DEUTSCHE LITERATURGESCHICHTE © gabriele weis
500-1500 Mittelalter
Keine schriftliche Überlieferung für die Zeit der Umgestaltung der germanischen Kultur durch antik-christliche Bildungseinflüsse zwischen 5. Und 8. nachchristlichem Jahrhundert Römischerseits überlieferte Formen der germanischen Dichtung: liod (Liebes-), leich (Bewegungslied), Sprichwörter, Rätsel, Zaubersprüche; balladeskes Heldenlied Umfangreichste Sammlung germanischer Heldendichtung: ÄLTERE ODER LIEDER-EDDA um 1260; JÜNGERE ODER PROSA-EDDA 7./8. Jhd. mit Sagenstoffen südgermanischer Herkunft aus der Völkerwanderungszeit: Wielandlied, Atlilied (burgundisch), Lied von Ermanerich (gotisch), Hildebrandslied (niederdeutsch), Beowulf (altenglisch) Stabreim rhythmisch hervorgehobene Silben der Langzeilen durch Gleichklang des Anlautes (Alliteration) miteinander verbunden Vorgetragen durch Berufsdichter an den Höfen: scop/scof - bis ins 8. Jhd - dann Übergang der Stoffe in die Spielmannsdichtung, später in den Heldenepen des Hochmittelalters, schließlich in die Volksballaden des ausgehenden Mittelalters
8.-12. Jhd. frühes Mittelalter:Unter Karl dem Großen wurde die Kirche zur Umerzieherin der germanischen Stämme. Die Verbindung zur vordeutschen germanischen Stammesdichtung riß ab
Bis 900 althochdeutsche Literatur unter Einwirkung der karolingischen Renaissance
Sammlung der germanischen Heldenlieder, Hofakademie mit lateinischer Hofpoesie, Anlage von Bibliotheken, Lektüre antiker Schriftsteller, Vervielfältigung von Handschriften , Abfassung von Kommentaren; Versammlung der geistigen Elite aller Stämme am Kaiserhof
Da die geistliche Absicht überwog, war die Literatur populär, deutschsprachig, vernachlässigte die Form - literarische Gebrauchsliteratur: katechistische Stücke, Gebete, Dichtungen über biblische Themen und Heiligenleben / Übernahme des lateinischen Endreims in die deutsche Dichtung
Bis 1025 ottonische Renaissance Vorherrschen der mittellateinischen Literatur
Erneuerung der Bindung der deutschen Kultur an die Antike; dezentrale Entwicklung - Zentren: Erzbistum Köln, Kloster Fulda; Kaiserfamilie selbst Literarische Tätigkeit war zunächst grammatische Tätigkleit: Glossen, Glossare, Unterlinearversionen, Übersetzungen Lateinische Dichtung: Epik + Vagantenlyrik, entstanden aus der lateinischen Schulopesie von Universität zu Universität ziehender Geistlicher, anhand antiker Vorbilder - gesammelt in der Cambridger Liederhandschrift 10./111.Jhd. und den Carmina Burana, 13. Jhd., Oberdeutschland; Liturgie-Tropen (liturgische Dichtung aus Prosasätzen, zum Gesang bestimmt, zur szenischen Verdeutlichung von Festtagsevangelien) Bis 1150 frühmittelhochdeutsche Literatur unter den Wirkungen der cluniazensischen Reform Erneuerung und Vertiefung des religiösen Lebens durch Askese - Mönchtum als reinste Ausprägung des christlichen Menschen; beginnendes Übergewicht der französischen Hochschulen über die duetschen in der Scholastik (wissenschaftliche Verwertung der philosophischen Begriffe der Antike, um die Glaubenswahrheiten der Religion zugleich auch als Vernunftwahheiten zu beweisen) und der Mystik (nicht das Wissen, sondern die Kontemplation als einem Geschenk Gottes führe zur Wahrheit und zur liebenden Selbstaufgabe in Gott) Hauptgattungen: Lehrgedicht, Predigt, Satire, Nacherzählung biblischer und legendärer Stoffe, religiöse Empfindungslyrik, Marienleben, Marienlyrik; Formale Verwilderung: beliebige Verslängen, beliebige Füllung der Senkungen, Reimpaare zu ungleichen Abschnitten geordnetEntsthehung des vorhöfischen Epos im Konkurrenzkampf der Geistlichen mit den Spielleuten - Spielmannsepik Zwischenstellung zwischen Heldenepik und höfischer Epik1170-1270 hohes Mittelalter
weltliche Kultur der Stauferzeit als ritterliche Formkultur zur Überwindung des fabulierenden Charakters der Spielmannsdichtung
Grundlage: Machtentfaltung des staufischen Kaisertums, das im Kontext der Kreuzzüge über die Begegnung mit dem Fremden den Blick für das Abendländische schärfte und den neuen ministerialen Ritterstand in die Nähe des Hochadels aufsteigen ließ - ideologische Arbeit an den Idealen des Ritterstandes
Zunehmender Einfluß französischer Kultur
Hauptgattung: Höfisches Epos - liefert eine Fülle von Lebensidealen und Tugendvorstellungen, lebt aus der Spannung von Diesseits-Jenseits, weltlich-geistlich, Schönheit-Sünde, überbrückbar durch Ideale
Zentraltugenden: maze durch zuht (Erziehung wie Selbtzucht), hoher muot (seelisches Hochgestimmtsein), froide (heitere Lebenshaltung, sich selbst und den Widerständen des Lebens abgerungen), ere dem Kampfgegener gegenüber, triuwe oder staete dem Waffengefährten gegenüber, milte dem Untergebenen gegenüber
Zweite Hauptgattung - entsprechend der Sondersituation zwischen dichtendem Ministerialen und höfischer hochadeliger Dame, deren Gatte unterwegs war: Minnesang (gesellschaftliche Frauenverehrung um ihrer veredelnden Wirkungen willen/ die Frau als Korrektiv des Ritterstandes) - entsagendes Werben, seelische Bewegtheit durch ein unerfüllbares senen / = Gesellschaftskunst, nicht Erlebniskunst
Kennzeichen der höfischen Literatur sind damit: ihr idealistisch-wirklichkeitsfremder, exclusiv-aristokratischer, streng formal durchgebildeter Charakter. Erstrebt wurden Klarheit und kunstvolle Simplizität bis hin zur Zierlichkeit; Betonung der Quelle das Publikum verlangte aus Gründen der Wahrheit Belegbarkeit, Geschichtlichkeit, Belesenheit, Bildung
Mit dem nachstaufischen Verfall des Rittertums beginnt dann das Bürgerliche in die literarische Produktion einzudringen - außerstande den vom Rittertum gesteckten Rahmen auszufüllen - Verfalle der alten Kunstformen und Ideale
1250-1500 spätes Mittelalter:
Verlust des Höfischen, nicht Abkehr von ihm
Die Städte erstarken als Bildungszentren neben den Höfen Zunftkämpfe; erweiterte Mäzenatenschicht; Papier als billigeres Verbreitungsmittel gegenüber dem älteren Pergament
Aufschwemmung der Epen, ungeheure Anreicherung des Stofflichen; Stilmischungen; Zug zum Realen, Nützlichen, Rationalen; Lehrdichtung, Zeit- und Gelegenheitsdichtung, politische Dichtung, Geschichtsschreibung, Reisebeschreibung, Schwank, Fastnachtsspiele (15. Jhd); zersungene Lieder
Neben dem Vers allmähliche Ausbreitung von literarischer Prosa; Haupttyp des geistlichen Spiels wird im 14. Jhd. das Passionsspiel
Bürgerliche Fahrende im 14. Jhd. - Kunst als Broterwerb
Meistersinger im 15. Jhd. - Kunst nebenberuflich und unentgeltlich
Mystische Literatur (griech. Myein die Augen schließen); Frau wird literarisch mündig - Laienfrömmigkeit
Untergangsstimmung, Schwermut, Einfügung in die Welt