rock und aus dem Schlummer erwachten Bürger, einzigen Säulen, gottgesandten Männern, idealen Gütern, Husaren, Ulanen, Dragonern und Train!« Gegenfigur des zwischen Pathos und Sentimentalität schwankenden Heßling ist sein Schulkamerad Wolfgang Buck; er exemplifiziert - als Medium und Objekt der Kritik zugleich - eine »Tatsache der inneren Zeitgeschichte«: die in Ästhetizismus abgeglittene intellektuelle Opposition, die den wilhelminischen Bürger an seinem teutonischen Kunstbegriff richtet (wie Heinrich Mann in einer Szene den zeitgenössischen Wagner-Kult als schlechtes Theater entlarvt), die ihn zwar als »Schauspieler« und »Komödianten« erkennt, aber über dem Studium von »Sensationen« die Handlungsfähigkeit verliert. Mit diesem zweiseitig kritischen Gegensatz von Macht und Geist verknüpft Heinrich Mann die historische Auseinandersetzung zwischen dem erstarkten wilhelminischen Imperialismus und dem verkümmernden Liberalismus. Wolfgang Bucks Vater, ein unzeitgemäßer 48er-Revolutionär, dessen Ansehen und Stellung in der Stadt von Heßling untergraben werden, stirbt im Angesicht des triumphierenden Untertans, den er als »Fremden«, ja als »den Teufel« erkennt. Der Roman, häufig als »Pamphlet« mißverstanden und im Gefolge der Kritik Thomas Manns in seinen Betrachtungen eines Unpolitischen von völkischen Rezensenten abgewertet, gilt heute als das Hauptwerk deutscher Satire im 20. Jahrhundert. - Mann faßte diesen und zwei später veröffentlichte Romane zu der Sammlung »Das Kaiserreich« zusammen: Die 1917, noch vor der Buchausgabe des Untertan erschienene unmittelbare Fortsetzung Die Armen versteht sich als »Roman des Proletariats«, vermag aber wegen mangelhafter Detail-Kenntnisse ihres Verfassers und schematischer Handlung ebensowenig zu überzeugen wie das als »Roman der [geistigen] Führer« angelegte Buch Der Kopf wegen seiner Unübersichtlichkeit. Dr. Wilfried F. Schoeller

 

 

 

gk d 12/2  -   die schüler/innen haben die nebenstehenden buchanalysefragen bearbeitet > ergibt 2/3 ihrer note;    -   sie bewerten überdies via auslosung die arbeitsergebnisse eines mitschülers /einer mitschülerin > die benotung der qualität dieser bewertung ergibt das letzte drittel ihrer zusätzlichen schriftlichen note in 12/2

AUTOR/IN:   si

 

1.)-Aus wessen Perspektive und mit welchem Interesse ist die da dargestellte Jugend bzw. ist von dieser Jugend erzählt ?

In dem Roman „Der Untertan“ von Heinrich Mann wird von einer dritten unbeteiligten Person die Geschichte von Diedrich Heßling, der in einer kleinen Stadt namens Netzig geboren wurde erzählt. Der Erzähler hat einen Einblick in die Gefühl- und in die Denkweise von dem Helden Diedrich, der hier gegen die Gesellschaft antreten muss. Aber im Laufe der Geschichte werden die übleren Seiten der Hauptperson immer klarer.

Trotzdem kann man der Romanhandlung recht leicht folgen, da der Erzähler keine Rückblenden benutzt , und auch sonst der Aufbau der Romans chronologisch zur Zeitgeschichte  verläuft, wobei hier anzumerken wäre, dass einige Fakten in seinem Roman auch frei erfunden sind.

Ich denke, dass der Erzähler  in diesem Roman nicht die Lebenshaltung eines einzelnen Menschen durchleuchten wollte. Vielmehr wollte er wohl eine Art literarische Analyse des deutschen Kaiserreiches im 19Jhd. charakterisieren . So hat er die Verhältnisse zu dieser Zeit kritisch, und auch schonungslos durchleuchtet, wodurch er auch Missstände im deutschen Reich aufdecken konnte, wie zum Beispiel Militarisierung des gesellschaftlichen Lebens, oder im allgemeinen die Untertan- Typen der damaligen Zeit. 

Auch verbindet der Erzähler die Handlungen des Helden mit realen Handlungen (Kaiserzitaten) aus der damaligen Kaiserzeit Wilhelm II., und übt mit einer gewissen Satire , Wiederholungen und Spiegelungen Kritik, vor allem in politischer Hinsicht.  

So werden das Geschehen und der Held unmittelbar mit den Staatsaktionen verbunden, was der Satire ihre eigentliche politische Stärke verleiht.

Der Erzähler geht auch oft auf das ewige Machtspiel das Diedrich spielt ein, dass er zuerst erfährt, und es danach in Form von nationalistischen Denkweisen seinen Umfeld eintrichtert will, und dann auch später diesen Machtkampf in Netzig, vor allem durch seine rhetorischen Mittel, die man auch bei Wilhelm II. sehen konnte,  gewinnt.

  

Im Allgemeinen ist zu sagen , dass das Interesse von Heinrich Mann mehr der Beschreibung des sozialpsychologischen Untertanentypen galt. Ihn interessierte meiner Meinung nach vielmehr welche Gesellschaft solche Untertanen erschafft, und wie ihr Verhalten in den ihnen aufgezwungenen Kampf ist. Für diese Beschreibung brauchte Heinrich Mann eine Kindheits- und Jugendentwicklung, der er sich dann auch bediente.  

  

2.)- In welcher bzw. zwischen welchen gesellschaftlichen Schichten ist die da dargestellte Jugend angesiedelt?

 

Diedrich wächst in der preußischen Kleinstadt Netzig auf, die überschaubar und auch beschaulich war. Sein Vater besaß eine handwerklich betriebene Papierfabrik à eher ein kleinbürgerliches Verhältnis, da die Stadt Netzig auch von der übrigen Entwicklung abgekoppelt war, im Bezug auf den Aufschwung jener Zeit, den die anderen Städten durch die Reichsgründung oder der Großindustrie gebracht hatte.

Als dann Diedrich nach Berlin geht tritt er der Studentenverbindung Neuteutonia bei, die eine studentische Verbindung  von männlichen Studenten war, die viele, wie auch heute noch, Trinkgelage veranstalteten , und die ich nun auch nicht gerade in eine hohe gesellschaftliche Ebene haben würde.

Im Kontrast dazu stehen während  seiner Studentenzeit in Berlin die Freunde seines Vaters, Familie Göppel . Meiner Meinung nach haben diese Personen einen recht hohen kulturellen Standpunkt und sind auch gesellschaftlich respektiert, obwohl es in den Geschäften von Herrn Göppels es wohl nicht mehr so gut läuft.

Im Allgemeinen ist Diedrich von fast allen Gesellschaftsebenen umfasst. Vom einfachen Arbeiter in der Fabrik seines Vaters, die er aber später als ihm die Fabrik gehört, als seine Untergebenen ansieht, über seine Studentenverbindung, einfachen Geschäftsleuten bis hin zum Bürgermeister oder zu Geistlichen bis hin zu „freizügigen Frauen“.

Aber man muss noch erwähnen, dass besonders in Netzig zwischen den verschiedenen Personen, und so auch zwischen verschiedenen Gesellschaften ein reger Konkurrenzkampf entstand, der durch Intrigen und Lügen nur noch verstärkt wurde. 

Um in dieser Zeit  ein gesellschaftlich angesehener Mensch gewesen zu sein, musste man den Militärdienst absolviert haben, um auch in seiner beruflichen Laufbahn weiter zu kommen. Der Zivilist fühlte sich jeden Uniformträger unterlegen, wodurch natürlich auch wieder gesellschaftliche Differenzen entstanden.

 

 

3.)-  In welchem historischen Kontexten ereignet sich die da erzählte\ dargestellte Jugend ?

 

Der Zeitliche Verlauf der Romanhandlung hat einen recht engen Bezug auf historische Daten.

Der Autor hat die Erziehung Diedrichs und seine Studienzeit relativ genau an den zeitlichen Kurs Wilhelm II.  angepasst, der sich nach der Absetzung Bismarcks einschlug.

Trotzdem bleibt der Roman gegenüber der Realität, auf die er sich bezieht, weitgehend unabhängig. Der Roman hat seinen eigenen Zeitverlauf, der mit geschichtlichen sowie frei erfundenen Daten vermischt.

Für den Zeitablauf hat Heinrich Mann einige Hinweise in seinem Buch durchblicken lassen. Er nennt zum Beispiel Daten, die sich auf seine Lebensgeschichte beziehen (Geburtsjahre seiner Kinder).

Den Gesamtzeitraum der Geschichte kann etwa zwischen den Jahren 1870 bis etwa 1897.

Im 1.Kapitel kann man auch genauere Datierungen  erkennen, so zum Beispiel die Februardemonstrationen im Jahre 1892.

Die Handlung der nächsten 3 Kapitel ist auf einen recht engen Zeitrahmen beschränkt ( Zeit in Netzig ) .

Der Roman endet im Jahre 1897 , in welchem Jahren Diedrich gerade einmal knappe dreißig seinen müsste.

 

4.)- In welchen Personenkonstellationen ereignet sich die da erzählte Jugend? Und welche Wirkungen ergeben sich aus diesen Konstellationen für den da erzählten Entwicklungsgang insbesondere der jungen Haupterzählfigur?

 

Im 1. Kapitel hat der Autor um Diedrich Figuren „versammelt“ , die ihn in das Umfeld unter Wilhelm II. einfügen und ihn zu einer nationalgesinnten Person erziehen sollen.

Kindheit und Schulzeit formen dafür wesentlich seinen Charakter  ( die Fähigkeit für schamlose Intrigen).

Ein neues Weltbild lehrten ihn die Neuteutonen  ( zum Beispiel Wiebel (à ein Komolitone von Diedrich) .Sie erteilten ihm die nötigen Lehren und brachten ihm die ihre Verhaltensmuster bei, die aber nicht unbedingt als richtig oder gut bestätigt wurden.

Agnes Göppel ( seine „Freundin“ in Berlinà mehr so eine Art Hassliebe) versuchte Diedrich ein anders Lebenskonzept  mit positiveren moralischen Werten zu vermitteln, jedoch ohne jeglichen Erfolg. Und auch der Vater von Agnes möchte gegen den fanatischen Kaiserglauben Diedrichs entgegenhalten, aber es scheint mir, als ob er hierfür nicht den richtigen Ansatz findet, und ihm recht schnell die Argumente ausgehen.

Ebenfalls  wirkt hier auch die Massengesellschaft von Berlin auf Diedrich, die natürlich um einiges weiter Entwickelt ist als die Bevölkerung in seinem Dorf ( Trends, Denkweisen   Moden usw.).

Die Konstellationen in Netzig sind zum Beispiel die Familie Wulckow (Regierungspräsident) , die das Junkertum darstellen sollen, der  hinter dem erreichtem Kulturniveau zurückbleibt.

Interessant ist auch die Begegnung mit dem Bürgermeister Scheffelweis , der meiner Meinung nach zu keiner eigenen Meinung fähig ist, und mehr als Spielfigur für Diedrich fungiert.

Assessor und später Staatsanwalt Jadassohn  sind eigentlich die gleichen Typen von Mensch wie Diedrich, da sie keine Eigeninitiative haben und  nur ein funktionierendes Glied in der Gesellschaft sind. Gleiches gilt auch für Pastor Zillich, der seine Kirche ebenfalls ganz in den Dienst des Untertanentypen stellt. Auch der Arzt Heuteufel unterwirft sich nun mehr und mehr  den Standart dieser neuen Zeit und dessen Macht. All diese Figuren spiegeln diesen Untertanentyp wieder.

Jedoch der Rechtsanwalt Wolfgang Buck  ist meiner Meinung nach nicht der selben Meinung wie die „Untertanen“, da er sie charakterisiert und zugleich damit auch kritisiert.

Eine weiter interessante Konstellation die Diedrich eingeht ist die Begegnung mit dem   sozialdemokratischen Arbeiter Napoleon Fischer, der eigentlich nur von der Macht profitieren will.

Die Konstellation mit jeglichen Frauen, die Diedrich kennen lernt ist für diese Zeit wohl typisch. Frauen treten nur im Privatleben auf und spielten auch sonst keine große Rolle. Die Männer verhandelten  und entschieden über sie, wobei es auch Beispiele gibt, in denen sich die Frauen „widerspenstig“ zeigten (Kätchen Zillich und ihre Schwester, die sich in ihren Geschlechtbeziehungen durchsetzen ). 

 

 

5.)- Welche Begegnungen , Verletzungen, Erlebnisse, Belastungen, Erfahrungen, Wünsche und Vorstellungen kennzeichnen die da erzählte Jugend?

 

Diedrich wird als „weiches Kind“, das am liebsten träumt und sich vor allem fürchtet eingeführt. Er hatte Angst vor Kröten und Gnomen, aber am meisten fürchtete er seinen Vater, den er lieben sollte und meiner Meinung nach auch wirklich liebte. Diedrich liebte dieser väterliche Autorität. Er erwartete von seinem Vater eine Bestrafung und sehnte sich nach den zu erwarteten Prügeln einer höheren Macht, seinem Vater.

Die nächst höher Macht war die Staatsgewalt, die der Hauptmann verkörperte. Und es gab für ihn noch mehr Gewalten , wie zum Beispiel der Arzt, Märchengespenster , die Polizei und sogar der Schornsteinfeger, aber die höchste und furchtbarste Gewalt, die er bis dahin noch nicht kannte war die Schule.

Er erlebte es lustvoll, wenn er mit der Unterwerfung unter die Macht bestraft wurde, aber auch wenn er sie selbst ausüben konnte, so gegen seine Schwester, gegen die Arbeiter in der Papierfabrik und auch gegen Mitschüler. Und er empfand auch eine Art Lust und Genuss an seiner hinterhältige Schadenfreude ( z.B. Als der Vater die Treppe runter stürzte).

Dies sind alles Wünsche, Erlebnisse, Erfahrungen usw., die den autoritären Charakter des Jungen wesentlich zu dieser Zeit prägten.

Auch als Diedrich nach Berlin geht um dort sein Chemie Studium anzutreten, erfährt er eine unbekannte Angst, nämlich die Stadt Berlin an sich. Die Großstadt war ihm unheimlich, da die Größendimensionen mit Netzig in keiner Relation standen (der Weg zur Uni war schon so weit wie durch ganz Netzig zu laufen). Also vermied es Diedrich, sofern dies möglich war seine Wohnung nicht zu verlassen. Diedrich bekam Heimweh.

 Die Begegnung mit den Geschäftsfreunden des Vaters (Göppel ) und die Erfahrungen mit deren  Tochter Agnes hatten keinen Einfluss auf Diedrich, da ich das ganze als eine Art Geplänkel ansehe ( eine lästige Pflichterfüllung, sogar gegenüber Agnes, wo man eigentlich zu Anfang dachte, dass er sie liebte).  

Einen weiteren Einfluss auf Diedrich sozialen Lernprozess hatte die Studentenverbindung Neuteutonia . Die studentischen Verbindungen waren in Deutschland zu dieser Zeit reaktionär („ tatenkräftig“) orientiert , was sich auch in seinem weitern Verlauf widerspiegeln wird .

Politisch gesehen wird  Diedrich stark durch den Kurs des Kaisers gekennzeichnet, dem er fast eine gottähnliche Rolle zugesteht (höchste Macht).

Alle diese Aspekte, die hier aufgezählt wurden kennzeichnen sein späteres Leben, als er dann die Fabrik seine Vaters übernimmt, um dort die autoritäre Stellung , seines bis dahin verstorben Vaters zu übernehmen, und nun dann seinen Untertanen ( seine Belegschaft) seine Macht zu beweisen.

 

 

6.)- Auf welche Einsichten bei Dir als Leser läuft die da erzählte Jugend hinaus?

 

Ich muss sagen, dass die da erzählte Jugend in mir nur wenig Einsichten auslöst, geschweige denn Klarheit verschafft. Es geht in diesem Buch vielmehr um ein politisches Problem, als um die Jugend und  das Auswirken von Machtspielchen, von seitens der Jugend. Aber gerade durch diesen Aspekt sollte man als Leser Einsicht in die da dargestellte Jugend haben, aber dieses Thema wurde im Roman meiner Meinung nach nur als Vorwand für einen anderen Hintergrund benutzt, und ist deshalb zu kurz gekommen.

Vielleicht liegt es auch daran, das ich mich persönlich mit diesem Typ Mensch (Untertan) nicht identifizieren kann. Da ich die ganze Darstellung dieser Jugend für vollkommen übertrieben und Realitätsfern halte. Es gibt zwar bestimmt eine Gruppe von Menschen, den solche Perversionen ( bestraft werden zu wollen von der nächst höheren Macht), aber für mich und bestimmt auch ein Grossteil der heutigen Jugend können sich solche Wünsche und Vorstellungen nur schwer ausmalen.

Für mich ist Diedrich Heßling nicht ganz „richtig im Kopf“, der sich nach Schmerz und Leid sehnt, und sich dabei aufführt, wie als wäre er der Kaiser höchst persönlich. Aber bestimmt ist meine Meinung natürlich auch nur Zeit gebunden, da die Zustände zu dieser Zeit ganz andere waren, wie wir sie heute nur kennen.

Deshalb muss ich den Schluss ziehen, dass ich aus diesem Roman nur sehr wenig über die da erzählte Jugend gelernt habe, auch weil die dort erzählte Jugend meiner Meinung nach ein Sonderfall  (Diedrich) darstellt, in den man sich nur schwer hineinversetzen kann.

Man bekommt auch nur ansatzweise einen Einblick in seine Gefühlswelt, die dann auch nur sehr schwer zu durchschauen ist , und seine Denkweise ist auch extravagant.

Zwar wird im ersten Kapitel die Einflüsse auf die Seele des autoritären Typs in Diedrichs Kindheit und Jugend beschrieben, aber dieser Entwicklungsgang, den man nun im Verlauf der nächsten Kapitel erwartet  bleibt aus.

Also kann man sagen, dass ich das Buch meine Erwartungen auf die Einsichten bezüglich der Jugend nicht ausreichend erfüllt hat.